THEATERBREMEN

Kleines Haus

Effi Briest (27)

Spiel nach Fontane

Fünf Darsteller erspielen sich eine Kurzversion des Romans, impulsiv aus ihren eigenen Perspektiven heraus. Das Spiel wird hier zum Forschungsinstrument für Nähe und Empfindung, für Neuerfindungen von Beziehungen fern unserer Rollenbilder.
Fontane erzählt die Jahre, in denen seine junge Protagonistin in die Ehe geht, in die Welt der Erwachsenen. Als ihre Mutter Effi den 20 Jahre älteren Baron von Innstetten anrät, willigt sie ein. Doch erfüllen sich ihre kindlichen Sehnsüchte nicht so recht in dem Haus in Kessin, wohin sie ihrem Ehemann folgt. Ein Spuk steht zwischen den Eheleuten, und sie verfällt dem Frauenheld Crampas. Wer ist die kindliche Effi? Wie genügt sie den Regeln des Erwachsenseins? Der Beziehungskonflikt entwickelt sich auch aus der Frage, wie viel wir spielen können, dürfen, sollen. Und wie die einen das aushalten, was die anderen zulassen. Oder die Gesellschaft? Der homo ludens, der Mensch, der sich spielend treiben lässt, steht als Menschen-Entwurf gegen das, was Fontane das „Gesellschafts-Etwas“ nennt. „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ (Schiller) – In diesem Sinne untersucht das Team den alten Stoff auf heutige Konzepte von Liebe und Freiheit.

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Pressestimmen

„[…] Alexander Angeletta gibt mit staunenswertem Ernst und bravouröser Körperspannung eine Titelheldin […]die vorwiegend heiter gestimmte Truppe […] ein teils amüsanter und kluger, […] Abend zwischen Stand-up-Comedy und der ansatzweise ernsten Analyse von Kategorien wie Kunst und Spiel, Freiheit und Konvention. […] Kräftiger Beifall des Premierenpublikums.“
(Hendrik Werner, Weser Kurier, 05.03.2018)

„Es war erstaunlich gut und richtig witzig. […] Das Ganze wird nämlich nur von fünf Jungs gespielt […] und das funktioniert mega gut. Die Eltern von Effi sind am Anfang echt das Lustigste, was ich seit langem im Theater gesehen habe […] Auf gar kein Fall (langweilig) […] Irgendwie hat die Regisseurin Leonie Böhm es hinbekommen, dann doch nicht übertrieben komisch zu sein oder peinlich zu werden und es gibt wirklich viele lustige Momente. Ich hab wirklich gelacht – laut […] (Ich würde es) auf jeden Fall (empfehlen). Es ist echt ein anderer Angang an das Buch. […] Alles ist mit dabei. […]
(Katharina Kuntze, Bremen Next, 04.03.2018)

„Mit ‚Effi Briest (27)‘ inszeniert Leonie Böhm Fontanes Klassiker ausgesprochen frei – und mit bester Laune. […] Das, was Regisseurin Leonie Böhm da auf die Bühne des Kleinen Hauses am Goetheplatz gebracht hat, ist schon richtig, richtig lustig. Die Schauspieler in diesem rein männlich besetzten Stück – warum noch mal? Egal, es stört wirklich überhaupt nicht – sind allesamt in Topform. Johannes Rieder spielt einen sehr lässigen, sehr lustigen hippiesken alten Briest und nebenher ein gepflegtes Keyboard. Justus Ritter überzeugt als überdreht-verkorkste Mutter, […] Und Alexander Angeletta gibt eine verträumt-zersauste Effi im Neon-Look. Regisseurin Leonie Böhm, die mehr schaffen wollte als nur eine reine Nacherzählung des bekannten Romans, hat den Schauspielern dabei offensichtlich große Freiheiten eingeräumt. Und es macht einfach Spaß, ihnen dabei zuzusehen, […] Crampas (geht es) um die ‚Girls‘, das […] ist im Stück gut getroffen, […] wenn ihm Vincent Basse mit seiner – exzellent gespielten – norddeutsch-bratzigen ‚Dumm fickt gut‘-Charakterisierung […] Denn dass Schauspieler und Publikum ganz offensichtlich ziemlich viel Spaß an der Sache hatten, ist heutzutage ja auch schon eine ganze Menge wert. […] Insofern: Wer gut gelaunte Unterhaltung mit bildungsbürgerlicher Selbstvergewisserung sucht, ist hier genau richtig. Insider reiht sich an Insider, dazu gibt es tolle Schauspieler und zwischendurch auch noch Musik.“
(Karolina Meyer-Schilf, taz, 10./11.03.2018)

„[…] Bei Böhm übernehmen nun gleich die Männer alle Rollen. Was mindestens zweierlei leisten kann: Zum einen legt es offen, inwiefern – zumindest bei Fontane – für junge Frauen andere Regeln gelten als für junge Männer. Zum anderen, und das ist schon zeitgenössischer, ermöglicht es Erkundungen zu allgemeineren Wahrheiten über romantische oder unromantische Beziehungen. Zunächst lässt sich diese Konstruktion aber offenbar auch für eine ausgesprochen kurzweilige Einführung in den Stoff nutzen […]. Die Spielfläche (Bühne: Zahava Rodrigo) bietet einigen Raum dafür, die Konflikte auszuspielen […].Fontane gibt dabei die Struktur vor, derweil die Schauspieler nicht nur die Lizenz, sondern die Anweisung zum Improvisieren haben. Was ihnen […] Freiräume gibt, die sie lustvoll durchmessen, und das sehr zum Vergnügen des Publikums […].“ (Rolf Stein, Kreiszeitung, 15.03.2018)

„[…] Sie wärmen sich zunächst auf mit heiteren Sprüchen und musikalischen Einlagen und suchen stetig Kontakt zum Publikum. Das ist auf alle Fälle unterhaltsam. Außerdem sind die schauspielerischen Leistungen ohne Frage großartig. […] Wer diese Form von Theater mag, kommt voll auf seine Kosten. Es gibt ein erkennbares Konzept, und das ist perfekt realisiert. […]“
(Ursula Myke, Brillant, Frühjahr / Sommer 2018)