THEATERBREMEN

Theater am Goetheplatz

Il tabarro & Gianni Schicchi

Zwei Einakter von Giacomo Puccini
Text von Giuseppe Adami und Giovacchino Forzano

„Gehasst wird aufwärts oder abwärts, in jedem Fall in einer vertikalen Blickachse, gegen ‚die da oben‘ oder ‚die da unten‘, immer ist es das kategorial ‚Andere‘, das das ‚Eigene‘ unterdrückt oder bedroht.“ (Carolin Emcke) — Puccinis dem Triptychon („Il trittico“) entstammende Einakter „Il tabarro“ (Der Mantel) und „Gianni Schicchi“ sind keine gefühlsseligen Rührstücke, sondern sie sind in der Wirklichkeit verhaftete, sozialkritische Miniaturen, die vor allem in ihrer Unerbittlichkeit berühren. Der Tod als Ausgangs- und Endpunkt ist ihnen ebenso gemeinsam wie das Konfrontiertsein mit dem Erbe der Vergangenheit. Sie verhandeln keine Prinzipien, sondern sie handeln von Menschen und ihren Sehnsüchten, ihrem Aufbegehren gegen die hierarchische Ordnung und ihrer doppelten Moral: Sie entlarven die Angst, den eigenen Status zu verlieren oder gar die Angst vor dem Fremden und Anderen, das in ihre hermetische Welt einzubrechen droht. Hier beginnt das Experiment: Wo liegen die Grenzen der eigenen Toleranz?

Im Spannungsfeld zwischen Milieudrama und schwarzer Komödie, zwischen Puccinis veristischer Musik und der stark medial geprägten Inszenierung von Martin G. Berger treten die beiden Einakter in einen spannenden Dialog.

Dauer: ca 2 Stunden, keine Pause

Termine / Karten

Besetzung

Fotos

Video

Pressestimmen

„[…] der junge Regisseur Martin G. Berger bindet für sein Bremer Debut die beiden Geschichten mit filmischen Mitteln überzeugend aneinander […] Das erfordert eine schauspielerische Qualität, die Patricia Andress und Loren Lang mit großer seelischer Spannung bringen. […] Unbeschreibliche Hektik, Gier, Komik, Neid und Eifersüchte entfalten sich in atemberaubendem Tempo auf der Bühne. Stets werden detailliert alle Ebenen dieser Szene beleuchtet – das Lustige ist keineswegs nur lustig. Bewundernswert, wie jeder Charakter vollkommen durchgezeichnet erscheint. Ein Extrakabinettstückchen gelingt Patrick Zielke als Gianni […] Berger gelingt es, die Bösartigkeit der Menschen hinter virtuosem Gepolter freizulegen und auch den Utopien wie dem großen Liebesduett Raum zu verschaffen, das Nerita Pokvytytė und Luis Olivares Sandoval herrlich singen […] Dirigent Hartmut Keil, der es mit den Bremer Philharmonikern versteht, kraftvolle Farben und wirkungsvolle Atmosphären herauszuarbeiten […] Herzlicher und intensiver Beifall […]“ Ute Schalz-Laurenze, Kreiszeitung am 18. April 2017

„[…] Beide Arien gerieten in der Interpretation von Patrick Zielke als Gianni Schicchi beziehungsweise Nerita Pokvytytė als Lauretta zu den Höhepunkten des zweiten Teils. […] Martin G. Berger hätte keinen besseren Schicchi finden können. Zielke gibt seiner Figur nicht nur mit seinem voll tönenden Bariton Statur, er spielt bauernschlau und skrupellos, und er reißt das Ensemble mit […]“ Iris Hetscher, Weser-Kurier am 18. April 2017

„[…] Dieser Übergang zwischen den ohne Pause gespielten Opern ist gut gelungen. […] Lang ist für den alternden Michele eine gute Besetzung, er gestaltet die Partie sehr differenziert und glaubwürdig. Sein Monolog „Nulla! Silenzio!“ besticht d urch Intensität. Luis Olivares Sandoval singt den Luigi mit lodernder Leidenschaft und kraftvollem Tenor. Wenn sich seine Stimme mit der von Patricia Andress im Liebesduett vereint, bleiben kaum Wünsche offen. […] Der Schauspieler Mateng Pollkläsener tritt als quicklebendiger Donati immer wieder unterbrechend auf […] Gleichwohl spielt sich die Komödie turbulent und mit viel Aktion ab […] Mit Patrick Zielke steht ein Vollblutkomödiant als Gianni Schicchi auf der Bühne. Seine lässige und spitzbübische Lesart der Partie kann überzeugen. Nerita Pokvytytė singt als Lauretta die Arie „O mio babbino caro“ mit […] ansprechende[r] Leichtigkeit […]“ Wolfgang Denker, NWZ online

„Die soziale Beziehungstragödie aus dem Milieu der Schleppkähne vom Beginn des 19. Jahrhunderts hat mit der Erbbetrugsstory aus dem 13. Jahrhundert in Florenz nichts zu tun, aber der junge Regisseur Martin G. Berger bindet für sein Bremer Debut die beiden Geschichten mit filmischen Mitteln überzeugend aneinander. […] Hartmut Keil, erstmals am Pult des Theaters am Goetheplatz, setzte mit den Bremer Philharmonikern auf kraftvolle Farben und wirkungsvolle Atmosphären. Schön die zeitlosen und phantasievollen Kostüme von Rebekka Zimlich und das einfache und variable Bühnenbild in einem Hotel mit Swimmingpool von Sarah-Katharina Karl.“
Ute Schalz-Laurenze, Foyer am 15. Mai 2017