THEATERBREMEN

Kleines Haus / ausverkauft (eventuell Restkarten an der Abendkasse)

Ännie

Uraufführung
von Thomas Melle
19:30 Uhr Einführung

„Die wahre Sehnsucht kennt kein Ziel“ (Thomas Melle) — Mit 16 ging Ännie zum Bahnhof und kehrte nicht zurück. Kein Hinweis, mit wem, wohin und warum sie gegangen sein könnte. Zwei Jahre später: Ännies 18. Geburtstag. Volljährig und noch immer weg. Ein Polizist rollt den Fall wieder auf. Das Mysterium ihres Verschwindens sorgt für Spekulationen. Als hochbegabtes Kind eines intellektuellen Vaters, alleinerzogen von einer Mutter am unteren Rand der Gesellschaft, gehörte sie nirgends richtig dazu, war die unterschichtige Exotin für die Reichen, das unheimliche, unverstandene Talent für die Kleinstbürger. Eine Figur, wie geschaffen für Mutmaßungen und Verschwörungstheorien. Wurde sie Opfer eines Verbrechens oder mutierte sie zur Täterin? Radikalisierung? Islamisierung?
Die Leerstelle, die Ännie lässt, und die Phantasmen, mit denen diese gefüllt wird, geben Aufschluss über unsere Ängste und Träume, über Werte und Vorstellungen, über soziale Grenzen und Zuschreibungen. Nach den Adaptionen der Romane „Sickster" und „3000 Euro" vergibt das Theater Bremen nun einen Autorenauftrag an Thomas Melle, eine der wichtigsten Stimmen der zeitgenössischen Literatur.

Dauer: ca 2 Stunden, keine Pause

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Ännie

Pressestimmen

„Eine junge Frau verschwindet. Aus dem anschließenden Rätselraten formte der Autor Thomas Melle sein spekulatives Theaterstück „Ännie“, dessen Uraufführung unter Regie von Nina Mattenklotz mit lebendigen Figurenzeichnungen überzeugt.“
Sven Gabarde, Foyer, Januar 2017

„Die Regalwände des gut zwei Stunden lang bestaunenswerten Puppenheim-Triptychons sind detailreich besetzt. […] In diesem Altarbild aus Einrichtungsgegenständen kann sich niemand einrichten, schon gar nicht jemand wie Ännie. Das lässt Thomas Melle ausrichten. […] Was er hier [hier: sein Roman „Die Welt im Rücken] an Qualität vorlegt, reicht er nun als Dramatiker mit „Ännie“ nach, die gleichfalls unverkennbar autobiografische Züge trägt.“
Stefan Grund, Die Welt, 29.11.2016

„Welche Abgründe sich in dieser prototypisch engen Gemeinschaft auftun, sobald jemand aus der Reihe tanzt, wird in der Bremer Uraufführung spürbar, als das Ensemble zischend und immer lauter skandiert, was Ännie alles sein soll: ‚Zynisch, verkommen, schlau, berechnet, berechnend, gewitzt, opak (…)‘, so geht es minutenlang bis zum finalen ‚Weg mit Ännie, weg mit Ännie, weg mit dieser Pest.‘“
Cornelia Fiedler, Süddeutsche, 30.11.2016

„Das gleichnamige Mädchen, um das es hier geht, ist im Alter von 16 Jahren spurlos verschwunden. Zwei Jahre später wartet die Mutter Romy (lasziv-kaputt: Lisa Guth) immer noch auf ihre Rückkehr. Ihr leiblicher Vater, ein Ex-Polizist namens Fred (sich verzehrend: Martin Baum), rollt den Fall neu auf.“
Stefan Grund, Die Welt, 29.11.2016

„Während Fred recherchiert, eskalieren die Konflikte zwischen den nach Sinn wie nach Ännie suchenden, deren Ansichten und Lebensstile der wachsenden gesellschaftlichen Entrope zum Opfer fallen.“
Stefan Grund, Die Welt, 29.11.2016

„In der Regie von Nina Mattenklotz, […] spielen die acht Akteure kraftvoll auf […]. Zudem zeigt das Ensemble einen tollen Chorauftritt – und eine feine Zeitlupe, als es gegen Ende an der Tür klingelt.“
Hendrik Werner, Weser Kurier, 26.11.2016

„Die Inszenierung von Regisseurin Nina Mattenklotz ist abwechslungsreich und farbig. [...] Das Schauspielensemble hat wieder einmal total überzeugt. Diese schrägen Typen auf der Bühne waren klasse dargestellt.“.
Margit Ekholt, Radio Bremen, 28.11.2016

„Die kleinen um die Hauptfigur kreisenden Geschichten spielt das Ensemble überzeugend – auch miteinander, wenn sie in Chöre und Gruppenchoreografien überführt werden.“
Jan-Paul Koopmann, taz, 26.11.2016

„Schrille Samples, grelles Licht und laute Schüsse machen körperlich erfahrbar, wie eine ziellose Revolution elektrisieren kann. Bis es irgendwann abflaut und schließlich unbefriedigt zurücklassen muss.“
Jan-Paul Koopmann, taz, 26.11.2016

„Regisseurin Nina Mattenklotz stellt Melles Figuren in den Raum. Und damit unter Beobachtung. In guten Momenten fängt sie damit Strukturen der Verstrickung und Stadien der Zerrüttung ein. Etwa wenn der Ex-Polizist (und vielleicht doch Anne-Vater) Fred, dem Martin Baum eine hübsche getriebene Traurigkeit verleiht, besänftigend auf Romy (Lisa Guth oszilliert leise zwischem Muttersehnsucht und Selbstschutz) zurennt.“
Tim Schomacker, Nachtkritik, 25.11.2016

„Gabriele Möller-Lukasz‘ ultrapräsente Lehrerinnen-Stimme darf sich […] an den Jelinek-Sound von „Bambiland“ heranrobben. Man kann Thorge Just als Jugendfreund Pierre bestaunen, wie er in einem dezent angehiphopten Ton die Erinnerung an Annes achten Geburtstag mit einer Faszination für den IS engführt. Und man darf sich sattsehen an Johanna Pfaus bühnenüberfüllendem Setzkasten irgendwo zwischen Schmetterlingsbox, vergrößertem Teenie-Tagebuch und cooler Winzwohnungallzweckmöbellösung.“
Tim Schomacker, Nachtkritik, 25.11.2016