THEATERBREMEN

Erfolgreiche Schauspiel-Premiere: „Ein Haus in der Nähe einer Airbase“

Am Freitag, 2. Februar um 20 Uhr kam im Kleinen Haus Akin Emanuel Sipals Stück Ein Haus in der Nähe einer Airbase zur Uraufführung. Regie führte Frank Abt, der Sipals sensible Familiengeschichte mit einem Ensemble aus Irene Kleinschmidt, Siegfried W. Maschek, dem Gast Marco Massafra und Fania Sorel in Szene setzt.

Akın Emanuel Şipal, der als Autor bereits an dem erfolgreichen Sezen Aksu-Liederabend Istanbul beteiligt war und seit dieser Spielzeit als Dramaturg am Theater Bremen tätig ist, schrieb das Stück als Auftragsarbeit für das Theater Bremen.

Eine Kleinfamilie mit türkischen Wurzeln gibt ihre Existenz in Deutschland auf und zieht kurz entschlossen ins eigene Ferienhaus nach Adana, in die Nähe des amerikanischen Militärstützpunktes nahe der syrischen Grenze, an einen der geschichtsträchtigsten Orte der Türkei. Mit einer vielversprechenden Geschäftsidee im Gepäck, ist die Familie bereit, ein neues Leben zu beginnen. Aber das Leben am Sehnsuchtsort erweist sich als Kampf mit dem Faktischen. Und die Erfahrung, dass Heimat auch Fremde bedeuten kann, trifft hart. Im Angesicht des niederbrennenden Familienbesitzes rollt sich die Familiengeschichte auf. Mit dem Haus brennen auch die optimistischen Zukunftspläne der Eltern und der Traum des Vaters nieder, als erfolgreicher Geschäftsmann aus Deutschland in die alte türkische Heimat zurückzukehren, um dort mit dem Verkauf von Solaranlagen ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich erfolgreich zu agieren.
Şipal zeichnet ein positives aber nicht romantisierendes Bild der Türkei und setzt sich dabei auch mit dem deutschen Blick auf dieses Land, das sich in seiner Komplexität einer vereinfachenden Verschlagwortung widersetzt, auseinander.

„Es ist ein großes Glück einen jungen Autor wie Akın Emanuel Şipal für Bremen zu gewinnen, der sich in der langen und spannungsvollen deutsch-türkischen Geschichte auskennt und bereit ist, in seinem Schreiben, seine persönlichen Gefühle und Beobachtungen klug und mit viel Humor preiszugeben“, bemerkt Viktorie Knotková, die die Produktion als Dramaturgin betreut. Regisseur Frank Abt fokussiert in seiner Arbeit vor allem die Familiengeschichte, wobei er auch „das Politische, das im Privaten liegt“ transparent macht. Er nähert sich den Figuren, ihren Beziehungen und ihrer emotionalen Verfasstheit über ihre mosaikartig erzählten Erinnerungen. Die Musik, die den Abend atmosphärisch in der Provinz Adana verortet, kommt von der türkischen Sängerin Nihan Devecioğlu, die zwischen leisen Tönen und großer stimmlichen Präsenz ihre ganz eigene Stimmpraxis entwickelt hat. Devecioğlu war 2016 bereits mit ihrem multinationalen Ensemble The single Camels mit einem Konzert zu Gast im Theater am Goetheplatz.

Frank Abt arbeitete, nach dem Studium der Theaterwissenschaften in Berlin und Paris, als Regieassistent am Thalia Theater Hamburg. Dort entstanden die ersten Regiearbeiten; es folgten Inszenierungen am Volkstheater München, Schauspielhaus Bochum, Schauspiel Stuttgart, Deutschen Theater Berlin, Maxim Gorki Theater Berlin. Seit der Spielzeit 2012/13 arbeitet Frank Abt kontinuierlich für das Theater Bremen. Unter anderem inszenierte er die Familienstücke „Robin Hood" und „Die Brüder Löwenherz", den Liederabend „Jetzt musst du springen", die Uraufführung „Herkunft" von Oskar Roehler und die – bislang – drei Teile umfassenden Abende der Knausgård-Reihe „Sterben", „Lieben" und „Spielen".

Diskussion mit dem Autor nach jeder Vorstellung.

Und das sagt die Presse:
„ […] Ins Mythische erweitert wird diese Spätheimkehrer-Versuchsanordnung mit ihrem von Frank Abt gut herausgearbeiteten Entfremdungspotenzial durch eine vierte Figur. […] Poetisch eindringlich ist sein Text, […]. Davon zeugt auch der herzliche Beifall des Premierenpublikums.“
Hendrik Werner, Weser Kurier, 04.02.2018


Das Foto zeigt (v.l.): Siegfried W. Maschek, Irene Kleinschmidt und Fania Sorel.
Foto & Copyright: Jörg Landsberg.