THEATERBREMEN

Kleines Haus

[zupɛrpoziˈtsioːn]

Ein visual poem von Alexander Giesche

„Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet.“(Blade Runner) –– Forscher haben bei einem Experiment eine künstliche Intelligenz vorsichtshalber abgeschaltet, als sie realisierten, dass sich die zwei Bots in einer Sprache „unterhielten“, die für Menschen unverständlich war. „Bob“ und „Alice“ ursprünglich auf Englisch trainiert entwickelten mit der Zeit eine eigene, effizientere (Geheim)Sprache. Was wäre, wenn man sich einem Gesprächspartner gegenüber sähe, dessen Kommunikationsmodus sich grundlegend von dem menschlichen unterscheidet, der algorithmisch denkt, redet, schreibt und fühlt? Spielte man dieses Gedankenexperiment konsequent zu Ende, dann hätten wir es mit einer Spezies zu tun, die zu Beginn eines Satzes schon das Ende kennt, die kommuniziert, die im Grunde genommen in jeder Sekunde um Vergangenheit und Zukunft weiß. Leben wir alle in einer algorithmischen Vorwegnahme der Zukunft?Zusammen mit den Schauspieler*innen Nadine Geyersbach und Justus Ritter sowie dem Komponisten Ludwig Abraham befragt Alexander Giesche in seinem neusten visual poem [zupɛrpoziˈtsioːn] eine Zukunft, in der die Grenzen zwischen Realem und Irrealem durch technologische Fortschritte zunehmend verwischen. Wie verhalten wir uns in einer Zeit, in der Menschen durch Roboter ersetzt werden, in der die reale Welt in digitaler Form perfekt simuliert wird? Gibt es eine unnötige Grenze für den Ersatz des Menschlichen? Sind wir nicht die Krönung sondern ein Schritt in der Evolution? [zupɛrpoziˈtsioːn] untersucht nicht nur, was es bedeutet, Mensch zu sein, sondern stellt darüber hinaus die Frage: Ist es erstrebenswert Mensch zu bleiben?

Dauer: ca 60 Minuten, keine Pause

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Pressestimmen

„[…] In„[Zupԑrpozi’tsio:n]“ geht es eher philosophisch zu. Per schlichtem Interface lässt Giesche, der auch die Ausstattung besorgt hat, Ritter die Humanisierung der Maschine vorantreiben. Die Bilder, die Giesche dafür schafft, sind erneut von ganz eigenem Reiz: Ein Vorhang aus LED-Leuchtschnüren, ein Container voller verkabelter Topfpflanzen, Flagge und Fackel bevölkern die Bühne, auf der es im Verlauf des einstündigen Abends auch ein zauberhaftes Ballett der Trägerstangen zu besichtigen gibt.
Dass sich nicht jedes Detail sofort – oder überhaupt – erschließt, schmälert den Zauber des Abends nicht, der auch durch die Musik von Ludwig Abraham besticht. Sie schillert an den Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine, flirrt digital-emotional, mal mit bröckelndem Wagner-Pathos, mal mit dem dubiosen Charme durch die Synthetik-Mangel genudelter 80er-Jahre-Hits.“ (Rolf Stein, Kreiszeitung, 11.01.2018)

„[…] Hingucker ist ein mit LED-Lämpchen bestückter Vorhang, der zunächst als probate Projektionsfläche für besonders schlaue Tiere (Delfine! Eulen!), später für anthropologische Konstanten (Arbeit, Sport und Spiel; Krieg, Wettkampf und Gemeinschaft) dient. […] Ästhetisch ansprechend ist das allemal. […] Alexander Giesche [ist] Respekt dafür zu zollen, wie er den wohl widerlichsten Popsong aller Zeiten – Jennifer Rushs „The Power of Love“ (1984) – als […] Hintergrundmelodie für einen unendlich zarten Annäherungsversuch nutzt. Ritter und Geyersbach gleichen dazu in einer magischen Passage Handbewegungen mit Tonfrequenzen ab – bis zum Scheitern auch dieser Verständigungsebene.
Visuell durchweg eindrucksvoll (darstellerisch zumal), akustisch bisweilen fordernd wegen des titelgebenden Überlagerungsprinzips ist diese Partnerbörse für Hochbegabte. Gegen Ende, als Fragen nach letzten Dingen aufblitzen, mag man sich in einer Terrence-Malick-Installation für Fortgeschrittene wähnen. Die Zuschauer applaudieren sehr zugewandt; einige Jauchzer gelten dem Regisseur.“ (Hendrik Werner, Weser-Kurier, 11.01.2018)