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#thelastdance Tanz

Das Maul des Löwen

Im Tarot steht der Tod nicht nur für Abschied, sondern auch für Neuanfang. Ende und Anfang sind Themen, die Choreograf Samir Akika auch in seinem Tanzstück The Last Dance verhandelt. Die Künstlerin Susana Morales Carrera erzählt dem Choreografen, was sie aus den Tarotkarten liest.

+++ english version below +++

Betrachten wir ein Tanzstück einmal so, als wäre es ein Mensch. Nicht nur ein Werk, sondern ein echter, funktionierender menschlicher Körper. Dann wäre dieses Stück eine sehr tiefgründige Person, ein Wesen mit tiefen Qualitäten. Die Karten, die ich während der Probe zu The Last Dance gezogen habe, zeigen uns nicht seine Zukunft, sondern wo es in diesem Moment steht.

Die erste Karte, die gezogen wurde, zeigt uns die Anatomie dieses Wesens. Und es ist eine sehr interessante Karte: Der Herrscher. Und noch interessanter: Sie stand auf dem Kopf. Die zweite Karte, die ich gezogen habe, bezieht sich auf den Geist dieses Tanzstücks. Worüber denkt es nach, was sind seine Ideen? Ich zog den Mond. Und wieder stand er auf dem Kopf. Dann gibt es eine Karte, die sich auf das Bewusstsein des Stücks bezieht. So als wären wir auf Pluto, dem einst letzten Planeten unseres Sonnensystems, und würden auf die Erde zurückblicken und über ihr Bewusstsein nachdenken. Und was wir von dort aus sehen, ist der Der Gehängte. Er hängt nicht am Hals, sondern an seinem Fuß – und auch diese Karte steht auf dem Kopf! Die vierte und letzte Karte, die ich gezogen habe, bezieht sich darauf, was das Stück im Kontext der Außenwelt bedeutet, dieser Körper, der sich anderen zeigt. Und sehr interessant ist, dass sie mir aus der Hand fiel und irgendwie seltsam auf der Seite landete. Eine schöne Karte: Die Kraft.

Wie wir sehen, ist hier alles ein wenig schräg. Schauen wir uns das genauer an, um zu verstehen, was das bedeutet. Der Herrscher bezeichnet die Struktur, den Körper, die Anatomie. Ein Herrscher ist normalerweise sehr stabil und hat eine definierte Struktur. Im Moment steht er auf dem Kopf, weil seine Gedanken noch unklar sind. Es benötigt also etwas mehr Struktur, um sagen zu können: „Ich stehe auf meinen Füßen, ich bin ein strukturiertes Wesen.“ Der Mond hingegen bezieht sich auf Intuition, Träume, Wahrnehmung. Man könnte sagen, dass er das Imaginarium des Stücks ist. Und er steht auch für Traurigkeit, die Nacht unseres Lebens, die Nacht der Seele. Aber er hängt kopfüber, sodass man das Gefühl hat, dass wir zwar über all diese Dinge nachdenken, sie aber noch nicht vollständig anerkannt haben. Das ist die Arbeit, die wir leisten müssen. Ich denke, dass die Karten wegen des Bewusstseins, der Karte von Pluto, auf dem Kopf lag, die sich als eine sehr interessante Karte herausgestellt hat: Der Gehängte fordert eine Veränderung der Perspektive und verweist auf die Notwendigkeit, loszulassen. In deinem Stück sprichst du über den Tod, und es ist nicht leicht, die Tatsache eines Körpers, der lebt und stirbt, zu akzeptieren. Es kann schwer sein, diesen Teil unserer Erfahrung auf dem Planeten Erde anzuerkennen. Denn im weiteren Sinne geht es darum, seine persönlichen Freuden zum Wohle aller aufzugeben. Dieser Kampf um Akzeptanz ist es, der den Herrscher seine Struktur verlieren lässt. In deinem Werk spüre ich ein tiefes Wissen darüber, was es bedeutet, auf diesem Planeten zu sein, zu verlieren und zu gewinnen – es geht nicht um dich, es geht um alle.

Und wenn wir das verstanden haben, zeigt sich die vierte Karte: Die Kraft. Auf dem Bild der Karte sehen wir eine Frau, die das Maul eines Löwen öffnet. Das Schöne an ihr ist, dass sie dies nicht mit Gewalt, sondern mit Zärtlichkeit tut. Wir stehen einem Löwen gegenüber, der, wie wir wissen, sehr aggressiv sein kann. Wir haben es mit Tod, Zweifel und Angst zu tun. Aber wenn man die Verantwortung übernimmt, damit auf eine feminine und zärtliche Weise umzugehen, kann der Kontext, der sich durch das Stück eröffnet, sehr stark sein. Es nicht zu erzwingen, nichts in diesem Stück zu etwas zu machen, das nur um einen selbst dreht, sondern vielmehr den Zustand des Menschseins zu akzeptieren.

Wir alle haben mit unserem Tod und unseren Trennungen zu tun. So muss es sich für Franz Schubert angefühlt haben, dessen Musik im Stück zu hören ist. Als er spürte, dass er sterben würde, empfand er Frustration. Er wusste selbst, dass er ein großer Künstler war, aber er verlor sich in diesem Schmerz, Mensch zu sein und nicht anerkannt zu werden. Er verstand nicht, dass sein Werk vielleicht nicht für seine Zeit bestimmt war, sondern erst hundert Jahre später zu etwas sehr Starkem werden würde.

Die letzte Karte, die ich dich schließlich gebeten habe, selbst zu ziehen, liegt in der Mitte. Es ist der Regisseur, der Architekt, der die Eigenschaft hat, ein Beobachter der Dinge zu sein und allen ihre Plätze zuteilt. Die Karte, die du gezogen hast, ist Der Teufel. Auch wenn er unmenschlich aussieht, ist Der Teufel die menschlichste Karte. Sie spricht von Verständnis und Leidenschaft. Einen guten Teufel in dieser Konstellation zu haben, kann ein tiefes Verständnis für die Grenzen und die Wünsche und Sehnsüchte von allem schaffen. Das Verständnis, dass es Schmerz und Verwirrung gibt, dass es Träume und Illusionen gibt, aber dass sie alle Teil dieser Erfahrung des Lebens sind.

Ich lade dich ein, alle auf dem Kopf stehenden Karten in ihre aufrechte Position zu bringen. Drehe den Herrscher um. Drehe den Mond um, akzeptiere die Schmerzen, die zum Vergnügen werden, wenn darin das Verständnis der menschlichen Erfahrung aufscheint. Drehe auch die anderen Karten um, und du wirst sehen, dass dieser Körper hier zu etwas sehr Starkem wird. Er besteht aus einem Geist, der reist und die Poesie und Reife hat, auch seine Grenzen zu akzeptieren. Denn wir wachsen hier und lernen, dass es nicht nur um uns geht. Und dann wird dieser Körper, dein Stück, zu einer sehr vornehmen Dame, die das Maul eines Löwen öffnen kann.

 

+++ english version +++

 

Opening the mouth of a lion

In tarot, death represents not only farewell, but also new beginnings. Endings and beginnings are themes that choreographer Samir Akika also explores in his dance piece The Last Dance. Artist Susana Morales Carrera tells the choreographer what she reads from the tarot cards.

Let's consider a dance piece as if it were a human being. Not just a work, but a real, functioning human body. Then this piece would be a very profound person, a being with deep qualities. The cards I drew during rehearsal do not show us its future, but where it stands at this moment.

The first card drawn shows the anatomy of this being. And it is a very interesting card: The Emperor. And even more interesting: it came out reversed. The second card I drew refers to the spirit of this dance piece. What is it thinking about, what are its ideas? I drew The Moon. And again, it was reversed. Then there is a card that indicates the consciousness of this piece. As if we were on Pluto, once the last planet in our solar system, looking back at Earth and thinking about its consciousness. And what we saw from there was The Hanged Man. He is not hanging by his neck, but by his foot – and again it came out reversed! The fourth and last card I drew refers to what the play means in the context of the outside world, this body that presents itself to others. And very interestingly, it fell out of my hand and landed strangely on its side. A beautiful card: Strength.

As we can see, everything here is a little skewed. So let's take a closer look and see what that means. The Emperor speaks of structure, the body, anatomy. An emperor is usually very stable and has a defined structure. At the moment, he is at an angle because his thoughts are still unclear. So there needs to be a little more structure for him to be able to say, “I stand on my own two feet, I am a structured being.” The Moon, on the other hand, refers to intuition, dreams, perception. You could say that it is the imagination of the play. And it also stands for sadness, the night of our lives, the night of the soul. But it is reversed, so you get the feeling that we are thinking about all these things but have not yet fully acknowledged them. That is the work we must do. And I think this card is reversed because of Consciousness, the card of Pluto, which has turned out to be a very interesting card: the Hanged Man calls for a change of perspective and points to the need to let go. In your play, you talk about death, and it's not easy to accept the fact of a body that lives and dies. It can be difficult to accept this part of our experience on planet Earth. Because in a broader sense, it's about giving up one's personal joys for the good of all. And it is this struggle for acceptance that causes the Emperor to lose his structure. In your work, I sense a deep understanding of what it means to be on this planet, to lose and to win—it's not about you, it's about all of humanity.

And once we understand that, the fourth card appears: Strength. In the image on the card, we see a woman opening the mouth of a lion. The beauty of her is that she works not with force, but with tenderness. We are faced with a lion, which, as we know, can be very aggressive. We are dealing with death, doubt, and fear. But if you take responsibility for dealing with it in the most feminine and tender way, the context that opens up through the piece can be very powerful. Not forcing it, not making anything in this piece about yourself, but rather accepting the condition of being human.

We all have to deal with our death and our separations. That must have been how it felt for Franz Schubert, whose music can be heard in the play. When he sensed that he was going to die, he felt frustration. He knew himself that he was a great artist, but he lost himself in the pain of being human and not being recognized. He did not understand that his work was perhaps not meant for his time, but would only become something very powerful a hundred years later.

The last card I finally asked you to draw yourself will be in the middle. It is the director, the architect, who has the quality of being an observer of things, who puts everyone in their place. And the card you drew is The Devil. Even though he looks inhuman, The Devil is the most human card. It speaks of understanding and passion. Having a good devil in this constellation can create a deep understanding of the limits and desires and longings of everything. The understanding that there is pain and confusion, that there are dreams and illusions, but that they are all part of this experience of life.

I invite you to turn all the reversed cards to their upright position. You turn the Emperor around. You turn the Moon around, accepting the pain that becomes the pleasure of understanding the human experience. Turn the other cards over as well, and you will see that this body here becomes something that will be strong. It consists of a spirit that travels and understands the poetry and maturity of accepting our limitations. Because we grow here and learn that it's not just about us. And then, finally, this body, your work becomes a very distinguished lady who can open the mouth of a lion.

 

The text was edited by dramaturg Gregor Runge.

Veröffentlicht am 20. Februar 2026

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