A Bigband-Dream
Gayle Tufts, das Musiktheaterensemble und eine Bigband: Das ist eine Mischung, aus der Träume sind … vor allem die des Musikdirektors Stefan Klingele. Pressesprecherin Diana König hat ihn kurz vor der Wiederaufnahme von Sing, Sing, Sing! gesprochen.
Sing, Sing, Sing! hatte Silvester 2024 Premiere – bei der Gala hast du die Musikalische Leitung und du dirigierst eine Bigband. Damals hast du erzählt, das wäre schon immer dein Traum gewesen. Jetzt ist er wahr geworden – wie war es denn?
Stefan Klingele: Sehr schön war es! Weil die Musiker:innen alle so virtuos und exakt spielen sowie den Swing im Blut haben, ist die Funktion des Bandleaders höchst einfach. Es gilt hier vermutlich endlich mal das bei Klassikhörer:innen verbreitete Vorurteil, dass es im Prinzip sehr gut ohne Dirigent ginge, jedenfalls so lange der Drummer wie bei uns die Fäden in der Hand hat.
Wir nehmen Sing, Sing, Sing! jetzt wieder in den Spielplan auf: Erzähl doch mal kurz, was erwartet das Publikum?
Mir gefällt die Mischung im Programm sehr: von ruhigen Balladen über Jazzstandards bis zu knackigen Titeln mit großem Sound und Groove ist alles dabei. Unsere drei Solistinnen und drei Solisten präsentieren alle sehr passende Musik für ihre Stimmen und Charaktere und bei der Auswahl spielte die Qualität der Arrangements unbedingt eine sehr wichtige Rolle. Da ist ABBA mit Lay all your love on me mit Bigband einfach wunderbar neben dem Pink Panther, den wir natürlich in der legendären Version spielen.
Was magst du an dieser Art von Musik?
Mich fasziniert die Kunst, wie alle Bandmitglieder auf die Millisekunde gemeinsam den leicht „verbogenen“ Swing-Rhythmus spielen müssen. Nur, wenn alle den Ton immer gleichzeitig ansetzen und dabei komplett natürlich fühlen, zündet diese Musik!
Hast du ein Highlight an diesem Abend?
Ich liebe vielleicht Feeling good und Smoke gets in your eyes am meisten, aber Sing, Sing, Sing! als Titel ist wohl kaum zu toppen – da zeigen wirklich alle, was sie können und das ist umwerfend! Außerdem ist Gayle Tufts für uns der absolute Star, wie sie musiziert und mit dem Publikum in Kontakt tritt. Die Moderation ist irgendwie immer neu und deshalb sind auch wir auf der Bühne immer ehrlich begeistert. Eine solch charismatische und dabei so herrlich sympathische Entertainerin an der Front zu haben, ist ein großes Glück!
Merkst du, wenn du dirigierst, wie das Publikum reagiert? Ist das anders als bei anderen Produktionen?
Mich freut es einfach, dass dieses immer seltener live zu hörende Genre die Menschen so direkt erreicht. Der natürliche Sound einer Bigband braucht keinerlei Umwege und übt für mich eine Art Magie aus. Trotzdem steckt dahinter extrem spezialisiertes, musikalisches Handwerk vom Komponisten bis zu den Ausführenden. Umso glücklicher ist man, wenn sich der Aufwand unmittelbar an Begeisterung ablesen lässt – der Dirigent hat vielleicht die meiste Möglichkeit, das Ergebnis zu genießen.
Du hattest zuletzt Premiere mit Brittens War Requiem – ich stelle mir vor, es ist ein ziemlicher Unterschied da am Pult zu stehen, oder? Wie empfindest du das?
Beides ist sehr inspirierend und ich bin dankbar, dass ich nicht auf eine Stilrichtung festgenagelt bin. Wenn ich auf Vielseitigkeit angesprochen werde, verweise ich immer nur trocken auf alle anderen Künstler:innen, die ja auch „springen“ können müssen. Das Geheimnis ist, dass man nicht gleichzeitig zwei verschiedene Welten in sich fühlen muss. Egal, welche Musik beginnt: Man taucht sofort ein in die Emotionen und Sphären. Das geht ja auch dem Publikum so, dass nach Sing, Sing, Sing! unbedingt und ohne irgendwelche Schwierigkeiten jede andere Aufführung unseres schönen Theaters besuchen kann.
Deine Bigband setzt sich aus den Musiker:innen der Bremer Philharmoniker zusammen – ist es spannend für dich, die Kolleg:innen da anders zu erleben? Lernst du sie auch nochmal anders kennen?
Wir waren vorher alle neugierig, wie das Ergebnis am Ende wohl klingen würde. Es hat sich dann sehr schnell herausgestellt, dass die Erfahrung aller gut zusammenpasst und so war es ein sehr einfaches und effektives Erarbeiten. Die Konzentration in den Proben ist genauso hoch wie bei einer Symphoniekonzert-Vorbereitung, am Ende hat man in der Bigband aber vielleicht doch mehr Spaß.
Nochmal zurück zum Traum: Jetzt hast du ja eine Bigband dirigiert: Was kann jetzt noch kommen?
Ich habe als Dirigent tatsächlich keine speziellen „offenen“ Berufsträume, jede Art von Musik bringt ja auch neben hoffentlich guten Ergebnissen zunächst mal vor allem Schwierigkeiten mit sich. Obwohl die Vorbereitung fast immer mühsam ist, liebe ich trotzdem das Theater mit all den Menschen der verschiedenen Abteilungen; hier gemeinsam in großer Form faszinierende Geschichten mit Musik zu erzählen, ist für mein Leben durchaus erfüllend. Es wäre für mich aber mal etwas ganz Besonderes, ein großes Werk der barocken Kirchenmusik in einer großen Kirche am Pult zu erleben (und eben auch zu dirigieren …). Insgesamt bin ich zufrieden mit meinem Pensum und den Inhalten und es gibt ja neben der Musik auch noch andere Dinge, mit denen man sich intensiv beschäftigen und Sinn finden kann.
Veröffentlicht am 2. April 2026.