THEATERBREMEN

Kleines Haus

Knausgård I: Sterben

Der erste Teil eines Theaterprojekts nach den Romanen von Karl Ove Knausgård

„Exhibitionismus ist ein Ausdruck der Seele. Radikale Offenheit ein Versuch, Gefühle unter Kontrolle zu halten.“ (Oskar Roehler) — Das eigene Leben schonungslos zum Gegenstand des Erzählens zu machen und zu beschreiben, was es heißt, ein Mensch der Gegenwart zu sein – dazu hat sich der norwegische Autor Karl Ove Knausgård in seinem Projekt „Min Kamp“ (Mein Kampf) entschlossen. Sucht ist die Zentralmetapher, mit der Knausgård-LeserInnen ihr Erlebnis beschreiben. In Norwegen mussten Firmen „Knausgård-freie“ Tage ausrufen: kein Lesen mehr während der Arbeitszeit.
Regisseur Frank Abt, Musiker Torsten Kindermann und Schauspieler Robin Sondermann folgen dem Autor und seiner genauen Protokollierung des Alltags. In dieser Spielzeit nähern sie sich den ersten zwei Bändern der sechsteiligen Romanserie spielerisch und mit langem Atem an. Ausgehend von einer szenischen Lesung, bereichert durch spielerische Elemente, live Musik und Illustrationen, taucht man in das Leben von Karl Ove Knausgård ein, mitten seines Ringens um Kontrolle und Erfolg, in eine Welt voller Fragen.
In „Sterben“ geht es um den Schatten des ungeliebten Vaters, der sich auf die Kinder wirft. Als dieser stirbt und Knausgård sich mit seinem Bruder daran macht, den Nachlass zu ordnen, bietet sich beiden ein Bild des Grauens. Während sie das Haus reinigen und die Beerdigung vorbereiten, kommen Erinnerungen hoch. Nach und nach entsteht so das Porträt eines Mannes, über den sich in der Kindheit das Gleichgewicht der Familie definierte und den die beiden Söhne unsäglich zu hassen lernten. So sehr hat dieser Vater einen Schatten auf das Leben der Brüder geworfen, dass sie den Bestatter bitten, die Leiche sehen zu dürfen. Erst dann, so sind sich beide einig, werden sie glauben können, dass er wirklich tot ist.

Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, eine Pause

Termine / Karten

Besetzung

Fotos

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Pressestimmen

„Der Abend ist etwas für Knausgard-Liebhaber.“
Margit Ekholt, Radio Bremen, 18.10.2016

„Auch Kindermann gestaltet seinen Part gut in der Darbietung dieser Männerprosa […].“
Hendrik Werner, Kurier am Sonntag, 16.10.2016

„Das Publikum honoriert den anstregenden wie löblichen Abend im Namen des Vaters mit viel Applaus.“
Hendrik Werner, Kurier am Sonntag, 16.10.2016
„Gelesen wird nach der Pause nur noch punktuell. Gespielt umso mehr, im mehrfachen Sinne. Die beiden Jungen beleben die Szenerie (Bühne: Susanne Schuboth), an deren Rückseite wundervoll grob geschnittene Schwarzweiß-Zeichnungen projiziert werden.“
Rolf Stein, Kreiszeitung, 18.10.2016

„Ab und zu wandert Sondermanns Zunge durch den Mund, von der Wange hinter die Unterlippe, ansonsten unterbricht wenig seinen Lesefluss. Nicht einmal vom Glas Wasser, das vermutlich als ironische Referenz an klassische Dichterlesungen auf dem Klavier steht, macht der Schauspieler Gebrauch. Und doch – der Text, der teilweise geradezu exzessiv in der Biografie ds Autors schürft, entwickelt allmählich einen Sog, der schon spürbar eingesetzt hat, als nach einer Weile der Musiker Torsten Kindermann dazustößt, später, nach der Pause, noch die beiden Jung(s)darsteller Nils Bischoff und Nicolas Hüchting.“
Rolf Stein, Kreiszeitung, 18.10.2016

„Am Ende wird schließlich das Wort ‚Lieben‘ auf den Projektor geschoben. Die Ankündigung des zweiten Teils, der im März kommenden Jahres Premiere feiern soll. Interessant dürfte das durchaus werden.“
Rolf Stein, Kreiszeitung, 18.10.2016