THEATERBREMEN

Kleines Haus

Die Familie Schroffenstein

von Heinrich von Kleist

„Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom.“ (Albert Einstein) — Graf Rupert von Schroffensteins jüngster Sohn wird tot im Wald aufgefunden. Die Umstände scheinen verdächtig, der Schluss zwingend: Es handelt sich um kaltblütigen Mord, aus Habgier verübt durch Ruperts Vetter Sylvester. Seit langem schon sind die Familien der Vetter von Schroffenstein durch einen Erbvertrag entzweit. Stirbt eine der Erblinien aus, geht ihr Besitz automatisch an den anderen Familienzweig über. Graf Rupert ist überzeugt, Sylvester hat seinen Sohn erschlagen, um auf diese Weise in den Besitz des Familienerbes zu gelangen. Am Grab schwört er blutige Rache. Was folgt ist eine Spirale der Gewalt, die zum Tod der eigenen Kinder führt. Kleist beschreibt wortgewaltig das Misslingen einer Verständigung und setzt an dessen Stelle die Logik und Dynamik einer Kriegsrhetorik, die durch Vorurteile und Ängste genährt wird. Die durchaus komischen Elemente der Kleistschen Tragödie, die durch die konsequente Überspitzung der Ereignisse entsteht, erinnern an den Humor der Filme Quentin Tarantinos.

Dauer: 1 Stunde 50 Minuten, keine Pause

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Die Familie Schroffenstein

von Heinrich von Kleist

Pressestimmen

„Die Vorlage erweist sich dabei als hochmodern, weil sich die Tragik des Stücks aus einem Phänomen ergibt, das heute geläufig ist für fatale kommunikative Kettenreaktionen: Verschwörungstheorien. Und so lässt Riemenschneider die präzise wie rasant gebauten Dialoge Heinrich von Kleists mit Tempo sprechen, da wird Hörensagen zu Wahrheit veredelt und schon eskalieren Schlagabtäusche in irrwitzigen Aktionen“
Iris Hetscher, Weser Kurier, 02.05.2016

„Es ist eine finstere Rachetragödie, pessimistisch, blutig und ohne Happy End. Trotzdem gibt es sogar was zu lachen. Gerade in der radikalen Zuspitzung dieser Familienfehde entstehen groteske und absurde Momente und die wirken todkomisch. Im wahrsten Wortsinn.“
Christine Gorny, Radio Bremen, 29.04.2016

„Eine Atmosphäre giftiger Andeutungen und scharf gewürzter Gerüchte liegt von Beginn an über der Bremer Aufführung der ,Familie Schroffenstein‘. Ihr ewiger Zwist bekommt Eigendynamik, schaukelt sich vom Streit zum Kampf zum Gemetzel hoch. Immer schneller rotiert die Bühnenbodendrehscheibe, auf die eine (Gewalt-)Spirale gemalt ist.“
Jens Fischer, nachtkritik, 30.04.2016

„Das aus dem Moks-Theater und der Schauspielsparte gemixte Personal bildet ein homogenes Ensemble. Es begibt sich mit bösem Ernst auf den Pfad der Selbstzerstörung ihrer Figuren. Hinreißend wie hassbrausend Nadine Geyersbach eine Lady Macbeth gibt, die ihren Gatten aus ‚entsetzlicher Gelassenheit‘ (Kleist), heute würde man von Coolness des Alters sprechen, zur Tat treibt und in dionysische Tragik stürzt.“
Jens Fischer, nachtkritik, 30.04.2016

„Riemenschneider ist […] eine konzeptionell wie ästhetisch bestechende Inszenierung gelungen, deren Reiz sich allerdings auch einem starken Ensemble verdankt, das – man merkt es nicht – aus dem regulären Schauspiel und dem Moks besetzt ist: Siegfried W. Maschek und Verena Reichhardt als Oberhäupter der Rossitzer Schroffensteins, Justus Ritter und Christoph Vetter als deren Söhne, auf der Warwander Seite Alexander Swoboda und Nadine Geyersbach sowie Lina Hoppe als Tochter Agnes, der schon erwähnte Simon Zigah, Benjamin Nowitzky als Büttel der Rossitzer Schroffensteins und Meret Mundwiler als Barnabe sind hier stets auf der Höhe des Geschehens. Der Stoff erweist sich als zeitlos.“
Rolf Stein, Kreiszeitung, 03.05.2016