THEATERBREMEN

Theater am Goetheplatz

Werther

Oper von Jules Massenet
Text von Édouard Blau, Paul Milliet und Georges
Hartmann nach „Die Leiden des jungen Werther“ von
Johann Wolfgang von Goethe

„Es sind lauter Brandraketen! Es wird mir unheimlich dabei.“ (Johann Wolfgang von Goethe) – Auf einer Deutschland-Reise lernte der französische Komponist Jules Massenet Goethes „Werther“ kennen – und war sofort „angezündet“: „Diese aufwühlenden Szenen, diese fesselnden Bilder; was musste das alles hergeben!“, staunte er. Zwar nahm er tiefgreifende Änderungen vor, um aus dem monoperspektivischen Briefroman ein Opernlibretto zu machen – dennoch blieb das Autistische dem Werk weiter eingeschrieben, insbesondere in der radikalen Vereinzelung der Figuren.
Werthers permanentes Anrennen gegen die Faktizität erweist sich als der entscheidende Motor zur emotionalen Aufladung der Handlung. Fast wie ein physischer Vorgang dient der Aufreibungsprozess dem Ziel, sich zu elektrisieren und somit zu spüren. Von der Gesellschaft wird Werther dabei pathologisiert und zugleich fasziniert beobachtet: Einerseits nimmt man ihn als zerrissenes Subjekt wahr, das die scheinbar heile Welt der Anderen zerstört, andererseits fungiert er als „Gefühls-Batterie“, an der man sich aufladen kann. Als sei er eine personifizierte Affektenlehre, führt er den Affekt der Liebe und des Leidens in größter Absolutheit vor. Dementsprechend formulierte Massenet Werthers eruptiven Charakter in einer Musik aus, die von hochpeitschender Dramatik gezeichnet ist und verfasste trotz der ausladenden Orchestrierung ein feines Kammerspiel, das das Brennglas auf drei Individuen legt, die sich aneinander abarbeiten.

Dauer: 2 Stunden 30 Minuten, eine Pause

Termine / Karten

Besetzung

Fotos

Pressestimmen

„Massenets Oper schrumpft den Roman auf seine Grundidee zusammen. Felix Rothenhäusler hat diese Version am Goetheplatz auseinandergenommen, reduziert und daraus eine rundum fesselnde, sowohl stark analytische wie gleichzeitig berührende Inszenierung gemacht.“
Iris Hetscher, Weser Kurier, 22. Mai 2016

„Nicht nur die ausdrucksstarke Musik, auch die sängerische Leistung wirkt vor dieser klar abgesteckten Aktion, die oft auch Nicht-Aktion ist, umso deutlicher und reißt das Publikum am Ende zu kompromisslosem Schlussjubel hin.“
Iris Hetscher, Weser Kurier, 22. Mai 2016

„Am Theater Bremen wird aus der unglücklichen Liebe ein Psychokrimi. Das Orchester auf der Bühne, die Protagonisten in einer Art Boxring. Musik und Gestik beeindrucken. Ein packendes Kammerspiel in Hoody, Jogginghose und Springerstiefel. Großer Jubel!“
Corinna Laubach, Bild, 23. Mai 2016

„Ganz intensiv ist die Mimik und Gestik der Akteure. Regisseur Felix Rothenhäusler, seit ein paar Jahren Hausregisseur in Bremen, hat den Ensemble-Mitgliedern unheimlich viel abverlangt, und die machen das wirklich toll – allen voran Nadine Lehner, die die Charlotte spielt. Sie ist der Star des Abends, weil sie nicht nur diese weiche, kraftvolle Stimme hat, sondern auch darstellerisch ganz viel drauf hat. Mit ihren Blicken und Gesten sagt sie mehr als tausend Worte: Ihre Augen und ihre Körperhaltung erzählen von Verzweiflung, Liebe und Zerrissenheit.“
Margit Ekholt, Radio Bremen, 21. Mai 2016

„Luis Olivares Sandoval wirkt zwar in seinem Outfit wie ein tumber Schulhofschläger, doch er zieht alle Register seines wandlungsfähigen Tenors, um Wut, Enttäuschung und schließlich Verzweiflung über die Rampe zu bringen. Nadine Lehner als Charlotte steht ihm in nichts nach, sie ringt in kräftig gestalteten Höhen, um gleich darauf in leises Flehen zu verfallen. Marysol Schalit ist eine frische, hell strahlende Sophie, Peter Schöne verleiht dem Albert genau die klaren Töne, die dieser braucht.“
Iris Hetscher, Weser Kurier, 22. Mai 2016

„Beide Sänger verfügen über eine solche Vielzahl von Zwischentönen, dass die Spannung über zweieinhalb Stunden nie nachlässt. Und beiden gelingt es unerhört gut, die großen Gesänge aus den Seelenregungen herauskommen zu lassen. Das kann man nicht besser machen; auch dies macht die Größe dieser Aufführung aus.“
Ute Schalz-Laurenze, Kreiszeitung, 22. Mai 2016

„Peter Schöne ist mit seinem Zynismus gegenüber Werther ein klangschöner und glaubwürdiger Albert.“
Ute Schalz-Laurenze, Kreiszeitung, 22. Mai 2016

„Die Musik ist teils süßlich und verführerisch – in dieser Hinsicht ist sie beste Filmmusik und Geschmackssache. Sie kann aber auch laut auffahrend sein, geradezu brutal in der Katastrophe: Das auf der Bühne platzierte Orchester macht das unter der Leitung von Daniel Mayr wunderbar. Zu Recht gab es dafür Ovationen.“
Ute Schalz-Laurenze, Kreiszeitung, 22. Mai 2016

„Besonders bestechend an der Inszenierung ist die Einbeziehung des Publikums, immer wieder richten sich Lehner oder Sandoval auch erzählend an die Zuschauer: Beide sind Teile von uns selbst. Wir haben keine Chance zu sagen: Das geht uns nichts mehr an.“
Ute Schalz-Laurenze, Kreiszeitung, 22. Mai 2016

„Das Publikum applaudierte begeistert.“
Margit Ekholt, Radio Bremen, 21. Mai 2016