THEATERBREMEN

Kleines Haus

Mr. Robot

nach Motiven der gleichnamigen Serie

Elliot liest Menschen. Tagsüber arbeitet er in einer IT-Sicherheitsfirma, abends ist er der Beschützer derer, die er für anständig erachtet. Er hackt sich in sämtliche Accounts von Menschen, die sich selbst und andere belügen, gräbt so tief, bis er genug kompromittierendes Material erbeutet hat. Wie eine Kreuzung aus Batman und Robin Hood will er die Welt vor dem Bösen schützen und verliert dabei nicht nur seinen Glauben an das Gute, sondern auch den Bezug zur Wirklichkeit. Die Begegnung mit „Mr. Robot“, der den Kopf der Hacker-Gruppe fsociety bildet, befeuert Elliots Gerechtigkeitssinn: Gemeinsam wollen sie das regierende Betriebssystem der Welt stürzen: Das Geld. „The look on their faces when we delete the world’s debt? Priceless.“
„Mr. Robot“ ist eine Erzählung über einen jungen Mann, der spürt, dass etwas falsch läuft in der Welt. Unaufhörlich spricht er zu uns, doch sind wir ZuschauerInnen ein reales Gegenüber oder nur Fiktion?

Dauer: 1 Stunde, keine Pause

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Mr. Robot

Pressestimmen

„Doch wo die TV-Vorlage noch etwas halbgar mit diesem reaktionären Klischeefiguren herumspielt, da haut Felix Rothenhäusler im Theater so dermaßen drauf, dass es die reinste Freude ist: Weitgehend losgelöst vom verkorksten Plot stellt er die Charaktermasken in die Runde und lässt sie kreuz und quer aufeinander los. […] Dem jungen Hacker mit Gewissensbissen (Nadine Geyersbach) wird zunehmend der alte (Robin Sondermann) unheimlich, weil er sich in Sachen Skrupel so gespenstisch einig mit dem Evil-Corp.-Boss (Verena Reichhardt) ist. Und das changiert im Sekundentakt zwischen tatsächlich witzigen Gags, moralischen Reflexionen und seelischen Krisen, die einen tatsächlich mitnehmen. Kein Ausfall, nicht einmal Straucheln: Das Goetheplatz-Ensemble präsentiert sich in Höchstform. […] Musicalkitsch auf Melodien von Bonnie Tyler über Falco bis zum Hippieschlager „Aquarius“. Das macht nicht nur richtig Spaß, sondern unterstreicht nebenbei auch die Absurdität personalisierter Weltherrschaftsfantasien. […] Politisch wacher geht es in diesem Theater jedenfalls selten zu, lustiger aber eben auch nicht. […] Jan Eichbergs Text hat treffsicher das Kritische der Vorlage geborgen und dabei noch das Kunststück vollbracht, den Computerstoff verständlich aufzubereiten, ohne in Technoschwachsinn à la Raumschiff Enterprise zu verfallen. […] Obwohl die Figuren hier nicht mehr groß eingeführt werden, funktioniert dieser Clash der Lebensphilosophien, Klassenfragen und moralischen Haltungen erfreulich voraussetzungsfrei.“
Jan-Paul Koopmann, taz, 6.03.2017

„[D]ie Inszenierung macht sich Elliots paranoide Perspektive zueigen. […]Mit dem Potenzial zum Theatertrendbeschleuniger. […]Nadine Geyersbach spielt [Elliot] hinreißend hilflos als nerdig scheuen Gruftie. […] Chronisch hoch ist das Erzähltempo, regiekonzeptionell unterbrochen nur von Sprechgesangseinlagen. Im Gegensatz zur TV-Serienkultur wird das Personal nicht in epischer Breite zu psychologisch ausgefeilten Charakteren entwickelt, sondern zu ironisierten Ich-Darbietung werden noch parodistisch idealisierte Selbstdarstellungen addiert, die auf Pop- und Musicalmelodien tänzeln, welche Gitarrist Matthias Krieg live verkitscht.“
Jens Fischer, nachtkritik, 3. März 2017

„Am Ende eines munteren wie smarten Schlagabtausches auf der Bühne des Kleinen Hauses werden es gerade mal 51 Minuten [Spieldauer]gewesen sein, die Regisseur Felix Rothenhäusler und sein Team zur genüsslichen Zerlegung der US-Hackerserie „Mr. Robot“ […] in deren Einzelteile benötigen […] flankierend leistet sie im Subtext bemerkenswerte Ansätze zu einer Medien- und Kunstgenrekritik. […] Sozusagen eine Twitter-Operette ist also an diesem Abend im Zeichen der Abbreviatur zu erleben: Eine ironisch unterfütterte Pastiche aus Medien, Kunst und Trash, deren lakonische Zutaten sich gegenseitig überschreiben, kommentieren, in Frage stellen, lächerlich machen. Dafür, dass es in dieser unterhaltsamen Versuchsanordnung rund geht, sorgt nicht zuletzt das dynamische Bühnenbild von Katharina Pia Schütz. […] Dieser zugleich komplexe und leichte Abend setzt auf Sinnzerstäubung und Fragmentarchitektur; er bietet viel Schau- und Lauschwert in Sachen Unterhaltung. Eine Petitesse im besten Sinne, ein Praliné, wahlweise Plunderstückchen, mit großzügiger Paranoiafüllung.“
Hendrik Werner, Weser-Kurier am 04.03.2017

„Nadine Geyersbach spielt [Elliot] mit einer hoch koffeinierten, verzweifelten Intensität, die fasziniert. […] [Felix Rothenhäuslers] Mr. Robot ist ein Rondell aus schizophrenen Wahnsinnsfiguren in Elliots Kopf und damit […] eben doch sehr nah an der Vorlage. Die Komik: Die Musik, das Alles ist irgendwie verzweifelt. […] Das Publikum mag auf dem Weg nach Hause denken: „Moment mal […]“. Und das ist gut. Ich wollte ein anderes Stück sehen, aber wahrscheinlich wäre das, was ich gerne gehabt hätte, viel langweiliger gewesen. Denn langweilig ist „Mr. Robot“ nicht. Keine Sekunde lang. Gehen Sie rein.“
Florian Bänsch, Nordwestradio, 3. März 2017

„Nicht nur die wesentlichen Figuren und ihre Beziehungen werden hier präzise freigelegt, sondern auch das, was sie über die Welt erzählen – und damit unsere Bilder von dieser Welt, einschließlich der Tendenz zur Verschwörungstheorie […] In rasantem dialogischem Rhythmus deklinieren die ausnahmslos auf der Höhe des Geschehens spielenden Akteure die Thematik durch, konterkariert von bekannten Pop-Melodien […] Wobei es gar nicht erst den Versuch gibt, glitzernde Pop-Verheißungen zu bedienen. Der Fehler ist in der Matrix. Aber genau das ist Teil des Witzes, über den Rothenhäuslers „Mr. Robot“ in Unmengen verfügt.“
Rolf Stein, Kreiszeitung am 03.03.2017