THEATERBREMEN

Theater am Goetheplatz

The Rake's Progress

Oper in drei Akten von Igor Strawinsky
Text von Wystan Hugh Auden und Chester Kallman

„Wünsche will ich, nichts als Wünsche: und immer an Stelle der Erfüllung einen neuen Wunsch.“ (Friedrich Nietzsche) — Es kommt einem Märchen gleich, dass Tom Rakewell genau in dem Moment von einem entfernten Verwandten reich beerbt wird, als er nur den Wunsch äußert, reich zu sein. Dieser unerwartete Geldsegen und die Begegnung mit Nick Shadow, dem mysteriösen Überbringer der Nachricht, stellen die Weichen für Toms rasante und bizarre Glücks- und Freiheitssuche: keine Arbeit, keine Verpflichtung, keine Verantwortung oder: einfach glücklich sein – so lautet zumindest der nächste der insgesamt drei Wünsche. Toms „Karriere“ haben die Autoren der Oper bewusst in eine überdrehte, symbolreiche Groteske übersetzt. Der gleichnamige Gemäldezyklus von William Hogarth (1733 – 35) diente dem Komponisten Igor Strawinsky als Vorlage für sein Gleichnis vom Aufstieg und Fall eines Suchenden, das in zehn Szenen von flirrender Leichtigkeit, märchenhaften Kuriositäten und berührender Emotionalität mündet, die der Regisseur Michael Talke in seine gewohnt groteske Bildsprache übersetzt.

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Pressestimmen

„[…] Es war ein bunter, ein burlesker Abend – ich würde sagen – ein Bühnenereignis im besten Sinne! […] Vor allem in den ersten beiden Akten klingt das wie reiner Mozart, rein, noch nicht mal gebrochen, noch nicht mal ironisch. Im dritten Akt hört man dann ein bisschen mehr von Strawinsky wie man ihn eben kennt von ,Le sacre du printemps‘, also mit einem wirklich wuchtigen Ensemble, aber das hat alles Sinn und Verstand und hat natürlich dazu beigetragen, dass diese Oper – obwohl sie nicht so häufig gespielt wird – dann aber sehr gut verstanden wird. […] Chor und Orchester – wunderbar! Also der Bremer Opernchor ist wirklich toll, er kann nicht nur gut singen, sondern auch gut spielen. Und diese Inszenierung von Michael Talke ist eben einer sehr bunte und da hat der Chor auch eine tragende Wirkung. […] Marysol Schalit, die Anne Trulove sing, war wunderbar!

- Michael Talke wird den Stoff in seine gewohnt, groteske Bildsprache übersetzten, so hieß es – hat das geklappt?
Ja, das hat geklappt, das nehme ich schon mal vorweg. […] Die Figuren und der Chor werden kommentiert vom wunderbaren Bühnenbild. […] Mit kleinen Effekten, versucht er das Ganze aufzubrechen. […] Als reines Bühnenerlebnis für das Publikum ist es eine wunderbare Auflockerung, auch die grotesken Überzeichnungen. […] Das ist ein typischer Talke.

- Lohnt sich das Bremer Experiment?
Ich würde sagen, es kann dazu beitragen, dass sich mehr mit dieser Oper auch in ihrer Merkwürdigkeit und ihrer Zwitterhaftigkeit – sie hört sich so an, als wäre sie von Mozart oder Rossini, ist aber eben etwas Anderes, wurde von einem Komponisten, der für die Moderne steht, so komponiert – beschäftigt wird, dazu ist die Bremer Inszenierung ein wunderbarer Anlass. Unbedingt reingehen!
Stephan Cartier, Radio Bremen Zwei, 28.05.2018

„[…] Am Theater Bremen hat sich Regisseur Michael Talke „The Rake's Progress“ vorgenommen. Man wundert sich fast, dass er das jetzt erst tut, denn das Werk passt genau zu seiner Art, die Kunstform Oper und ihre Übertreibungen in jegliche Richtung als heutigen Theatergenuss erfahrbar zu machen.[…] Konkrete Orte sind nicht auszumachen, eher Stimmungslagen, die vor allem durch das sowieso schon irre und noch einmal weiter ins Groteske gedrehte Personal, klug dosierte Bühnenbildelemente (verantwortlich: Barbara Steiner) und die fantastisch-absurden Kostüme von Regine Standfuss zu Szenerien werden, in denen es dann massiv zur Sache geht. […] Talke kann sich bei seiner geist- und temporeichen Inszenierung erneut auf das hervorragende Ensemble des Musiktheaters verlassen. Hyojong Kim ist ein facettenreicher Tom Rakewell: Er meistert nicht nur die Schwierigkeiten seiner Rezitative und Arien mit seinem Ausnahme-Strahle-Tenor, sondern verleiht dem Wüstling auch nachdenkliche wie verletzliche Züge; Christoph Heinrich ist sein verlässlich-böser Counterpart und hat seinen Bariton perfekt auf düster-drohend justiert. Marysol Schalit gibt Anne Trulove mal naiv, mal verzweifelt, immer klar in allen Lagen. Sie bekommt für die Arie „Love cannot falter“ und ihr müheloses hohes C Szenenapplaus. Nathalie Mittelbach hat als Baba die unattraktivste Musik zu singen, was sie mit viel Präzision tut. Sie erschafft mit ihrer Performance die stärkste Persönlichkeit des Stücks: Verachtet, aber nicht unterzukriegen. Viel zu tun hat der auch schauspielerisch agile Opernchor, den Alice Meregaglia gut eingestellt hat. […]Viel Applaus, Bravo-Rufe auch fürs Regie-Team.“
Iris Hetscher, Weser Kurier, 29.05.2018

„[…] Die Moral dieser fast brechtischen Parabel: Wer sich wie Tom Rakewell den Zufällen des Glücks überlässt, ist am Ende der Betrogene. Das zaubert Talke in einer Fülle von Ideen, die purer Theaterlust ebenso gerecht werden, wie sie die Trauer über ein solches Schicksal als zeitkritische Metapher der 1950er-Jahre in ihrer verrückt machenden Glückssuche zeigen. […] Talke collagiert mit Geschick und ohne überdrehte Interpretation die Szenen aneinander, oft in Zeitlupen- oder Standbildern (dazu passt das schlichte Bühnenbild von Barbara Steiner). Und dazu passt die moralische Warnung, die erst – eine tolle Idee – nach dem ersten Beifall kommt.
Da ist der fantastisch agierende Chor in den Klamotten (Kostüme: Regine Standfuss) einer verkommenen Konsumgesellschaft. Dann die Protagonisten: Hyojong Kim als Tom, […] sängerisch überzeugt er. Und fein ausgespielt ist auch seine Abhängigkeit von Nick Shadow, dem Teufel, dem Zeremonienmeister der Story: Hier hat Christoph Heinrich alle Fäden in der Hand. […]Wunderbar […] ist die Lichtregie bei seinen auch sängerisch brillanten Auftritten. […] Marysol Schalit gibt Ann, […] kaum zu übertreffen in ihrer Schlichtheit mit unglaublichen Pianotönen. Den mitreißenden Kontrapunkt gegen dieses Frauenbild bildet Nathalie Mittelbach als Türken-Baba. […]Sehr Gelungen ist die Auktion, bei der Toms Besitz versteigert wird, mit einem glänzenden Christian-Andreas Engelhardt. Anns spießigen Vater, der seinem zukünftigen Schwiegersohn so gern eine Stelle in der Bank verschaffen will, verkörpert Loren Lang überzeugend, und Ulrike Mayer schafft als Bordellmutter ihre eigene Welt. Hartmut Keil führt die Bremer Philharmoniker derweil sicher und mit viel Schwung und Ironie durch die zitierte Musikgeschichte.“
Ute Schalz-Laurenze, Kreiszeitung, 29.05.2018

„Die Moral dieser fast brechtischen Parabel: Wer sich wie Tom Rakewell den erzwungenen Zufällen des Glücks überlässt, ist schließlich der Betrogene. Das zaubert Talke in einer überragenden Fülle von Ideen, die purer und lustvoller Theaterlust ebenso gerecht werden wie sie die Trauer über ein solches Schicksal als zeitkritische Metapher der fünfziger Jahre in ihrer verrückt machenden Glückssuche zeigen. Die Kunst der Regie ist äußerst gefragt in einem Stück, das gar keine logischen Zusammenhänge oder aber Entwicklungen zeigt. Talke setzt mit großem Geschmack und Geschick und vollkommen ohne überdrehte Interpretation die Szenen collageartig aneinander, oft auch in Zeitlupen- oder Standbildern (dazu passt dann auch das einfache, wohltuend ohne Videos auskommende Bühnenbild von Barbara Steiner). Und dazu passt dann die moralische Warnung am Ende, die erst – eine tolle Idee – nach dem ersten Beifall kommt.
Da ist zuerst einmal der fantastisch agierende Chor, dessen Klamotten (Kostüme: Regine Standfuss) einfach die einer verkommenen Konsumgesellschaft sind. Dann die Protagonisten: Hyojong Kim als Tom, […] sängerisch überzeugt er. Und fein ausgespielt ist auch seine Abhängigkeit von Nick Shadow, dem Teufel, sozusagen dem Zeremonienmeister der Story: hier hat Christoph Heinrich […] alle Fäden in der Hand – wunderbar ist die Lichtregie bei seinen auch sängerisch brillanten Auftritten –, bis er in einer verzaubernden geradezu barocken Theaterszene in den Nebeln der Unterwelt versinkt. […] Und Marysol Schalit (als Anne Trulove) […]: das kann man in der Schlichtheit mit unglaublichen (Mozart‘schen) Pianotönen kaum besser machen. Der mitreißende Akzent gegen dieses Frauenbild ist Nathalie Mittelbach als die auf Jahrmärkten auftretende Türken-Baba. […] Eine hoch gelungene Szene ist auch die Auktion, bei der Toms Besitz versteigert wird: glänzend Christian-Andreas Engelhardt. Und der spießige Vater von Anne […] ist bestens dargestellt von Loren Lang, und Ulrike Mayer schuf als Bordellmutter wieder eine andere, eigene Welt. […] Die musikalische Leitung hatte Hartmut Keil, der die Bremer Philharmoniker sicher und mit viel Schwung und Ironie durch die zitierte Musikgeschichte führte, so dass am Ende ein Riesenbeifall stand.“
Ute Schalz-Laurenze, Neue Musikzeitung, 29.05.2018

Michael Talke sorgte für eine schlüssige, ausgefeilte, witzige und vor allem eine kurzweilige Inszenierung. Diese wurde zu recht vom Publikum gefeiert.
Der dem Bremer Ensemble angehörende, koreanische Tenor, Hyojong Kim war als Tom Rakewell, sowohl in den lyrischen, wie auch in den dramatischen Passagen grandios. Er gestaltete die anspruchsvolle Rolle überaus beeinduckend, wobei das sehr schöne Timbre seiner Stimme und eine enorme Bühnenpräsenz hervorstachen. Ein eher sympatischer Wüstling! Marysol Schalit bestach als Ann Trulove; berührend und bezaubernd wie es ihr gelang, den Charakter dieser Rolle zum Leben zu erwecken. Christoph Heinrich, mit „schwarzer“ Stimme war ein eher elegant singender Nick Shadow und überzeugte nicht nur gesanglich, sondern war auch darstellerisch sehr präsent. Ein geschmeidiger, verführerischer und agiler „Teufel“. Nathalie Mittelbach, in einer Art Affenkostüm (mit eigenem Lebensmittellager- hin und wieder pickte sie wohl Flöhe aus ihrem Fell und verspeiste diese) war als Baba darstellerisch und gesanglich umwerfend gut. Loren Lang, mit Schäferlocken, überzeugte als VaterTrulove. Ulrike Mayer war eine hervorragende Mother Goose und Allan Parkes war mit seinen köstlichen, humoristischen Einlagen als Keeper umwerfend. Christian-Andreas Engelhardt gab den Sellem. Großartig in Form war an diesem Abend einmal mehr der Chor des Theaters Bremen […] Ein in nahezu jeglicher Hinsicht grandioser Abend und eine tolle Leistung des Hauses!
(Sven Godenrath, Ihr Opernratgeber, 31.05.2018)