THEATERBREMEN

Kleines Haus

Ödipus / Antigone

von Jan Eichberg nach Sophokles
18 Uhr Einführung

Alles ist gut. Ödipus ist Herrscher von Theben, ein guter Ehemann und ein noch viel besserer Vater. Wenn da nicht Haimons Zustände wären. Der behauptet nämlich, er habe Pest. Natürlich macht sich Haimons Vater, Kreon, Sorgen. Denn Haimon glaubt sogar an Götter. Warum nicht in Behandlung gehen bei Theresias, dem Seher? Iokaste, Ödipus’ Ehefrau und Kreons Schwester, findet das gar nicht gut. Jetzt kommt nämlich so einiges mehr ans Tageslicht ... Das ist zu viel für Ödipus. Nach seiner Selbstverstümmelung tritt Kreon an seine Stelle und will für Ordnung sorgen. Seine Angst vor Chaos ist dabei so groß, dass er mit seiner dogmatischen Strenge auch nicht vor der eigenen Familie Halt macht. Antigone aber, Ödipus’ Tochter, eifert ihrem Vater nach und arbeitet an ihrem Ruf als freiheitsliebende Heldin.
Mit „Ödipus / Antigone“ inszeniert Felix Rothenhäusler zwei große Stücke in einem. Ödipus muss erkennen, dass obwohl er alles richtig gemacht hat, ihm Schlimmstes widerfahren ist und er dies nicht einmal bemerkt hat: Die Offenbarung von Vatermord und Inzest stürzt den Thebaner Hof ins Chaos. Kreons Versuch diesem entgegenzuwirken, erzeugt noch mehr Chaos und so tritt Antigone in Ödipus’ Fußstapfen, um auch eine Heldin zu werden. Und ins Verderben zu stürzen. Wie ihr Vater.

Dauer: ca 70 Minuten, keine Pause

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Pressestimmen

„[…] Auftritt Ensemble. Sieben auf einen Streich entern für 70 Minuten das Inselchen. Verlassen werden sie es erst für den kräftigen Schlussapplaus. […] Für Felix Rothenhäuslers pointierte Inszenierung „Ödipus/Antigone“ hat Jan Eichberg […] eine gewitzte Textfassung aus den ersten beiden Dramen der sogenannten Thebanischen Trilogie erstellt. Eine […] stark angefütterte Version, in der heutiger Alltagsjargon ebenso krass echot wie Lyrik des 20. Jahrhunderts. […] Der Filmemacher, der schon Rothenhäuslers rasante „Mr. Robot“- Adaption segensreich in Textform gebracht hat, kennt den Ping-Pong-Sound der Sitcom, den das vornehmlich statuarische Tableau wie beiläufig der Stichomythie der Sophokles-Verse an verwandelt. Handlungsstränge […] stellen sie rein theoretisch vor im vorzugsweise (und vorzüglich!) monotonen Singsang einer schrecklich telegenen Familie mit tollen tumben Blicken. […] Diese genüssliche Dekonstruktion von Sprechhandlungen treibt viel höheren Blödsinn hervor, stiftet aber auch Erkenntnisse. Das liegt auch an den grandiosen Gitarren-Interventionen, mit denen Matthias Krieg bald jeden Satz kommentiert, hinterfragt, ins Absurde steigert. […] Robin Sondermann […] vermag Ungeheuerlichkeiten so harmlos und bübisch, so jovial und mildernd zu intonieren, dass eben noch aufgerissene Abgründe binnen kurzer Zeit wieder verschwunden, ja perdu scheinen. […] Sehenswert, wie tragikomisch Rothenhäusler und sein Team dieses Diktum auslegen.“ (Hendrik Werner, Weser Kurier, 11.12.2017)

„[…] Absolut gelungen ist der Coup, Antigone und Ödipus ausgesprochen witzig und kurzweilig in 75 Minuten auf die Bühne zu bringe. Das Könighaus Theben amüsiert sich hier gewissermaßen zu Tode. […] Mir hat die Dekonstruktion viel Spaß gemacht, zumal sie konsequent und stimmig vom sehr überzeugenden Ensemble umgesetzt wurde.“ (Christine Gorny, Radio Bremen 2, 10.12.2017)

„[…] Das Schlafzimmer als Keimzelle der Familie ist als Schauplatz ideal gewählt. […] Permanent wird geredet, und zwar in einer Sprache, die gelungen zwischen dem Duktus von Hölderlins Übersetzung und moderner Umgangssprache changiert (Textfassung Jan Eichberg) – unterstützt wird der sich daraus ergebende Sprechrhythmus von Matthias Kriegs pointiert eintönigen Gitarrenklängen. […] Auf der Bühne entwickelt diese […] Ego-Show eine […] hochkomische Dynamik. […] Für diese intelligent inszenierte Sprechblasen-Ego-Show gab es natürlich verdientermaßen jede Menge Applaus vom Premierenpublikum.“ (Jens Laloire, Kreiszeitung, 11.12.2017)

„[…] Dass es Felix Rothenhäusler in seinem ebenso konzentrierten wie kurzweiligen Schnelldurchlauf thebanischer Staatskunst gelingt, auf den griechischen Klassiker zu reagieren als hätte er den Stoff eben aus irgendeinem Wochenendbeilagenfeuilleton aufgeschnappt, als wäre das alles nicht x-fach durchgespielt, hat mit dem Telefon zu tun. […] Jan Eichberg hat für den Abend eine sprudelnde Sophokles-Paraphrase geschrieben. […] Als Familienkonstrukt stehen die sechs Figuren plus Seher (Siegfried W. Maschek als hübsch hinterhältiger dramaturgischer Takt- und Ideen-Flüsterer) da. […] Eine interessante Konstellation […] für eine Tragödienbearbeitung. […] Vergnügen bereitet das Beiwohnen bei dieser psychologischen Schlachtbeschreibung allemal. Beeindruckend rasch rauschen die sieben Thebaner/innen durch Eichbergs hohen und stumpfen Ton oszillierenden Text. Anregend verrätselt genug sind die eingestreuten Anspielungen auf deutsch-griechisch-europäische Verhältnismäßigkeiten von Klassikerbegeisterung über Kriegsbesatzung bis Schuldenkrise. Plausibel schrullig genug das dauernde Zu- und Wegschalten Theresias‘ per Telefon. Elegant genug das An- und Ausspielen von allem, was nicht Text ist. […] Schlau genug Matthias Kriegs – stets mit elektronisch erweiterter Gitarre am Bühnenrand – die Musikalität des Ganzen unterstreichende. […] Präzise, weil offen genug Katharina Schütz‘ zum Meer-Prospekt atmender Villenausschnitt in Art Deco-Echo. Vergnügen bereitet dieser Abend aber vor allem, weil sich hier die Akteure dermaßen vertraut in einen Text ver- und diesen auf die Spur setzen, dass er fröhlich schnurrt wie ein Uhrwerk. Aber eines voller Herz und Verzweiflung. Dass Gesten rar sind, kaum einmal wer aufsteht, dass die Geächteten und Toten beständig mitquatschen […] macht die tragödische Verstrickung umso unausweichlich deutlicher. Nur eben sehr komödiantisch.“ (Tim Schomacker, nachtkritik.de, 10.12.2017)