THEATERBREMEN

Kleines Haus

Gas – Plädoyer einer verurteilten Mutter

Deutschsprachige Erstaufführung
von Tom Lanoye
Deutsch von Rainer Kersten

„Und niemand sagt jemals, dass manche Kinder einfach echt böse sind“ (Lionel Shriver) — Er hat über zweihundert Menschen in den Tod geschickt. Er ist ein Attentäter, ein Mörder. Aber sie schaut auch in ihr eigenes Gesicht, wenn sie in seines sieht. Denn sie ist seine Mutter. Sie hat ihn geboren, ihn erzogen, ihn dabei Stück für Stück verloren an eine vernichtende Ideologie. In ihrem „Plädoyer einer verurteilten Mutter“ nimmt sie nicht Partei für ihn. Vielmehr verteidigt sie sich selbst, ihre Liebe, ihre Trauer. Darf sie überhaupt um ihn trauern? Darf sie ihn tatsächlich noch lieben? Darf sie sich bemühen, ihn zu verstehen? Mit schmerzhafter Offenheit teilt sich die Mutter dem Publikum mit, macht ihre Zerrissenheit öffentlich, lässt es teilhaben an ihrem zerstörten Leben. Ist sie eines seiner Opfer oder ist sie als Mutter des Täters Teil seiner Taten? Klar, schroff, unsentimental und mit poetischer Kraft zeichnet Tom Lanoye diese Figur zwischen Abscheu und Zuneigung zu ihrem verlorenen Sohn und schafft ein eindrückliches, sehr persönliches Bild des Terrors.

Dauer: 1 Stunde 20 Minuten, keine Pause

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Besetzung

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Pressestimmen

„Wie viel Schmerz erträgt ein Mensch? Davon kündet ein mehr kunstvoller als schlichter Monolog, den die Schauspielerin Fania Sorel auf der Bühne des Kleinen Hauses überwiegend bravourös bestreitet […]. Beredet leidend und doch mit glaubwürdiger analytischer Tiefe gestaltet sie ihren Part. Gestisch verhalten und doch stets unweit einer emotionalen Explosion. […] Besonders stark ist der Abend zuverlässig dann, wenn Fania Sorel die vielen Gesichter einer existenziell verzweifelten Frau nah und frontal zum Publikum vorführt. Ihre emotionale Bandbreite ist […] beeindruckend ja bewundernswert. Trauer und Wut, Schmerz und Unverständnis modelliert sie stimmig und subtil zugleich. Sehr zugewandter Beifall honoriert ihre Leistung.“
Hendrik Werner, Weser Kurier, 8. Mai 2017

„Allein schon die Textsicherheit ist beeindruckend. […] Fania Sorel geht absolut auf in der Rolle einer tief erschütterten Frau. […] Und gerade weil nicht auf die Tränendrüse gedrückt wird, wirken die Tränen von Fania Sorel besonders eindringlich. […] Eine kleine, aber sehr feine Inszenierung.“
Christine Gorny, Radio Bremen, 8. Mai 2017