THEATERBREMEN

Erfolgreiche Premiere im Kleinen Haus: „Golden Heart“

In „Golden Heart“, ihrer sechsten Produktion für das Theater Bremen, die am Freitag, 13. Januar Premiere im Kleinen Haus hatte, setzt sich Alize Zandwijk mit Fragen zum Themenfeld Nächstenliebe, Hingabe und Rücksichtnahme auseinander. Inspiration zur Produktion „Golden Heart“ fand sie bei den Filmen von Lars von Trier, insbesondere bei „Breaking the Waves“ und „Dancer in the Dark“, die zusammen mit „Idioten“ von Triers ‚Golden-Heart-Trilogie' bilden. „Golden Heart“ ist als spartenübergreifendes Projekt von Tanz und Schauspiel konzipiert.
Neben den SchauspielerInnen Nadine Geyerbach, Guido Gallmann, Robin Sondermann und Fania Sorel gehören die TänzerInnen Gotta Depri, Miquel de Jong, Lotte Rudhart und Szu-Wei Wu zum Ensemble. Musikalisch begleitet wird der Abend von Maartje Teussink, die unter anderem bereits bei „Der Kirschgarten“ und „Eine Familie“ mitwirkte. Die Multiinstrumentalistin Teussink wird mit ihrer Musik die verschiedenen Szenen atmosphärisch umklammern, untermalen und verstärken.
„Ich finde, man muss dringend auch mal über das Gute in der Gesellschaft sprechen, statt sich immer nur mit dem Schlechten aufzuhalten“, begründet Zandwijk ihre Themensetzung. In einer Gesellschaft, in der Profitmaximierung und der eigene Vorteil maßgeblich handlungsleitende Motive sind, vermisst sie den Wir-Gedanken, den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zandwijk möchte dem in ihrer Arbeit etwas entgegensetzen und Handlungsalternativen aufzeigen. Dabei nähert sie sich dem Themenkomplex von Altruismus und Nächstenliebe in verschiedenen mosaikartig gebauten Szenen, bei denen es weniger um eine stringente Entwicklung eines Geschehens geht, als vielmehr um die innere Haltung der Akteure und nicht zuletzt auch um die Konflikthaftigkeit, die altruistisches Handeln zur Folge haben kann.

Alize Zandwijk wurde 1961 in den Niederlanden geboren. Mit 18 Jahren begann sie ihr Regiestudium an der Theaterakademie in Kampen, wirkte zunächst in kleinen Theatergruppen in der Off-Szene mit und errang in den späten 1980ern überregionale Aufmerksamkeit mit einer Reihe von Jugendtheater-Inszenierungen. 1998 bildete sie mit Guy Cassiers die künstlerische Leitung des Rotterdamer Ro Theater, für deren gemeinsame Arbeit sie 2002 den Albert-van-Dalsum-Award erhielten. Zandwijks Inszenierungen am Ro Theater gastierten unter anderem bei den Wiener Festwochen, dem Edinburgh Festival, den Theaterformen in Hannover, dem Holland Festival TF-1 sowie den Autorentheatertagen Hamburg. Im Mai 2006 wurde sie Künstlerische Direktorin des Ro Theater. Seit 2003 inszeniert sie regelmäßig in Deutschland, unter anderem am Thalia Theater und am Deutschen Theater Berlin. Am Theater Bremen gab sie in der Spielzeit 2012/13 ihr Debüt mit Dea Lohers „Das Leben auf der Praça Roosevelt“, es folgten Anton Tschechows „Der Kirschgarten“, Arne Sierens „Mädchen und Jungen“ und Tracy Letts „Eine Familie“. Seit dieser Spielzeit, in der sie bereits die erfolgreiche Produktion von Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ erarbeitet hat, bekleidet sie zudem den Posten der Leitenden Regisseurin.

„Alize Zandwijk versteht es immer wieder, vielfarbig schattierte Stimmungen als Seelenbilder zu inszenieren, indem sie Haltungen für die Figuren eines Stückes erfindet und diese dann in Bewegung versetzt.“
Jens Fischer, Die deutsche Bühne online, 16.01.2017


Unser Foto zeigt: Lotte Rudhart, Guido Gallmann, Martje Teussink, Nadine Geyersbach
Foto u. Copyright: Jörg Landsberg