THEATERBREMEN

Kurt-Hübner-Preis für Simon Zigah

Der Schauspieler Simon Zigah wurde in diesem Jahr mit dem Kurt-Hübner-Preis der Bremer Theaterfreunde ausgezeichnet und dabei nicht nur von den Stifter*innen des Preises mit Anerkennung und Zuneigung überschüttet, sondern vom ganzen Haus.

In der Jurybegründung heißt es:

Simon Zigah ist nicht nur eine beeindruckende Bühnenpersönlichkeit und zugleich ein sensibler Menschendarsteller, Simon Zigah kann auch wunderbar singen und tanzen, mit großem Charme moderieren und mit ebenso großem Witz auf der Bühne improvisieren. Er ist ein Ensemblespieler und ein politisch denkender Mensch, der genau weiß, wie rassistisch besetzt ein Stoff wie „Huckleberry Finn“ ist. Und deswegen darum ringt, daraus eine Geschichte über Freundschaft zu machen, und dem es dann gelingt, den Kindern eine persönliche Geschichte auch über Simon Zigah zu erzählen. In der Begegnung mit Armin Petras in „Love you, Dragonfly“ und „Lulu – Ein Rock-Vaudeville“ konnte er in dieser Spielzeit zeigen, was er alles so „drauf“ hat als Schauspieler, konzentriert, genau und berührend in dem einen Fall, laut, komisch und im guten Sinne ranschmeißerisch in dem anderen Fall. Seine Perserkatze in „Shirin & Leif“ wiederum ist vor allem elegant und sexy und die unmögliche Liebesszene mit Alexander Swoboda als Hund eine der schönsten Liebesszenen im Theater überhaupt. Das dokumentarische Musiktheater „Kosa La Vita“ über die Kriegsverbrechen in Ruanda hat er in den Theaterferien in einer Kooperation mit flinnworks und dem Theater Bremen erarbeitet, er moderierte die Kinderkonzerte von Yoel Gamzou, wie er überhaupt ein großer Freund der Kinder ist, die ihn lieben und bewundern, und er ist zudem ein fleißiger und dauerpräsenter Spieler auf der großen Bühne im Theater am Goetheplatz: „Bang Bang“, „Der gute Mensch von Sezuan“ und „Die Ratten“ gehören zu seinem Repertoire. Und natürlich ist er auch, nicht zu übersehen, bei dem Radio Bremen Live Hörspiel „Dickie Dick Dickens“ dabei.

Die Jury hat in ihrer Jurysitzung auch lange über zwei Produktion des Theater Bremen gesprochen, die sie neben der Ehrung von Simon Zigah lobend erwähnen möchte: zum einen das Knausgård-Projekt von Frank Abt, Torsten Kindermann, Viktorie Knotkova, Susanne Schuboth und Robin Sondermann, zum anderen den „Mütter“-Abend von Alize Zandwijk.

Simon Zigah wurde 1983 in Hamburg geboren und studierte dort Schauspiel am Bühnenstudio der Darstellenden Künste. Seit 2003 war er auf verschiedenen Bühnen zu erleben, darunter Kampnagel, Thalia Theater, Altonaer und St. Pauli Theater in Hamburg, Schauspiel Frankfurt, Berliner Renaissance Theater, Staatstheater Nürnberg, Landesbühne Hannover, Vereinigte Bühnen Krefeld Mönchengladbach, Landestheater Tübingen und Théatre des Capucine Luxembourg. Ab der Spielzeit 2010/11 war er fest am Moks des Theater Bremen engagiert und gehört seit 2013/14 zum Ensemble des Schauspiel. Zuletzt gastierte er als King Arthur in München im Theater am Gärtnerplatz.

Simon Zigah sagt zum Preis: „Ich bin überrascht bis geschockt oder andersrum. Ich musste an den zehnjährigen Simon denken, der als Kind im Theater sitzt und ehrfürchtig auf die Bühne guckt und sich fragt, ob er da auch stattfinden darf. Der freut sich jetzt natürlich sehr.“

Mit dem Kurt-Hübner-Preis zeichnen die Bremer Theaterfreunde e.V. seit 1996 jährlich eine besonders herausragende künstlerische Leistung am Theater Bremen aus. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wurde zuletzt an den Sänger Patrick Zielke (2015), die Schauspielerin Nadine Geyersbach und den Schauspieler Alexander Swoboda (2016), an die Jungen Akteure (2017) und im vergangenen Jahr an den Chor des Theater Bremen unter Leitung von Alice Meregaglia (2018) verliehen. Benannt ist der Preis nach Kurt Hübner, der von 1962 bis 1973 Generalintendant am Theater Bremen war.

Die diesjährige Jury setzte sich wie folgt zusammen: Prof. Michael Börgerding (Intendant Theater Bremen), Ursula van den Busch (Theaterfreunde), Rainer Glaap (Theaterfreunde), Christine Gorny (Radio Bremen), Iris Hetscher (Weser Kurier), Lore Kleinert (Theaterfreunde), Daniel de Olano (Theaterfreunde), Peter Schulz (Foyer) und Rolf Stein (Kreiszeitung).

Foto: Simon Zigah, Copyright: Esther Haase.