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#zauberervonöz #mesutözil Schauspiel

Ein Deutscher, wenn er gewinnt – ein Migrant, wenn er verliert.

Jermaine Greene ist Fan- und Antidiskriminierungsbeauftragter beim SV Werder Bremen. Kurz vor der Premiere von Der Zauberer von Öz hat Dramaturgin Marianne Seidler ihn zum Gespräch getroffen.

Marianne Seidler: Jermaine, wie bist du zu Werder Bremen gekommen?

Jermaine Greene: 2010 bin ich als Praktikant zum SV Werder Bremen gekommen, da ich damals soziale Arbeit studiert habe. Ich habe verschiedene Abteilungen vom Sozialmanagement bis hin zu Fan- und Mitgliederbetreuung durchlaufen und wurde fest übernommen. Seit 2011 arbeite ich als Fanbeauftragter. In meiner Zeit bei Werder hat sich die Abteilung immer weiterentwickelt. Dadurch, dass die Fanszene einen antifaschistischen Konsens hat, konnten wir immer sozialpolitische Themen setzen, Workshops anbieten. Zu meinen Aufgaben gehörte es in den ersten Jahren auch, Fanclubs dazu zu animieren, sich sozial zu engagieren.

Im Zauberer von Öz geht es um Mesut Özil, aber eigentlich erzählt das Stück sehr viel über Deutschland. Im Grunde wird am Fall Özil die deutsche Fankultur verhandelt aber auch wie Spieler, der DFB und die Politik auf Özil reagierten. Auch die Vorverurteilung einer prominenten Person mit Migrationsgeschichte spielt eine Rolle. „Ich bin Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Migrant, wenn wir verlieren“, sagte Özil 2018 im Zuge seines Rücktritts. Du arbeitest nicht direkt mit den Spielern zusammen, aber ist dir dieser Eindruck aus der Fanszene auch bekannt?

Wenn man sich die Stadien mal anschaut, dann ist das kein Querschnitt der Gesellschaft: Das Stadion ist weiß geprägt, männlich dominiert. Nicht-binäre Personen tauchen nicht wirklich auf, Menschen mit Migrationsgeschichte sind unterrepräsentiert. Diejenigen mit Migrationsgeschichte, die regelmäßig im Stadion sind, haben schon ein Zugehörigkeitsgefühl, aber es sind wenige. Das hat verschiedenste Gründe. Es fehlen Zugänge, sie wissen nicht, ob sie willkommen sind, die Ticketpreise sind hoch und wir haben allein im Weserstadion schon 27.000 Dauerkarteninhaber*innen mit Vorkaufsrecht. In den einzelnen Bezirken in Bremen gibt es aber sehr viele Menschen mit Migrationsgeschichte, die Fußball spielen, sich mit dem Sport identifizieren. Die Kinder tragen keine Werder-Trikots. Der Fußball kann einige Brücken schlagen, aber dafür muss man aktiv etwas tun.

Einzelne Spieler mit Migrationsgeschichte werden wahlweise als die guten Deutschen oder die schlechten Ausländer wahrgenommen. Ich glaube, dass das etwas ist, das alle Migra-Kids für sich auch beschreiben können. Wenn man Abi macht, Erfolge erzielt, dann wird man gelobt als gut integriert. Aber Fehler werden einem schwerer verziehen. Es droht dann schnell die Ausgrenzung. Das kenne ich selbst auch gut.

Einige Menschen in der Öffentlichkeit haben Mesut Özil scharf dafür kritisiert, dass er die deutsche Nationalhymne nicht mitgesungen hat.  Es wirkte so, als sei das der Gradmesser der Integration. Wenn ein Mensch in Deutschland geboren ist, aber dennoch ein anderes Land als Heimat ansieht, gibt es in der Öffentlichkeit eine Fixierung darauf, dass Deutschland die eigentliche Heimat sein müsste.

In unserer Fanszene sind mit Sicherheit Menschen, die deutschlandkritisch denken. Da sind einige dabei, die deutsch gelesen werden und niemals die deutsche Nationalhymne mitsingen würden. Vielleicht gäbe es eine politische Diskussion, aber kein Othering, also keine Fremd-Machung. Ich wüsste gar nicht, wie ich eine Person mit Migrationsgeschichte beraten würde, die die Hymne nicht mitsingen möchte. „Mach‘s dir leicht und sing mit“ – das allein kann es nicht sein. Das Gefühl, nirgends komplett dazu zu gehören, das macht etwas mit einem. Selbst wenn du Fußballweltmeister wirst. Das Gefühl, mehr als 100 Prozent geben zu müssen, um akzeptiert zu werden, ist zermürbend.

Würde sich deiner Meinung nach genau an solchen Konflikten und Diskriminierungsformen etwas ändern, wenn mehr Menschen mit Migrationsgeschichte in den Spitzenpositionen im Fußball sitzen würden?

Ja!  Wenn Spitzenpositionen von Menschen besetzt werden, die den Erfahrungshorizont von Menschen mit Migrationsgeschichte haben, von queeren Menschen, verschiedenen Altersdimensionen, etc., dann werden nicht nur Identifikationsfiguren geschaffen, sondern es kommt Verständnis und Wissen über diese Lebensrealitäten in einen Verein. Ein Beispiel, das banal daherkommt, aber so viel bewirkt: ein Bewusstsein für Feiertage außerhalb des christlichen Kalenders. Zum Beispiel Ramadan. Oder im Bereich Weiblichkeit, das Wissen über den weiblichen Zyklus und was dieser mit der Arbeitswelt und dem Sport zu tun hat. Über queeres Leben haben wir noch gar nicht gesprochen. Diversität ist entscheidend, weil sie nicht nur neue Perspektiven eröffnet, sondern auch Strukturen inklusiver, gerechter und zukunftsfähiger macht.

Gefühlt wird es um diese Themen herum leiser. Die Politik dreht sich, der gesellschaftliche Konsens scheint zu verrücken. Für manche Menschen besteht die Gefahr, dass sie sich immer mehr zurückziehen müssen, aus Angst aufzufallen.

Ich kenne aus meinem Kreis wenig queere Menschen oder Menschen mit Migrationsgeschichte, die sich noch nicht die Frage gestellt haben, in welches Land sie auswandern, wenn sich das gesellschaftliche Klima hier weiter in eine für sie gefährliche Richtung entwickelt. Deshalb kommt es gerade auch sehr darauf an, wie solidarisch eine Gesellschaft sich verhält. Ich bin dankbar, dass ich beim SV Werder Bremen Themen setzen kann und auch frei Schnauze reden kann. Mir fällt auf, dass einige Menschen im Kampf gegen Rechts noch sehr zaghaft sind. Da heißt es dann, dass „Klare Kante gegen Rechts“ oder „Laut gegen Nazis“ zu destruktiv sei. Wollen wir nicht lieber „Für Offenheit und Toleranz“ sein? Da entgegne ich l: „Ja, wenn die AfD dann an der Macht ist, könnt ihr immer noch sehr laut für Toleranz sein“. In der jetzigen politischen Situation ist es umso wichtiger, klar und laut zu sein.

Es entsteht, auch durch den Populismus in den USA, der Eindruck Antifaschismus sei eine radikale Idee. Als hätte man es hierbei mit einem Mob zu tun.

Antifaschismus sollte in der sogenannten Mitte der Gesellschaft der Konsens sein. The Bare Minimum, um gemeinsam leben zu können.

Ich möchte an der Stelle noch eine Anmerkung zu Mesut Özil machen. Ich habe meine Jugend auf dem Bolzplatz verbracht. Mesut Özil war einer von uns. Es gab in Göttingen, wo ich aufgewachsen bin, einen Hallencup. Ich kenne Jungs, also jetzt bald 40-Jährige, die noch gegen ihn in der A-Jugend gespielt haben. Wenn ich an den Mesut Özil von damals denke, dann ist das ein Junge vom Bolzplatz, der traumhaft gut kicken konnte, technisch begabt war und es irgendwie geschafft hat! Mit ihm konnte man sich identifizieren. Es ist schade zu sehen, was danach passiert ist. 

Sein Weg in den türkischen Nationalismus wirkt fast wie eine sich selbst vollziehende Prophezeiung.

Rückblickend fühlt es sich für mich auch so an. Ich hoffe, dass es für die Kinder dieser Generation neue Vorbilder gibt. Diese Figuren sind enorm wichtig: Menschen mit Migrationsgeschichte, die in Deutschland geboren sind und hier etwas erreichen können.

 

Veröffentlicht 16. Oktober 2025.

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