THEATERBREMEN

Kleines Haus

Die Affäre Rue de Lourcine

von Eugène Labiche
Deutsch von Elfriede Jelinek

„Warum nur erinnern wir uns kein bisschen an letzte Nacht? – Weil wir offensichtlich eine verdammt gute Nacht hatten.“ (The Hangover) — Nacht durchzecht. Mann abgeschleppt. Filmriss. Nach dem Klassentreffen erwacht Lenglumé neben einem anderen Mann! Die Erinnerung an das Ende des Abends fehlt. Die Kleidung ist schmutzig, der Regenschirm mit dem Affenkopf verschwunden und die Taschen sind mit Obstkernen und Kohlenstaub gefüllt. Ein Zeitungsartikel scheint die Erklärung zu liefern: „Heute morgen wurde in der Rue de Lourcine der grauenhaft verstümmelte Leichnam einer jungen Kohlenträgerin aufgefunden. Man nimmt an, dass es sich um zwei Täter handelt. Die Justiz ist dem Paar aufgrund zweier Gegenstände, die am Tatort zurückgelassen wurden, bereits auf der Spur. Ein grüner Regenschirm mit Affenkopf und ein Taschentuch mit den Initialen J. M.“ Für das Theater Bremen adaptiert und erweitert Felix Rothenhäusler seine bereits in Hamburg und Straßburg begeistert aufgenommene hochmusikalische Inszenierung von Labiches Komödie.

Dauer: 70 Minuten, keine Pause

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Pressestimmen

„Die Inszenierung belässt ihre Protagonisten das gesamte Stück über einem Delirium. Säufer sind das, die nicht wissen, was mit ihnen passiert, und doch kurze 70 Minuten lang immer in Bewegung bleiben. Genauer gesagt rennen sie halbwegs koordiniert im Kreis auf einer minimalistischen Bühne (Léa Dietrich), denn würden sie stehen bleiben, würden sie sofort umkippen, jeder könnte sehen, in was für einem Zustand sie sich befinden, und die mühsam gewahrte Form wäre dahin. Darum geht es: die Form zu wahren, egal wie lächerlich sie mittlerweile scheinen mag. Es geht also auch ganz ernsthaft um gesellschaftliche Zwänge, die freilich durch den unbedingten Willen des Ensembles zur Komödie nicht im Verkopften stecken bleibt.“
Falk Schreiber, Theater heute, Februar 2013

„Übersetzt wurde das Stück von Elfriede Jelinek, in Bremen bringt es Felix Rothenhäusler auf die leere Bühne mit weißem Teppich. Darauf drehen die Akteure des Stücks gut 75 Minuten unaufhörlich ihre Runden. Zum schwindelig werden. Diese Farce ist durch und durch abgedreht. Viel Applaus.“
Corinna Laubach, BILD, 27. November 2012

„Ist’s vorüber lacht man drüber, lachen ist gesund“, singt eine (endlich wieder) saubere Gesellschaft. Sie wird dargestellt von einem prächtig gut gelaunten, durchweg überzeugenden Ensemble. Johannes Kühn ist ein Monsieur Lenglumé, der sich bei aller Biederkeit am Tage sein nächtliches Herz durchaus als Mördergrube vorstellen kann. Während er zuweilen noch nüchtern wird, gibt Matthieu Svetchine seinen Saufkumpan Mistingue als dauerdunen Schwerenöter, und Martin Baum, Lenglumés Vetter, überschätzt fortwährend die eigene Durchtriebenheit, was unweigerlich übelste Sprachstörungen zur Folge hat. Der Bedienstete von Claudius Franz ist beinahe noch die seriöseste, jedenfalls die zurückhaltendste und distinguierteste Figur in diesem Panoptikum der schrägen Vögel – während Annemaaike Bakker als Lenglumés Ehefrau sowohl wunderbar bigotte als auch kratzbürstig-hysterische Töne anzuschlagen weiß. […] „Alles dreht sich“? Eine runde Sache!“
Rainer Mammen, Weser-Kurier, 20. November 2012

„Das Ensemble befindet sich komplett auf der Bühne. Und anstatt sich zumindest räumlich analog zum Text zu bewegen, umkreisen sich die Figuren, sind ständig in Bewegung, der von Elfriede Jelinek mit reizvoller österreichischer Färbung übersetze Text ist es, der die Geschichte erzählt. Was da wie eine zeitgenössisch postdramatische Versuchsaufstellung wirkt, unterlegt, kontrapunktiert, unterwandert die Komödie. Und auch wenn das abstrakt klingt, gelingt Felix Rothenhäusler doch eine echte Komödie. Was ohne ein exzellentes Ensemble nicht funktionieren würde. Vor allem Johannes Kühn als Leglumé im Feinrippunterhemd wäre da zu nennen, aber auch Matthieu Svetchine als Mistingue oder Annemaaike Bakker als Lenglumé – es ist ein Vergnügen, da zuzuschauen. Nicht vergessen dürfen wir den Musiker Matthias Krieg, der dem Abend sachten Rhythmus verleiht. Eine höchst unterhaltsame Arbeit.“
Andreas Schnell, Nordwest-Zeitung, 20. November 2012