THEATERBREMEN

Theater am Goetheplatz

Im weißen Rössl

von Erik Charell und Ralph Benatzky

Im „Weißen Rössl“ wird ein kleiner, aber nicht unbedeutender Streit ausgetragen. Es geht um ein Patent. Eine Textilfirma besitzt es für eine Hose, die sich vorne auf und zu knöpfen lässt, ein Konkurrent wiederum drängt mit der identischen Hose auf den Markt, allerdings knöpft sich diese hinten. Nun will der, der vorne knöpft – in Person des Berliner Trikotagen Händlers Wilhelm Giesecke – Fabrikant Sülzheimer, dem anderen, verbieten, es von hinten zu tun. Der Sohn von Sülzheimer, der schöne Sigismund, der im Hotel am Wolfgangsee zufällig auf den vorne knöpfenden Giesecke treffen wird, schert sich wiederum wenig um den Rechtsstreit. Er erfreut sich des Sommers. Von vorn oder von hinten, das ist ihm einerlei.
Was für die einen zum ideologischen Rüstzeug einer nahezu weltanschaulichen Auseinandersetzung wird, ist dem anderen spielerischer Möglichkeitsraum. Das Pferd lässt sich eben von vorn und von hinten aufsatteln: Ihm ist es eine Entscheidung, wie man die Welt betrachtet. Frei ist, wer in der Lage wäre, sie den Umständen und der inneren Haltung entsprechend stets neu vorzunehmen und in jedem Fall nicht zu vergessen, dass eine Entscheidung zu fällen einschließt, dass auch eine andere denkbar gewesen wäre.

Der Regisseur Sebastian Kreyer hat sich entschieden, die latente Anzüglichkeit der Operette Im weißen Rössl in der Besetzung zu konkretisieren: in bester Berliner Aufführungstradition sind ausschließlich SchauspielerInnen besetzt, dazu spielen Männer Frauen und Frauen spielen Männer und eine, die ohnehin das irgendwo Dazwischen favorisiert, ist aller Gastgeber: die Berliner Chanteuse und Kabarettistin Désirée Nick.

Dauer: ca. 3 Stunden, eine Pause

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Pressestimmen

„Also alles wie gewohnt, im ehrwürdigen Weißen Rössl am Wolfgangsee? Nicht ganz. Natürlich steht auch im Theater Bremen das Glück vor der Tür, aber eben nur für zahlende Gäste. Denn Alpenromantik und Trachtenkitsch sind in Sebastian Kreyers Version nur eine kunterbunte Fassade, allerdings eine sehr unterhaltsame. Der Begriff der sogenannten Norm wird aufgeweicht und macht Platz für eine Idylle, in der jeder so sein kann, wie er möchte: Mann, Frau oder irgendetwas dazwischen. Heimat 2.0.
Ein Weißes Rössl, das auch dem fabelhaften Ensemble zu verdanken ist. Allen voran Johannes Kühn, der sich als stoffeliger Oberkellner in seiner Liebe zu Josepha suhlt, mit klarer Stimme in schnulzigen Balladen an ihr Herz appelliert und ganz nebenbei auch noch dem Laufburschen (jugendlich naiv: Lisa Guth) den Kopf verdreht.“
Mareike Bannasch, Kreiszeitung, 28. Februar 2015

„Diese fröhliche Aufführung mit ihrem neuen tragischen Ende war seit Langem eines meiner einschneidensten Theatererlebnisse, dessen Echo noch eine ganze Weile nach Vorstellungsende nachklingt. Denn was immer man von dieser Produktion hält, bleibt sie ein Meilenstein in der neueren Operetten-Geschichte, der eine neue Ära ankündigt.“
Kevin Clarke, Operetta Research Center, 1 March, 2015

„So durchdacht all das auch daherkommt, ohne die Musik würde dieses Weiße Rössl nicht funktionieren. Angeführt von Daniel Mayr bauen die Bremer Philharmoniker ein lebhaftes und zugleich standhaftes Gerüst für die Wirrungen. Schwungvoll und mit dem nötigen Witz harmonieren sie perfekt mit dem Treiben auf der Bühne und führen Schauspieler und den herausragenden Opernchor durch ihre Passagen
Mareike Bannasch, Kreiszeitung, 28. Februar 2015

„Ein frivol-Irrwitziger Abend. Verstaubter Klassiker? Von wegen! An diesem „Rössl“ haben alle ihren Spaß: Darsteller, Orchester und Publikum. Riesen-Jubel und extra viel Applaus für „La Nick“. Ein echtes Erlebnis!“
Corinna Laubach, Bild, 27. Februar 2015

„Die Inszenierung ist unterhaltsam, temporeich, ironisch, mit pointierten bissigen Dialogen und die schauspielerische Leistung besteht darin, dass hinter lautem Klamauk auch leise Emotionen anklingen, also die zerbrechliche Seite der Liebe. Und die Bremer Philharmoniker unter der Leitung von Daniel Meyer sorgen dafür, dass das Klangbild aus Volksmusiktönen und Schlagern über die Begleitmusik hinaus eine eigene Dimension erhält.“
Christine Gorny, Radio Bremen, 27. Februar 2015

„Frau Nick ist schon eine Schau für sich, wie sie da mit ihren immerhin bald 60 Jahren mehr als drei Stunden auf der Bühne steht, tanzt, singt, kalauert, schnoddert, greint, zetert und einen Spagat macht (doch, wirklich!). Und alle, alle, alle, von den Philharmonikern über den Chor bis zu den SchauspielerInnen machen sie ihre Sache überwiegend ganz wunderbar.“
Andreas Schnell, taz, 3. März 2015