THEATERBREMEN

Premiere:„Tartuffe“ am 29. April

Der Schauspieler und Regisseur Samuel Weiss inszeniert zum zweiten Mal am Theater Bremen: Nach der erfolgreichen Produktion von Lot Vekemans Kammerspiel „Gift. Eine Ehegeschichte“ in der letzten Spielzeit bringt er nun Molières 1664 uraufgeführten Komödienklassiker „Tartuffe“ auf die Bühne, mit Simon Zigah in der Titelrolle und Guido Gallmann als Orgon. Die Premiere findet am Samstag, 29. April im Theater am Goetheplatz statt.

Der reiche Bürger Orgon nimmt seinen neuen Freund und Vertrauten Tartuffe in seinem Haus auf. Während die anderen erkennen, dass es sich bei Tartuffe um einen geschickten Hochstapler und Betrüger handelt, sieht Orgon in ihm einen rechtschaffenden und frommen Mann, dem er sogar die Hand seiner Tochter anbietet. Unter dem Einfluss Tartuffes entwickelt sich der liberale Orgon zu einem wertkonservativen Spießbürger und schiebt dem ausschweifenden Lebensstil in seinem Haus einen Riegel vor. Als Orgon schließlich bemerkt, dass Tartuffe sich mehr für sein Geld als für sein Seelenheil interessiert, scheint es bereits zu spät, denn Orgon hat Tartuffe bereits sein Vermögen überschrieben.

„Orgon und Tartuffe – das sind zwei Seiten einer Persönlichkeit, die einander bedingen“, bemerkt Samuel Weiss, „Orgon versucht, der Wohlstandshölle, in der er mit seiner Familie lebt und die durch eine große Übersättigung und inhaltliche Leere gekennzeichnet ist, etwas entgegenzusetzen und ist deswegen verführbar.“ Weiss erkennt in dem Bedürfnis, sich jemandem anzuvertrauen und der Bereitschaft, eine Lüge für wahr zu nehmen angesichts der heutigen weltpolitischen Entwicklungen ein hochaktuelles Thema. Er möchte in seiner Inszenierung die hinter der rhetorisch gedrechselten Fassade der Verssprache verborgenen Emotionen frei legen und mit den Mitteln der Kömodie an die Schmerzpunkte der Gesellschaft kommen. Der Regisseur liest „Tartuffe“ bei aller Komik auch als eine Studie über menschliche Abgründe. In seinen Arbeiten suche Weiss immer auch den „wahren Kern“ der Figuren, erläutert dazu Dramaturgin Simone Sterr: Orgon zum Beispiel erkenne zum Schluss zwar seine Verblendung, aber dann stelle sich die Frage „‘Was bleibt mir? Wer bin ich eigentlich?‘ Die Antwort bleibt offen, das Happy End somit zweifelhaft.“

Samuel Weiss, geboren 1967 in Männedorf bei Zürich, absolvierte von 1986 bis 1990 seine Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Während seiner Ausbildung gastierte er am Burgtheater Wien und am Schauspiel Frankfurt. Nach seinem Engagement am Landestheater Tübingen (1991/92) war er von 1993 bis 2001 Ensemblemitglied am Staatstheater Stuttgart. 1998 inszenierte er dort „Messer in Hennen“ von David Harrower und die Uraufführung von Roland Schimmelpfennigs „Die arabische Nacht“. Seit 2001 gehört er zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, wo er unter anderem mit Sebastian Nübling, Martin Kušej, Stephan Kimmig, Kevin Rittberger und Frank Castorf arbeitete. Außerdem inszenierte er dort „Baal“ von Bertolt Brecht, „Peter Pan“ und „Ein Sommernachtstraum“. In der Spielzeit 2015/16 inszenierte er Lot Vekemans Kammerspiel „Gift. Eine Ehegeschichte“ im Theater am Goetheplatz.

Unser Foto zeigt Simon Zigah, Peter Fasching, Guido Gallmann und Annemaaike Bakker
Copyright: Jörg Landsberg