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#HelloDolly! Musiktheater

„It’s a neverending Schatzsuche.“

Seit vierzig Vorstellungen steht Entertainerin, Moderatorin und Sängerin Gayle Tufts bei „Hello, Dolly!“ am Theater Bremen auf der Bühne. Jetzt kommt das Musical zurück ins Theater am Goetheplatz und Pressesprecherin Diana König hat mit Gayle Tufts gesprochen.

Liebe Gayle, vor drei Jahren hat die Dramaturgin Brigitte Heusinger vor der Premiere von Hello, Dolly! mit dir ein Gespräch geführt, dass wir unter dem Titel Becoming Dolly auf unserer Homepage veröffentlicht haben. Die Premiere war ein voller Erfolg, das Musical gehört jetzt fest zu unserem Repertoire – ich dachte, ich treff dich jetzt vor der Wiederaufnahme und frage mal, wie es so ist: Being Dolly?

Gayle Tufts: Dolly Levi und Bremen sind ein Teil von mir geworden. Seit den 90ern trete ich in Bremen auf und habe die Stadt und das Publikum lieben gelernt. Bremen erinnert mich an Boston, meine Heimatstadt. Aber nie zuvor konnte ich hier mit über 100 talentierten, engagierten und sexy Künstler:innen gemeinsam auf der Bühne stehen. Das Musical ist ein Kraftwerk, das wahnsinnig Energie verlangt – und gibt – und dazu jede Menge Freude. Being Dolly is an absolute Geschenk.

Hast du den Eindruck, dass deine Dolly in der Zeit, in der du sie jetzt hier spielst, sich verändert hat, älter geworden ist oder bist du als Figur auf der Bühne ewig die gleiche, ewig 35?

Dolly war nie 35! (And Barbra Streisand war in der Verfilmung viel zu jung.) Dolly is a Postmenopausal-Powerhouse. Sie ist erwachsen, hat Verletzungen und Niederlagen erlitten – aber: sie hat gelebt. Ein lustvolles Leben. Auch nach drei Jahren gibt es für mich immer mehr in Dolly Levi zu entdecken: ihre Trauer als Witwe, ihre Durchhaltevermögen, ihre Angst vor Altersarmut, ihren Humor, ihre Kraft. It’s a neverending Schatzsuche.

Du bist ja in deinen Solo-Programmen häufig sehr politisch und ich erinnere mich gut daran, dass du 2022 vor der Premiere von Hello, Dolly! in einem Interview gesagt hast, dass du glaubst, dass die Menschen jetzt nach Corona ein bisschen Lachen müssen, was Schönes sehen. Politisch hat sich seitdem viel verändert – allein in den USA, ich weiß, du bist kein Fan von Trump ... würdest du das heute anders formulieren?

Vergessen wir nicht, dass Hello,Dolly! ursprünglich Broadway-Premiere hatte im Januar 1964, es war die erste Broadway-Musical Premier nach der Kennedy Ermordung. Dieses Stück strahlt auch in dunklen Zeiten eine wahnsinnige Positivität aus. In unserer Bremer Inszenierung haben wir uns für ein anderes Ende entschieden. Es gibt nicht das klassische Happy-End mit einem glücklichen Paar. Dolly kreiert ihre neue große alternative Familie in Yonkers. Dolly hat im Stück den Mut, neues zu probieren. Diesen Mut wünsche ich uns allen.

Im Stück geht es viel darum, nicht allein zu sein – dabei hilft Dolly den Menschen und findet letztendlich auch noch jemanden für sich. Wie wichtig ist Gemeinsamkeit für dich?

It depends on what you mean by Gemeinsamkeit! Ich bin eine Teamplayerin. Ich bin so unglaublich dankbar für die tolle Dolly-Ensemble – auf und hinter der Bühne. Unterschiedlichste Welten ergänzen sich zu einem größeren Ganzen – voller Unterstützung, Neugier und Lust am gemeinsamen Spielen. Als Dolly bin ich nie allein. Und das alles für ein offenes und dankbares Publikum. Ich heule jetzt, wenn ich daran denke ...

Wenn du jetzt mal in deine Rolle als Dolly, die legendäre Heiratsvermittlerin, schlüpfst: Auf was sollte man bei der Partnerwahl achten und wie bleibt man dann tatsächlich auch zusammen?

Wie Dolly zeigt, lernt man die meisten Partner bei der Arbeit kennen. Man hat sich schon auf einer anderen Ebene kennengelernt, gemeinsame Erfahrungen gemacht. Sich zu vertrauen ist ein großer Schritt. Dann muss man den anderen unterstützen, seine eigenen Erfahrungen machen zu können. Es kann auch schneller passieren als man denkt. Wie Ian Spinetti (als Cornelius) singt: Es muss nur ein Moment sein, und man liebt ein Leben lang …

Du liebst das Musical Hello, Dolly! schon seitdem du klein bist – und hier im Theater ist es auch ein Publikumsliebling. Überall aus Deutschland sind Menschen angereist, um euch auf der Bühne zu sehen. Hast du diesen Erfolg erwartet?

Ich wusste, wenn wir alle unsere Herzen einbringen und unsere unterschiedlichen Fähigkeiten nicht verstecken, kann das ein großer Erfolg werden. Und ich wusste, wenn 40 Philharmoniker hinter mir stehen, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Dazu noch der beste tanzende Chor den ich kenne und die besten Opern-Stimmen Norddeutschlands – ein perfektes Match.

Gibt es was, auf dass du dich bei der Wiederaufnahme besonders freust? Hast du ein Lieblingslied?

Ich freue mich immer wieder in meine fabulous Pailleten-Kleid zu schlüpfen! Und: Ich lass die Musik nicht vorbei! Die Closing-Number im ersten Teil. Lebenslust und Magie und schwindelige Positivität. Wenn die Musik kommt, dann ziehe ich aus ihr Energie und alle Kraft der Welt. I’m gonna raise the roof! I’m gonna carry on! Ich warte nicht mehr und nutze selbst meine Chancen! That’s why I love Dolly so sehr: Sie will es wissen! Und dafür ist es nie zu spät.

 

Veröffentlicht am 10. September 2025.

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