THEATERBREMEN

Brauhauskeller

Hikikomori

14+
von Holger Schober
Eine Moks-Produktion

„I am a rock. I am an island.“ (Simon & Garfunkel) — Seit acht Jahren hat sich H in sein Zimmer eingeschlossen und verweigert sich konsequent der Gesellschaft, die außerhalb dieser wenigen Quadratmeter liegt. Mit der Außenwelt führt er lediglich über Internet-Chat und Videospiele eine virtuelle Kommunikation. Er ist resistent geworden gegen Leistungsansprüche und Erwartungen der Gesellschaft und fristet ein Dasein in Passivität und stummem Protest. Mutter und Schwester stehen hilflos daneben. Hin- und hergerissen zwischen Apathie, Überdruss und Schuldgefühlen gelingt es ihnen nicht, in Hs Einsamkeit vorzudringen. Eine unverhoffte Chance auf ein normales Leben, eine normale Beziehung tut sich auf, als H beim Chat mit einem mysteriösen Mädchen namens Rosebud in Kontakt kommt. Hikikomori ist der japanische Fachausdruck für die mehr oder weniger selbstgewählte Isolation von Jugendlichen, die jeglichen Kontakt mit der Außenwelt verweigern. Doch auch in Europa und den USA tritt dieses Phänomen zutage, als Ausdruck für eine Protestform in einer nicht lebbaren Welt, die immer mehr fordert und Jugendliche in virtuelle Alternativexistenzen treibt. Klaas Bartsch, Regieassistent am Moks, wird mit einem Schauspieler „Hikikomori“ erarbeiten und damit zum ersten Mal Regie führen.

Dauer: 1 Stunde, keine Pause

Termine / Karten

Besetzung

Fotos

Video

Pressestimmen

„[…]Dieser wird von dem jungen Schauspieler Christoph Vetter mit vielen Facetten einer nervösen Selbst-Aufreibung gespielt. “
Sven Garbade, Weser Kurier, 16. November

„Durch Vetters lebensechtes Spiel fällt es leicht, in die emotional angekratzte Welt dieses Mannes einzusteigen“
Sven Garbade, Weser Kurier, 16. November

„Für die Produktion hat die Kinder- und Jugendsparte des Bremer Theaters, das Moks, mutig ganz auf Nachwuchs gesetzt: Ausstatter Marvin Uhde hat gemeinsam mit Pfeiffenberger an der Bremer Hochschule für Künste studiert, Hünermann ist von dort an die Wiener Universität für angewandte Künste gewechselt. Sie kennt Regisseur Klaas H. Bartsch seit 2011 von Produktionen der Jungen Akteure: Die vor zehn Jahren gegründete Moks-Theaterschule hat Bartsch vor seinem Studium in Hildesheim so komplett wie sonst keiner durchlaufen. Nur gerade eben bringt es dieses vierköpfige Team auf über 100 Lebensjahre – so funktioniert Nachwuchs-Förderung.
Versagt hat die bei den Hikikomori, also: den Sich-Wegschließenden. Denn so heißen Menschen, meist sind es junge Männer, die wegen Leistungsdrucks und Versagensangst an der Schwelle zum Erwachsenwerden kapitulieren: Sie ziehen sich in ihr Zimmer zurück, reduzieren den Kontakt zur Außenwelt auf Kassiber mit Essenswünschen an die Eltern – und Aufenthalte in Chatrooms.
Angeblich verbreitet sich diese neubeschriebene, web-gestützte Soziophobie-Form unter den Kindern von Japans Mittel- und Oberschicht epidemisch. Aber auch in Deutschland ist Schätzungen zufolge jeder achte Jugendliche gefährdet. Mit der kulturellen Bearbeitung des Themas begonnen hatten Manga- und Anime-AutorInnen.
Schober ist ein Kenner auch dieser oft geschmähten Jugendkultur. Seine Texte gewinnen viel ihrer Rasanz durch seine fröhlich schamlosen Bezugnahmen auf – beispielsweise – Comics.“
Benno Schirrmeister, taz, 17. November