THEATERBREMEN

Kleines Haus

die unverheiratete

von Ewald Palmetshofer

„Wir sind in die Welt gevögelt und können nicht fliegen.“ (Werner Schwab) — Kurz vor Ende der Naziherrschaft belauscht eine Frau das Telefonat eines Soldaten, der mit dem Gedanken liebäugelt, zu desertieren. Wenig später wird er vom Militärgericht verurteilt und getötet. Nach Kriegsende wird die Denunziantin verurteilt: zwölf Jahre Kerkerhaft. Doch die Schuld bleibt. Und sie wird weitergegeben, prägt Generation um Generation. Die Alte, die Mittlere, die Junge – so bezeichnet der Autor seine Figuren. Drei Frauen, drei Generationen, die sich – getrieben von einem antiken Frauenchor – abarbeiten an Fragen von Schuld und Sühne, von Verantwortung, vom Leben als Kind und Kindeskind von TäterInnen. So groß die Lust nach Verdrängung und die Sehnsucht den zu lieben, den man hassen möchte, auch sein mag: die Vergangenheit ragt unerbittlich in die Gegenwart hinein. Für sein durchrhythmisiertes, in kunstvoll wuchtige Wortkaskaden gekleidetes Stück für sieben starke Frauen, erhielt Ewald Palmetshofer 2015 den Mülheimer Dramatikerpreis. Nina Mattenklotz setzt sich nachhaltig mit zeitgenössischer Dramatik auseinander. In der vergangenen Spielzeit inszenierte sie die Uraufführung „Ännie“ von Thomas Melle.

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Pressestimmen

„Intensiv, aber auch fordernd: Das Theater Bremen zeigt Ewald Palmetshofers komplexes Schuld-und-Sühne-Stück ‚Die Unverheiratete‘ mit drei glänzend aufgelegten Protagonistinnen und einem wendigen Chor. […] Gewissermaßen als in Schwesterntracht gewandete Erinnyen der Erinnerung, die das komplexe Schuld-und-Sühne-Stück in abwechslungsreicher Formation durch fragmentarische wie insistente Rekonstruktionsarbeiten dynamisieren. Ihnen assistieren nicht von ungefähr drei Lernschwestern, fein verkörpert von den jungen Akteurinnen Josefine Kröll sowie Emilie und Charlotte Kleinschmid. […] Ein sehr starkes Frauenensemble meistert Mattenklotz' intensive Versuchsanordnung – und erntet entsprechend starken Beifall. Mit Möller-Lukasz, Kleinschmidt und Enzler sind drei Leistungsträgerinnen des Schauspiels in Hauptrollen zu besichtigen, die man gern öfter als Protagonistinnen sähe. Zur geballten Frauenpower fügt sich der wendige Chor. […]“ (Hendrik Werner, Weser Kurier, 30. April 2018)

„Das (Drama) lebt in seiner Bremer Fassung vor allem von den Schauspielerinnen. Schon der Chor ist mit Annemaaikke Backer, Gina Haller, Iris Minich und Stephanie Schadeweg sowie den drei Jungen Akteurinnen Charlotte Kleinschmidt, Emilie Kleinschmidt und Josefine Kröll eine Schau – wobei, eine stimmige Besetzungsidee Emilie und Charlotte Kleinschmidt Töchter von Irene Kleinschmidt sind, was das Generationenspiel weiterdreht. Die […] Geschichte erwecken vor allem die drei Hauptdarstellerinnen zum Leben, allen voran Gabriele Möller-Lukasz, die bis in die kleinsten Nuancen die Figur der Alten ausleuchtet. Irene Kleinschmidt und Karin Enzler sind kongeniale Partnerinnen.“ (Rolf Stein, Kreiszeitung, 2. Mai 2018)

„[…] Gina Haller, Iris Minich, Stephanie Schadeweg und Annemaaike Bakker bilden einen erschreckend präsenten Chor, der, obschon ein Quartett, erinnyenhaft Erinnerungen an Scham, Demütigung, Hohn und Häme heiß in diesen Theaterabend injiziert. […]Regisseurin Nina Mattenklotz hat dafür gut lesbare Bilder von harter Klarheit auf eine von Johanna Pfau karg eingerichtete Bühne gebracht. […] Und von vornherein beseitigt ist jede Realismusbehauptung. Zum Glück. […]“ (Benno Schirrmeister, taz, 5. Mai 2018)