skip_to_main_content
  • Kalender
  • Programm
  • Ensemble
  • Junges.Theater
  • Karten
  • Abos / Theatercard
  • Service
  • Barrierefreiheit
  • Jobs
  • Partner:innen
Menü
Suche
Suche
Theaterbremen
Suche
  • Kalender
  • Programm
  • Ensemble
  • Junges.Theater
  • Karten
  • Abos / Theatercard
  • Service
  • Barrierefreiheit
  • Jobs
  • Partner:innen
#FeministischerKampftag Und außerdem

I exist without belonging

Zum Feministischen Kampftag 2026 gibt die iranische Sängerin Faravaz ein Konzert im Kleinen Haus. Dramaturgin Marianne Seidler hat mit ihr über Musik, Kämpfe und Empowerndes gesprochen.

Eine Frau reißt die Faust kämpferisch in die Luft.

––– english version below –––

Marianne Seidler: Was bedeutet der Internationale Frauentag oder Feministische Kampftag für dich persönlich und für dich als Künstlerin und Frau aus dem Iran?

Faravaz: Ich liebe diesen Tag sehr. Es ist, als würden wir unseren Kampf feiern und zusammenkommen – alle Frauen oder alle, die sich als Frau identifizieren, und natürlich auch queere Menschen. Es ist ein Tag, an dem wir alle uns outen, wir alle laut sprechen und wir alle aus dem gleichen Grund zusammenkommen. Ich denke, was uns als Frauen und natürlich auch der queeren Community widerfährt, ist immer dasselbe, egal wo wir leben. Wir leiden immer unter denselben Problemen, nur in unterschiedlichem Ausmaß – nämlich natürlich unter dem Patriarchat. Dieser Tag erinnert mich daran, dass ich nicht allein bin und dass ich diesen Kampf nicht allein führe. Dieser Tag ist für mich sehr emotional. Er ist traurig, er ist fröhlich, und ich habe an diesem Tag sehr gemischte Gefühle. Was an diesem Tag traurig ist, ist, dass wir immer noch für dieselben Dinge kämpfen, für die wir schon seit Hunderten von Jahren kämpfen – es ist einfach so grundlegend!

Manchmal denke ich, dass die Demonstration am 8. März immer spät am Abend stattfinden sollte, denn das Gefühl, als Frau oder queere Person nachts unterwegs zu sein und sich nicht sicher zu fühlen, ist etwas, das FLINTA-Menschen auf der ganzen Welt kennen. Lass uns über die Musikbranche sprechen: Hast du das Gefühl, dass es einen Unterschied macht, eine Frau in der Musikbranche zu sein?

Natürlich. Ich denke, es ist einfach viel schwieriger, eine Frau oder eine queere Musikerin zu sein. Es gibt so viel weniger Raum für uns, und wir müssen immer um diesen kleinen Raum kämpfen. Manchmal sind wir nur eine Art Trend, und dann sagen sie: „Wow, wir haben Frauen gebucht, wir haben Transfrauen gebucht“, und dann spielen 100 Männer und zwei Frauen, und sie sagen: „Wow, wir sind ein vielfältiges Festival.“ Natürlich ist es besser, ein Trend zu sein, als gar nicht eingeladen zu werden. Letztendlich sollte sich jedoch jede:r dafür   verantwortlich fühlen, Frauen und queeren Menschen mehr Raum zu geben.

Wie hat der Weg in die Musik für dich begonnen? Wie hast du in Iran mit der Musik angefangen?

Ich habe bei Autofahrten mit meinem Vater angefangen, für ihn zu singen. Aber wenn ich es professioneller ausdrücken möchte, habe ich mit dem Gitarrenspiel angefangen und habe auch als Backgroundsängerin für männliche Musiker und Sänger gearbeitet. Dann habe ich angefangen, meine eigene Musik zu produzieren – das ist illegal im Iran, denn es ist Frauen verboten zu singen. Ich habe meinen ersten Song in den sozialen Medien gepostet, und er hat viel Aufmerksamkeit erregt. Danach wurde der Song plötzlich von Sendern außerhalb des Iran gespielt, wie der BBC und einigen anderen internationalen Medien. Das war der Grund, warum ich verhaftet wurde.

Wie hast du es dann geschafft, nach Deutschland zu kommen?

Nachdem ich verhaftet worden war, erhielt ich eine einjährige Gefängnisstrafe. Ich habe gegen das Urteil protestiert und dann eine Kaution gezahlt, damit ich auf freiem Fuß bleiben konnte, bis entschieden wurde, ob man da. Während dieser Zeit wurde ich zu einem Festival nach Deutschland eingeladen. Ich hatte vor, nur 12 Tage zu bleiben. Aber dann erhielt ich einen Anruf von meiner Anwältin, die mir mitteilte, dass ich bei meiner Rückkehr für ein Jahr ins Gefängnis müsste. So entschied ich mich, zu bleiben. Das war im Jahr 2018.

Wenn man zwischen zwei Welten lebt, was bedeutet dann Heimat?

Tatsächlich habe ich kürzlich einen Song zu diesem Thema geschrieben – dass ich existiere, ohne dazuzugehören. Ich habe ehrlich gesagt nicht das Gefühl, irgendwo dazuzugehören. Selbst als ich im Iran lebte, hatte ich nicht das Gefühl, dass es meine Heimat war, weil ich von meiner Kultur und meinen Landsleuten nie wirklich akzeptiert wurde. Und natürlich habe ich für meine Regierung nie in die Normen meines Landes gepasst. In Deutschland fühle ich mich auch nicht wirklich zu Hause. Ich weiß nur, dass ich mich wohlfühle, wenn ich von Menschen umgeben bin, die mich lieben. Als Flüchtling hat man vielleicht das Gefühl, zu existieren, ohne dazuzugehören. Aber in gewisser Weise ist das auch schön, finde ich, weil man sich frei fühlt, sich überall dort zu Hause zu fühlen, wo man sich wohlfühlt.

Ich würde gerne über die Verbindung zwischen Künstlerinnendasein und Aktivismus sprechen. Dein Song „Mullah” wirkt auf mich wie ein sehr couragiertes Stück. Was war deine Absicht hinter dem Song und welche Botschaft wolltest du damit vermitteln? Allgemeiner gefragt: Welche Rolle spielt Kunst deiner Meinung nach in Zeiten des Protests?

Ich bin gerade an einem Punkt angelangt, an dem ich mir ehrlich wünschte, ich könnte nur Künstlerin und keine Aktivistin sein. Ich bin nicht aus freien Stücken Aktivistin geworden. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich dazu gezwungen war, weil ich denke, dass wir das brauchen. Ich glaube nicht, dass wir mehr Liebeslieder in dieser Welt brauchen. Ich finde, wir haben genug, die einfach nur schön sind. Aber wir haben auch wirklich große Probleme und Schwierigkeiten. Die Menschen leiden, und wir müssen darüber sprechen. Ich finde, Kunst, Musik und Songtexte sollten von dem inspiriert sein, was uns beschäftigt. Das sind die Themen, über die ich jeden Tag nachdenke. Sie machen mich wütend, und ich möchte etwas daran ändern. Deshalb habe ich beschlossen, sie in meine Musik einzubringen.

Der 9. März ist neben dem 8. März ein Streiktag für Frauen. Das Motto lautet „Genug“. Wovon hast du genug?

Oh, da gibt es zu viele Dinge. Wo soll ich anfangen? Ich habe genug von den Männern um mich herum. Sie sind überall, sie reden laut und sie nehmen unseren Raum ein. Ich denke, wir brauchen Männer, die manchmal schweigen, zuhören, lernen, unterstützen und solidarisch sind.

Gibt es einen Rat, den du jungen Musikerinnen im Iran oder weltweit geben würdest, um sie zu stärken?

Ich würde sagen, dass man immer hören wird – besonders wenn man eine Frau ist und über Frauenrechte spricht, was politisch ist –, dass man nicht laut sprechen, nicht politisch sein und nicht so direkt sein sollte. Ich finde, das sollte ihnen egal sein. Sie sollten tun, was sie wollen, und sagen, was sie wollen. Sie sind nicht „zu viel“, auch wenn wir das immer hören. Wir sollten tun, was wir wollen: mutiger sein, provokativer sein, wütend sein, wenn wir wollen – denn wir haben das Recht, all das zu sein.

 

KONZERT FEMINISTISCHER KAMPFTAG: FARAVAZ

Indie Pop, Trap und Einflüsse persischer Folk-Musik mit politischen Texten.
im Anschluss Aftershow mit DJ AZ (ein trans* männlicher DJ) mit feministischem und empowerndem Pop
Sonntag, 8. März 2026 um 19 Uhr im Kleinen Haus
Eintritt frei!

Veröffentlicht am 8. März 2026.

 

––– english version –––

I exist without belonging

On Feminist Struggle Day 2026, Iranian singer Faravaz will give a concert at the Kleines Haus. Dramaturge Marianne Seidler spoke with her about music, struggles, and empowerment.

Marianne Seidler: What does the International Women's Day or Feminist Day of Struggle mean for you personally and for you as an artist and a woman from Iran?

Faravaz: I really love this day, actually. It’s like celebrating our fight and coming together – all the women, or whoever identifies as a woman, and of course queer people. It’s a day when we all come out, we all speak loudly, and we all show up for the same reason. I think what is happening to us as women, and of course to the queer community, is always the same wherever we live. We always suffer from the same problems, just at different levels – which is patriarchy, of course. It’s a day that reminds me that I’m not alone and that I’m not in this fight alone. This day is very emotional for me. It’s sad, it’s happy, and I have very mixed emotions on that day. What is really sad about this day is that we are still fighting for the same things we have been fighting for for hundreds and hundreds of years – it’s just so basic!

I sometimes think that the demonstration on March 8 should always be late in the evening, because the feeling of being out as a woman or queer person at night and not feeling safe is something that FLINTA people all over the world know. Let’s talk about the music business: Do you think that being a woman in this business makes a difference?

Of course. I think it’s just much harder being a woman or a queer musician. There is so much less space for us, and we always have to fight for this small space. Sometimes we are just a kind of trend, and then they say, “Wow, we booked women, we booked trans women,” and then there are 100 men and two women playing, and they say, “Wow, we are a diverse festival.” Of course, it’s better to be a trend than not to be invited at all. Ultimately, however, everyone should feel responsible for giving more space to women and queer people.

Let's talk about your artistic path and obstacle. How did you get started in music in Iran?

I started in my father’s car when he was driving, and I was singing for him—that’s how it all began. But if I want to put it in a more professional way, I started by playing the guitar, and I was also singing backing vocals for male musicians and male singers. Then I started producing my own music – illegally in Iran, as you know, because it is forbidden for women to sing. I posted my first song on social media, and it got a lot of attention. After that, the song was suddenly played on stations outside Iran, like the BBC and some other international media outlets. That was the reason why I was arrested in Iran.

How did you manage to come to Germany, then?

After I was arrested, I received my sentence, which was one year in prison. I protested against the sentence, and then I paid bail – an amount of money to the court – so I could stay out until they decided whether they would forgive me or not. During that time, I was invited to Germany for a festival. I planned to stay for just 12 days. But then I got a call from my lawyer, and she told me that if I returned, I would have to go to prison for one year. That’s how I decided to stay. That was in 2018.

If you’re standing between worlds, what does home mean to you?

Actually, I recently wrote a song about this topic – that I exist without belonging. I honestly don’t feel like I belong to any place. Even when I was living in Iran, I didn’t feel like it was my home, because I was never really accepted by my culture or my people. And of course, with my government, I never fit into the standards of my country. In Germany, I don’t really feel at home either. I just know that I feel good when I’m around people who love meAs a refugee, you might feel this sense of existing without belonging. But in a way, it’s also beautiful, I think, because you feel free to feel at home wherever you feel good.

I’d like to talk about the connection between being an artist and an activist. Your song “Mullah.”, to me, it feels like a very bold and courageous piece. What was your intention behind the song, and what message were you hoping to convey? More broadly, what role do you think art plays in times of protest?

I just came to the point where I honestly wish I could be only an artist and not an activist. I didn’t become an activist by choice. I just felt I was forced to, because I think we need it. I don’t feel we need more love songs in this world. I think we have enough that are just beautiful. But we also have really big issues and problems. People are suffering, and we need to talk about it. I think art, music, and lyrics should come from what keeps our brains busy. These are the topics I think about every day. They make me angry, and I want to change things. That’s why I decided to bring it into my music.

March 9 is a women’s strike day in addition to March 8. The motto is „Enough“. Whath ave you had enough of?

Oh, there are too many things. Where should I start? I’ve had enough men around me. They’re everywhere, they’re speaking loudly, and they’re taking our spaces. I think we need men who can sometimes stay silent, listen, learn, support, and stand in solidarity.

Is there any advice you would give to young female musicians in Iran or worldwide to empower them?

I would say that you will always hear – especially if you are a woman and you talk about women’s rights, which is political – that you shouldn’t speak loudly, you shouldn’t be political, and you shouldn’t be so straightforward. I think they shouldn’t care about that. They should do whatever they want and say whatever they want. They are not “too much,” even though we will always hear that. We should do whatever we like: be bolder, be more provocative, be angry if we want to be – because we have the right to be all of that.

 

Published on March 8, 2026.

Was Sie auch interessieren könnte

Presse Impressum Barrierefreiheitserklärung AGB Abobedingungen Datenschutz
nach oben

cookie_layer

Unsere Cookies

Damit unsere Webseite optimal funktioniert, verwenden wir für einige unserer Anwendungen Cookies. Dies beinhaltet u. a. die eingebetteten sozialen Medien, aber auch ein Trackingtool, welches uns Auskunft über die Ergonomie unserer Webseite sowie das Nutzer*innenverhalten bietet. Wenn Sie auf "Alle Cookies akzeptieren" klicken, stimmen Sie der Verwendung von technisch notwendigen Cookies sowie jenen zur Optimierung unserer Webseite zu. Weitere Informationen findet Sie in den "Cookie-Einstellungen".

Einstellungen verwalten

Bitte wählen Sie Ihre Präferenz. Sie können diese jederzeit ändern.

Damit unsere Webseite optimal funktioniert, verwenden wir für einige unserer Anwendungen Cookies. Diese können nicht deaktiviert werden, da Sie ansonsten nicht alle Anwendungen nutzen können.

Um unsere Webseite möglichst nutzer*innenfreundlich zu gestalten, haben wir u. a. soziale Medien auf unserer Webseite eingebettet. Dies ermöglicht Ihnen mit nur wenigen Klicks Inhalte im entsprechenden Netzwerk mit Ihren Lieben teilen zu können. Ebenso nutzen wir eine anonymisierte Tracking-Technologie, welche uns Informationen zu z. B. dem Nutzer*innenverhalten, aber auch zur Effektivität & Ergonomie unserer Webseite gibt. Hierfür nutzen wir auch Dienste, welche ihren Sitz außerhalb der Europäischen Union haben können (insbesondere in den USA), wo das Datenschutzniveau geringer sein kann als in Deutschland.

Impressum Datenschutz