THEATERBREMEN

Kleines Haus

Das Leben auf der Praca Roosevelt

von Dea Loher

„Es wird uns allen früh beigebracht, wie man das Nagelbrett akzeptiert, das dir das Leben hinstellt. Wir legen uns darauf und haben gelernt, nicht zu schreien vor Schmerzen. Eine ganze Stadt voller Fakire. Aber es wird uns erst besser gehen, wenn wir unsere Wunden zeigen.“ (Vito) — Praça Roosevelt, ein gewöhnlicher Platz in der Megametropole São Paulo. Hier treffen sie sich: die schöne Bingozahlen-Ansagerin, die krebskranke Sekretärin Concha und ihre beste Freundin Aurora, ein alternder Transvestit. Der Revolverfabrikant, der das Töten mit den Waffen, die er hergestellt hat, nicht mehr aushält, Mundo, ein Obdachloser, der mitten auf dem Platz sitzt und kein Wort spricht, die Dealer, die Huren und ihre Kunden – und ein Polizist. Verzweifelt sucht er im täglichen Chaos seinen Sohn.
Dea Lohers Biografien-Panoptikum ist weniger exotisch als realistisch: das Elend, der Kampf ums Überleben, aber auch die Träume und der rettende Zusammenhalt der Außenseiter sind – wie vieles andere – längst global. „Wie viel São Paulo steckt in Bremen, wie viel Bremen in São Paulo?“, fragt die niederländische Regisseurin und Direktorin des Ro Theaters Rotterdam Alize Zandwijk zur Eröffnung der Schauspielsaison am Theater Bremen.

Eine Koproduktion mit dem Ro Theater Rotterdam

Dauer: ca. 2,5 Stunden, keine Pause

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Besetzung

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Pressestimmen

„Die genauen Beobachtungen, die überraschenden Details und kleinen poetischen Überhöhungen sind Lohers Stärke, und Zandwijk hat wie ihre Schauspieler (allen voran: Fania Soel als Concha) ein gutes Gespür für den Witz in der Verzweiflung – zweieinhalb pausenlose Stunden lang hält die Inszenierung die Balance zwischen Optimismus und Tristesse.“
Frankfurter Rundschau, 5. Oktober 2012

„Mit einem reinigenden künstlerischen Gewitter nach jahrelanger bedrückender Schuldenschwüle meldet sich das Theater Bremen zurück unter den Spitzentheatern Deutschlands.“
Die Welt, 3. Oktober 2012

„Unaufgeregt und schlicht bringt die Regisseurin die berührenden Geschichten der Protagonisten auf die Bühne. Das Stück bietet ja auch genug Substanz und muss nicht künstlich aufgemotzt werden.“
Margit Ekholt, Nordwestradio, 1. Oktober 2012

„Alize Zandwijk hat mehrfach in Deutschland Regie geführt und sie hat Dea Loher für die Niederlande entdeckt, was zu ausgereiften Ergebnissen wie Unschuld (2007) oder Das letzte Feuer (2009 führte. Mit diesem Abend erreicht dieser Zusammenhang einen neuen und besonderen Höhepunkt. Praça Roosevelt ist mitreißendes Theater, poetisch, verzweifelt und tröstend zugleich.“
Volkskrant