THEATERBREMEN

Brauhauskeller

Orlando

von Virginia Woolf
mit Matthieu Svetchine

„Offenbar fiel es ihr nicht schwer, die verschiedenen Rollen miteinander zu vereinbaren, denn ihr Geschlecht änderte sich weit öfter, als sich jene vorstellen können, die immer nur eine Art von Kleidung getragen haben. Gegen die Redlichkeit von Kniehosen tauschte sie das Verführerische von Unterröcken ein, und die Liebe beider Geschlechter genoss sie gleichermaßen.“ — Als Grenzgänger*in zwischen den Geschlechtern kennt der*die titelgebende Held*in in Virginia Woolfs Roman, gleich dem mythischen Teiresias, die Lust der Männer wie der Frauen. Die Vielschichtigkeit der Erfindung Woolfs geht dabei weit über das Schillernde der Travestie oder Fragen von Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit hinaus. Vielmehr entwirft sie durch fantasievolle Überschreibung einen vier Jahrhunderte und mehrere Epochen überspannenden Lebenslauf, in dem die queere Existenz Orlandos erst durch Fiktion verständlich wird. Bestimmt unser Begehren, das am Ende erst in der einzelnen Begegnung seinen Beweis findet, unsere Identität in stärkerem Maße als unser Geschlecht? Und was geschieht mit Identitäten, die sich einer Verortung sperren? In einem Monolog geht Matthieu Svetchine der Frage nach, wie und mit welchen Mitteln sich Biografien in ein Licht rücken lassen, in dem queere Identität sichtbar, lesbar und vor allem lebbar wird.

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Pressestimmen

„Im Brauhauskeller gibt der Schauspieler Matthieu Svetchine ein temperamentvolles Solo nach Virginia Woolf.“ […] hat die gewohnt findige Ausstatterin Nanako Oizumi dem Untergrund eine Vielzahl wundersam wuchernder und rankender Pflanzen angedeihen lassen, die auch und gerade in den gelegentlichen Nocturnes (Licht: Tim Schulten) von stimmungsvoller Strahlkraft sind. […] Mit einer bemerkenswerten Maske angetan ist Matthieu Svetchine in der ersten Hälfte der 80-minütigen Darbietung. Bewundernswert, dass er den überbordenden Text um die Hauptfigur Orlando, die in sich eine Mixtur aus Frau und Mann birgt, dennoch verständlich artikuliert. […] Weil Svetchine und Meyer-Herder ihre gemeinsam erarbeitete Fassung mit lebensgeschichtlichen Zäsuren versehen haben, kommt jedem Lebensabschnitt Orlandos ein neues Stellungsspiel seines Darstellers zu. […] steigert sich der mit einem wuchtigen Kleid und allerlei Geschmeide angetane Svetchine in seinem sehenswerten Solo so sehr, dass die Inszenierung […] reichlich Sogkraft entwickelt. Herzlicher Applaus honoriert den Solisten und sein Team.
(Hendrik Werner, Weser Kurier, 8. Juni 2018)

„[…] Virginia Woolfs ,Orlando‘ eine Bühne zu bieten, wie jetzt das Bremer Theater im Brauhauskeller, ist eine gute Entscheidung. […] In eine wahre Seelenlandschaft haben Ausstatterin Nanako Oizumi und Tim Schultens magisches Licht dafür den Schlauch der Brauhauskellerbühne verwandelt. […]Minimal invasiv – und doch mit kapitaler Wirkung, das ist große Bühnenkunst. […] Im Kleid, kettenbehängt, durchaus anmutig, ja würdevoll, und mit dieser, leicht belegten Stimme, dem Svetchine-Sound: Schön ist es, sich dem zu überlassen. […] Ein Raum und ein Licht zum Träumen, ein Text der glücklich macht und befreit. […]“ (Benno Schirrmeister, taz, 23. Juni 2018)