THEATERBREMEN

Kleines Haus

Herkunft

nach dem Roman von Oskar Roehler

„Macht kaputt, was Euch kaputtmacht.“ (Ton Steine Scherben) — Als Erich Freytag aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrt, wartet niemand auf ihn. Seinen Platz in der Familie muss er sich erst wieder erkämpfen. Unnachgiebig wird er dies verfolgen, resolut, wie er zuvor dem Führer gedient hatte und schließlich durch die Produktion von Gartenzwergen ein Teil des deutschen Wirtschaftswunders werden wird. Sein Sohn Rolf, der ihm die Treue hält, schreibt. Als große Hoffnung der deutschen Literatur wird er gehandelt – sein Los aber erfüllt sich als Kassenwart der RAF und Lektor der Gruppe 47, zu der auch seine weit erfolgreichere Frau und Schriftstellerin Nora gehört. Ihre Liebe zersetzt sich in Alkohol und selbstzerstörerischen Eskapaden. Sohn Robert wächst vernachlässigt in dieser enthemmten Atmosphäre der 68er auf. Mit Herkunft widmet sich der Filmregisseur und Autor Oskar Roehler den eigenen Wurzeln und erzählt zugleich die Geschichte der Bundesrepublik über drei Generationen hinweg.

Dauer: 3 Stunden 30 Minuten, eine Pause

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Pressestimmen

„Wie Svetchine hier die Wunden porträtiert, die seelischen Verkrüppelungen zeigt, die Roberts Leben als unerwünschtes, immer wieder zwischen den beiden Großelternpaaren und dem Vater verschobene Kind prägen, um am Ende in einem furiosen Monolog, die große Frage hinauszuschreien, was denn schwerer wiege, sein ‚Gehirnschaden (…) oder jener winzige, intakte Teil, der noch offen ist‘ – das ist beeindruckend.
Wie überhaupt das Ensemble überzeugt. Die schauspielerischen Leistungen (…) machen aus dem Großprojekt ‚Herkunft‘ schließlich einen spannenden, einen beachtlichen Theaterabend.“
Andreas Schnell, Nachtkritik, 8. Februar 2014

„Besonders beeindruckend ist Matthieu Svetchines zerrissener Robert-Oskar, dem erst als Mann das Rüstzeug zuwächst, Traumata in Bilder und Texte zu fassen (…). Auf der Bühne meistert Lisa Guth diesen Hardcore-Part (Anm. Mutter Gisela Elsner) bravourös – vom affektierten Teenager bis zu jener süchtigen, isolierten , politischen irren Frau mit Kleopatrafrisur und Leopardenmantel, die sich 1992 das Leben nahm. (…) Großer Beifall für einen gelungenen Theaterabend.“
Hendrik Werner, Weser Kurier, 9. Februar 2014

„Schauspielerisch wird das über weite Strecken auf hohem Niveau interpretiert. Zu nennen ist hier Matthieu Svetchine, dem es gelingt, Robert in seiner Entwicklung kindlich, aber niemals kindisch zu spielen. Alexander Swoboda deutet die sein Spiel so häufig prägende Nonchalance auf anrührende Weise in den Ausdruck einer tiefen Unsicherheit um. Und Claudius Franz legt in Rolf eindrucksvoll das Spannungsfeld aus einer Sehnsucht nach geordnetem Leben einerseits, und dem Reiz der Rebellion andererseits frei. Großartig schließlich auch Lisa Guth mit einer Nora Ode, deren Leiden am Tochtersein immer als Urgrund der Hysterie kenntlich bleibt.“
Johannes Bruggaier, Kreiszeitung, 10. Februar 2014

„Wie überhaupt die schauspielerischen Leistungen den Abend tragen (…). Am Ende gab es großen Applaus vor allem für das Ensemble, aber auch für die Regie.“
Andreas Schnell, Delmenhorster Kreisblatt, 11. Februar 2014

„Die Uraufführung im Bremer Schauspiel entfaltet ein Familiengeflecht voller Abgründe vor karger Kulisse. Überzeugend und spielstark – vor allem Matthieu Svetchine zunächst als Erzähler, dann als umhergestoßenes Kind Robert – entfalten die Darsteller ein eindringliches Psychogramm einer Familie. Viel Applaus.“
Corinna Laubach, BILD, 11. Februar 2014

„Bühne und Regie (Susanne Schuboth und Frank Abt) waren unaufgeregt, durchdacht und boten der grandiosen Schauspieler-Riege den nötigen Raum.“
Sarah Wischka, livekritik.de, 11. Februar 2014