THEATERBREMEN

noon / Foyer Kleines Haus

Lesung: Nationalstraße

Zur deutschen Veröffentlichung des Romans von Jaroslav Rudiš
Es lesen der Autor und Alexander Swoboda

Vandam war einer von denen, die es losgetreten haben am 17. November 1989, als in der Prager Altstadt auf der Nationalstraße die samtene Revolution ins Rollen kam, die einige Wochen später das kommunistische Regime hinwegfegte. Damals war er ein junger Polizist, ein Vorstadt-Held. Fünfundzwanzig Jahre später wohnt Vandam immer noch in der Plattenbausiedlung seiner Kindheit. Längst ist er kein Held mehr, sondern ein Verlierer: Wegen Gewaltexzessen aus dem Polizeidienst entfernt, prügelt er sich als einsamer Schläger durch Tage und Nächte und hebt im Fußballstadion regelmäßig die rechte Hand zum Hitlergruß. „Ich bin ein Römer. Kein Nazi. Warum sollte man in Europa nicht mit dem römischen Gruß grüßen dürfen? Ich bin ein Europäer. Ihr etwa nicht? Heil dem Volk! Heil Europa!“
Gekonnt schlüpft Rudiš, der gegenwärtig als „einer der interessantesten Autoren seiner Breiten“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) zählt, in den Kopf und den Körper eines Radikalen. Sein Buch gleicht einem Schlag in die Magengrube – und ist inspiriert von einer echten Begebenheit. Auf eine brutale und verbogene Art spiegelt Vandams Monolog unsere Gegenwart wider. Theresa Welge inszeniert im Sommer 2016 für das Theater Bremen die deutsche Erstaufführung des Romans.

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