THEATERBREMEN

Theater am Goetheplatz

Die Entführung aus dem Serail

Deutsches Singspiel in drei Aufzügen
von Wolfgang Amadeus Mozart
Text von Johann Gottlieb Stephanie dem Jüngeren
nach Christoph Friedrich Bretzner
17:30 Uhr Einführung

„Das Fremde ist das versäumte Eigene.“ (Adolf Muschg) – Belmonte liebt Konstanze, Konstanze liebt Belmonte, ebenso wie sich Pedrillo und Blonde lieben. Oder zumindest zu lieben glaubten, bevor sie sich im Serail des türkischen Bassa Selim wiederfinden, wo das vertraute Gegenüber plötzlich fremd erscheint und sich die Fragen nach Liebe und Treue neu und anders stellen. Nach der Musiktheater-Performance "Les Robots ne connaissent pas le Blues oder Die Entführung aus dem Serail" 2014/15 widmet sich nun der Regisseur Alexander Riemenschneider Mozarts Orient. Er liest ihn weniger als geografisch verortbare Fremde, denn als Spiegel eigener Sehnsüchte, subkutaner Begierden und verborgener Ängste und wird – gemeinsam mit dem Musiktheaterensemble und fünf SchauspielerInnen – Mozarts subtile Menschen- und Beziehungsporträts freilegen, die sich unter der naiv-harmlosen Oberfläche des Singspiels verbergen.

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Pressestimmen

„Die ungeheuerliche, bis heute so verstörende Musik von Mozart gerät in dieser sehens- und hörenswerten Aufführung zum Impuls für seelische Irritierungen – die schließlich wieder in der Musik landen. Das Aufregende und gleichzeitig wohltuende an dieser klugen und hochsensiblen Inszenierung ist die Tatsache, dass für die weitreichenden Deutungen die Musik an keiner Stelle verstümmelt werden muss. […] Insgesamt ist die Inszenierung ein phänomenales Angebot, über Mozart neu nachzudenken.“ (Ute Schalz-Laurenze, Kreiszeitung, 4. Dezember 2018)

„Regisseur Alexander Riemenschneider, der ja vom Schauspiel kommt, hat die Handlung aktuell gerahmt – gewissermaßen ins Heute geholt. Und dadurch eine große Distanz aufgebaut. […] Die meisten Rollen sind doppelt besetzt: es gibt eine heutige Version der Figuren in legeren Wollpullover oder Hemdblusenkleid, die dann ihren Alter Ego im gerüschten Kleid oder orientalischen Pluderhosen beobachten und sich aber auch selbst einmischen ins Geschehen. Also nicht ganz unkompliziert. […] Aber natürlich kommt der Gesang nicht zu kurz. […] Insgesamt war der Abend eine Begegnung exzellenter Stimmen. Und die Bremer Philharmoniker haben wieder mal für pures Klangvergnügen gesorgt unter der Leitung von Hartmut Keil.“ (Christine Gorny, Bremen Zwei, 1. Dezember 2018)

„Sondern sie [die Passage aus Schnitzlers Traumnovelle] führt die Inszenierung auch direkt hinein in ein Paradies der Sinnlichkeit, ‚nicht orientalisch, nicht eigentlich altdeutsch‘, wie es bei Schnitzler heißt, aber doch beides zugleich, und das im Operntextbuch bestenfalls angedeutet wird: Marsch, hinein in den Darkroom des Begehrens, erregende Martern aller Arten inklusive. Und das ist nur gut. Denn die Musik will das. In der Partitur mit ihren schroffen Wechseln der Geschlechter und ihrer rousseauistischen Tendenz, das Primat der Harmonielehre zugunsten der Melodie einfach mal abzustreifen, spielen Lüste und deviantes Begehren unverkennbar eine Rolle.“ (Benno Schirrmeister, taz, 10. Dezember 2018)

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