THEATERBREMEN

Theater am Goetheplatz

Kauza Schwejk / Der Fall Švejk

nach dem Roman „Die Abenteuer des braven
Soldaten Schwejk“ von Jaroslav Hašek

„Merkwürdig, dass der größte humoristische Roman unseres Jahrhunderts über das Grausamste geschrieben wurde, was wir uns vorstellen können, den Krieg.“ (Milan ­Kundera) — Das Ausmaß an Gewalt und Anarchie, das Jaroslav Hašeks Jahrhundertroman „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ zugrunde liegt, wurde bislang kaum gewürdigt oder ging in Übersetzungen und Interpretationen verloren. Kriegsfolklore war gefragt, nicht Kriegsrealismus. Was aber, wenn man Hašek beim Wort nimmt und sein Psychogramm des ewigen Mitläufertums, gleichgültig ob tschechischer oder anderer Provenienz, zum Ausgangspunkt einer Gerichtsverhandlung macht? Dušan David Pařízek, dessen Bremer Arbeit „Die zehn Gebote“ vom Spiegel unter die fünf besten neuen Klassiker Inszenierungen gewählt und dessen „Die lächerliche Finsternis“ zum Theatertreffen 2015 eingeladen wurde, untersucht mit einem internationalen Ensemble Schuldzuweisungen, Erklärungen und Begründungen für einen Krieg, den keiner wollte.

Dauer: ca 2 Stunden 15 Minuten, keine Pause

Eine Koproduktion von Theater Bremen, Studio Hrdinů Prag und Wiener Festwochen

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Besetzung

Fotos

Pressestimmen

„Mit "Der Fall Švejk" rechnet Dušan David Pařízek mit militärischen Machtstrukturen ab.
[...] Das Ergebnis ist eine furiose, heutige Abrechnung mit kriegerischer Selbstherrlichkeit, Vorurteilen, Sprachbarrieren und mit einem Europa, das von einer realen Einheit weit entfernt ist.“
Peter Jarolin,Kurier, 13. Juni 2015

„Wie hier die Österreicher, die Tschechen und die Ungarn einander hassen und schikanieren, das ist brillant überdreht, teils brüllend komisch, geht aber schrecklich grausam unter die Haut. Auch dank der Darsteller der Österreicher: Das coproduzierende Theater Bremen hat zwei brillante Ensemblemitglieder abgestellt – Martin Baum aus Linz […][und] Peter Fasching, geboren in Braunau […]. Gemeinsam mit tschechischen und ungarischen Kollegen verschaffen sie den Zuschauern ein starkes Theatererlebnis.“
Renate Wagner, Neues Volksblatt, 16. Juni 2015

„Dusan David Parizek nutzt die Geschichte vom „braven Soldaten Schwejk“ für eine Groteske, in der er Stereotype und Sprachschablonen so lange aufeinanderprallen lässt, bis das Lachen im Hals stecken bleibt - und nicht einmal ein mürbzart auf der Bühne serviertes Gulasch trösten kann.“
Gerald Heidegger, ORF, 12. Juni 2015

„Der Schauplatz ist zeitlos; die Schauspieler lassen keinerlei Erster-Weltkrieg-Lokalkolorit aufkommen - darunter fabelhaft stoische Mimen wie aus Kaurismäki-Filmen (JiríCerný, VladimírJavorský). Vor allem die Sprachdifferenzen oder Debatten über korrekte Aussprache (" leben", nicht "läbben"!) geben dem Abend einen heiter-makaberen Grundton.“
Margarethe Affenzeller, Der Standard, 13. Juni 2015

„Parízek […] hat den Dreh heraus. Ihm gelingt es, in Texten tief zu schürfen, ohne dabei bedeutungsschwer zu werden. Seine Abende sind sparsame Konstrukte, dafür wirkt das Wenige dann enorm“
Margarethe Affenzeller, Der Standard, 13. Juni 2015


BREMEN-PREMIERE

„Ich kenne Parizek von dem Stück ´Die 10 Gebote´, die er hier vor etwa zwei Jahren inszeniert hat. Das war eine sehr konzentrierte, eigenwillige Inszenierung. Und nun ´KauzaSchwejk´: auch dies ein interessanter, klug konzipierter Theaterabend […]“
Margit Ekholt, Radio Bremen, 23. November 2015

„[…] ein starker Abend, mit kluger Regie und zwei brillanten Bremer Schauspielern, die aus Österreich stammen, nämlich Martin Baum als klirrend-arroganter General und der Kadett Peter Fasching als kleiner, ehrgeiziger Streber. Großartig. Unterm Strich: sehenswert, und das Kartoffelgulasch hat auch gut geschmeckt.“
Margit Ekholt, Radio Bremen, 23. November 2015

„[…] umwerfenden schauspielerischen Leistungen von Martin Baum und Peter Fasching aus dem Bremer Ensemble sowie den Gästen vom Studio Hrdinu Prag, zu denen noch Gábor Biedermann als ungarischer Kaufmann Kákonyi Gyula zählt. Baum gibt den General Fink, der nur aus Vorurteilen und Kadavergehorsam besteht, als lautsprecherischem Be[r]serker, dem irgendwann die Puste ausgeht; Peter Fasching entwickelt seinen biederen Kadetten Biegler auf unheimliche Weise vom Duckmäuser zum Herrenmenschen. Ivana Uhlirová schwankt zwischen Trotz, Entsetzen und Paralyse und Jirí Czerny und Vladimir Javorsky sind ein seltsam tragisch-trauriges Clownspaar.“
Iris Hetscher, Weser Kurier, 21. November 2015

„Hier zeigt sich Parízeks Stärke als Schauspieler-Regisseur; er versteht es zudem hervorragend innerhalb der einzelnen Szenen Spannung aufzubauen.“
Iris Hetscher, Weser Kurier, 21. November 2015

„Mehr als zwei Stunden zieht sich diese aus Nichtigkeiten und Neckigkeiten bestehende ´Verhandlung´ hin, ohne dass je ein Urteilsspruch oder auch nur eine konkretere Einschätzung des ´Falls Schwejk´ absehbar wäre. Das könnte in der Tat ´textlastig´ und ´monoton´ wirken, tut es aber nicht. Denn in den so verschiedenen Charakteren spiegeln sich verschiedene Kulturen. In den verschiedenen Kulturen aber zeigt sich die Tragikomödie Europas: die unendliche Geschichte von den Völkern, die lieber miteinander kämpfen wollen als gegeneinander, dabei aber nicht einmal wissen wofür.“
JohannnesBruggaier, Kreiszeitung, 21. November 2015

„Timing, Ausdruck, Pointensicherheit – es stimmt alles zwischen diesen Akteuren so unterschiedlicher Herkunft. Herausragend sind dabei insbesondere die beiden Bremer: Martin Baum als kriegsbegeisterter Überzeugungstäter und Peter Fasching als opportunistischer Bürokrat, der dem General nach dem Munde zu reden versteht.“
JohannnesBruggaier, Kreiszeitung, 21. November 2015