THEATERBREMEN

Kleines Haus

Unterwerfung

nach dem Roman von Michel Houellebecq

Frankreich 2022: der erste muslimische Präsident wird gewählt. Schulen und Hochschulen werden islamisiert, die Frauen verschwinden wortlos aus der Öffentlichkeit und die Polygamie wird eingeführt. Wie ein einsames Kind sucht der Literaturwissenschaftler François nach Selbsterleben und Orientierung und kommt zu der Erkenntnis, dass ihm gerade die Konversion zum Islam die sicherheitsgebende Struktur geben könnte, nach der er sich sehnt – die „Großartigkeit der kosmischen Ordnung“. Die Inszenierung versteht sich als emanzipatorische Auseinandersetzung mit dem Roman. Sie sucht nach der Ursache für François fehlende politische Haltung in seinen intimen Beziehungen. Dabei destilliert sie die Vorlage auf die Frage nach Männlichkeit und Weiblichkeit, angesichts der Wiedereinführung des Patriarchats. Sie begegnet dem abwertenden Blick des Protagonisten mit Vitalität und setzt seiner Lethargie eine verspielte, performative Umgangsform entgegen, die François Sozialverhalten herausfordert, immer im Versuch ihn von vordergründig stabilisierenden Ideologien fernzuhalten.

Dauer: ca 1 Stunde 15 Minuten, keine Pause

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Unterwerfung

Pressestimmen

„Naturgemäß sollte es dem zwischen Larmoyanz, Hypochondire und Menschenfreundlichkeit taumelnden Protagonisten Francois (Vincent Basse), einem Philologen und Frauenfresser, unmöglich sein, sich mit Stegreif-Halligalli zu arrangieren. Nicht so an Bremens Schauspiel, das ihn zu einem übersexualisierten Harlekin in Windeln degradiert.“
Hendrik Werner, Weser Kurier, 11.12.2016

„Damit das Publikum ultimativ kapiert, dass dieser Typ zwar ein schlimmer Finger, vor allem aber eine lächerliche Gestalt ist, wird es sporadisch in Form von Jux & Dollerei einbezogen.“
Hendrik Werner, Weser Kurier, 11.12.2016

„[…] zudem ein mundförmiger Überwurf (samt Schleifchenapplikation), in dem Justus Ritter später in der Rolle eines islamophilen Unipräsidenten durch die karnevaleske Versuchsanordnung tollt.“
Hendrik Werner, Weser Kurier, 11.12.2016

„Ansonsten bevorzugt die groteske Figur ein schön scheußliches Hawaiihemd […].“
Hendrik Werner, Weser Kurier, 11.12.2016

„Es wird geschrien und gezuckt, eine riesige mit Goldschleifchen verzierte Vagina spaziert über die Bühne, verschlingt Francois mit Haut und Haar und spuckt ihn dann wieder aus. Es wird gesungen, gesummt, gekreischt, geblödelt.“
Christine Gorny, Radio Bremen, 10.12.2016

„Der Boden der Bühne ist mit einem großen Stofftuch ausgelegt, auf das ein riesiges Foto von einem Gesicht gedruckt ist, das im Verlauf der Handlung natürlich verrutscht, zerknittert, sich zusammenrollt. Darunter erscheint ein neuer Teppich, diesmal mit Wasser und Wellen, […] mit Sand. Eine schöne Idee […].“
Christine Gorny, Radio Bremen, 10.12.2016

„Bei der Inszenierung geht es hauptsächlich um das Sexleben von Francois, um Pornos, Escort-Damen und seine Beziehung zu Freundin Myriam.“
Christine Gorny, Radio Bremen, 10.12.2016

„In Leonie Böhms Inszenierung hat Francois nicht nur die buchstäblichen Hosen gleich zu Beginn herunter gelassen. In Windeln präsentiert ihn Vincent Basse als sabberndes, greinendes Kleinkind […].“
Rolf Stein, Kreiszeitung, 12.12.2016

„[…] wenn schon keinen klugen Gedanken, dann aber doch Witz. Wenn eine menschengroße Vulva den armen Dozenten verschlingt zum Beispiel, oder wenn Johannes Rieder mit Glitzerkrone als Mutter Gottes sich erhebt und dem armen Francois Erlösung vorgaukelt.“
Rolf Stein, Kreiszeitung, 12.12.2016

„Stattdessen werden Lieder gesungen, von Grönemeyer über Beyonce bis Prodigy […].“
Rolf Stein, Kreiszeitung, 12.12.2016