THEATERBREMEN

Erfolgreiche Junge Akteure-Premiere: „Turnen“

Choreograf Tomas Bünger erarbeitete mit Jungs und jungen Männern ein Tanztheaterprojekt zum Thema Männlichkeit und Gruppenzugehörigkeit.

Teamplayer oder Einzelkämpfer? Ringer oder Balletttänzer? Junge oder Mann? Konkurrent oder Freund? Wie muss, darf, kann ein Mann sein? Choreograf Tomas Bünger geht diesen Fragen in der neuen Junge Akteure-Produktion „Turnen“ zusammen mit 15 Jungen Akteuren im Alter von 11 – 22 Jahren nach und unternimmt den Versuch, der direkten Schönheit der Bewegung sehr verschiedener Jungen und junger Männer Raum zu geben. Die Premiere findet am Samstag, 20. Mai um 19 Uhr im Kleinen Haus statt.

Bünger will mit dem Projekt gängige Klischees des Mannseins und auch die damit zusammenhängenden Körperbilder hinterfragen. Im Tanztheaterprojekt „Turnen“ kommen hierfür 15 sehr unterschiedlich geprägte Jungen und junge Männer zusammen, die aus verschiedensten Teilen der Welt stammen und in ihrer körperlichen Entwicklung an ganz unterschiedlichen Punkten stehen. „Tanz, das ist Recherche am eigenen Körper“, betont Bünger, der bei „Turnen“ lediglich die Gruppenkonstellationen choreografiert und ansonsten alles, was die Darsteller als Soli anbieten, zunächst fast unbearbeitet übernimmt. Die solistischen Momente dieses Projektes entstehen so immer vor der Hintergrund ihrer ganz eigenen Körperlichkeit und Identität. Einige Darsteller bringen bereits aus früheren Junge Akteure-Produktionen Vorerfahrungen mit, andere tanzen hingegen zum ersten Mal.

In Vorbereitung auf das Projekt haben sich Tomas Bünger und die Dramaturgin Marianne Seidler mit der von Friedrich Ludwig Jahn initiierten Deutschen Turnbewegung auseinandergesetzt. Jahn entwickelte Anfang des 19. Jahrhunderts das Turnen als eine körperliche Betätigung für jedermann, jedoch nicht ohne einen wehrpolitischen Nutzen. Der Kameradschaftsgeist war dabei stets zentral. Wie schmal der Grad zwischen Kameradschaft, Konkurrenz und Feindschaft ist, nimmt Bünger in seinem Projekt ebenso in den Blick wie die Frage nach körperlicher Dominanz durch Muskelkraft und die Frage, wie man zu einer Stärke gelangen kann, wenn man physisch vielleicht eher schwach ist. Daher bildet die ästhetische und inhaltliche Klammer der Turnraum, der sehr ambivalente Bilder hervorruft und von einer Welt erzählt, in der sich der Sportler als Junge, Mann und Kämpfer behaupten muss.

Die Musik für den Abend komponierte Max Nübling der die verschiedenen Teile von Soli und Gruppenmomenten und die Übergänge von Turnübungen und choreografischen Parts atmosphärisch verknüpft.

Tomas Bünger hat an der Hochschule für Musik Theater und Medien in Hannover Klassischen und Modernen Bühnentanz studiert. Von 1999 bis 2012 war er Tänzer beim Bremer Tanztheater unter der Künstlerischen Leitung von Susanne Linke und Urs Dietrich. Er hat mit vielen internationalen Choreografen, wie Rodolpho Leonie, Rami Be´er, Emanuel Gat, Ingun Bjornsgaard, Tero Saarinen, Henrietta Horn und Reinhild Hoffmann gearbeitet und weltweit gastiert. Heute beschäftigt er sich mit der Weitergabe von Bewegungswissen in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen bis hin zur Inklusion. Seit 2014 arbeitet er als Gastdozent eng mit dem Goethe-Institut Bangladesh und dem Nationaltheater in Dhaka zusammen. Er ist Jury-Mitglied des Tanztreffens der Jugend im Rahmen der Berliner Festspiele.

Weitere Termine:
Mittwoch, 24. Mai 2017, 19:00 – 21:00 Uhr
Montag, 29. Mai 2017, 10:30 – 12:30 Uhr
Sonntag, 18. Juni 2017, 18:30 – 20:30 Uhr
Montag, 19. Juni 2017, 19:00 – 20:15 Uhr / Zum letzten Mal in dieser Spielzeit

Unser Foto zeigt das "Turnen"-Ensemble. Copyright: Jörg Landsberg.