THEATERBREMEN

Theater am Goetheplatz

Der Rosenkavalier

Komödie für Musik in drei Aufzügen
von Richard Strauss
Text von Hugo von Hofmannsthal
18:30 Uhr Einführung

„No matter what the future brings / As time goes by.“ (Frank Sinatra) — Nicht nur die Zeit, sondern auch die Liebe ist ein sonderbar Ding: Der Marschallin schwört ihr jugendlicher Liebhaber Octavian ewige Treue. Baron von Ochs ist hinter jedem Rock her, selbst wenn ein als Mädchen verkleideter Octavian darin steckt. Sophie soll mit eben diesem Ochs verheiratet werden. Doch kurz vor der Eheschließung taucht erneut Octavian auf, jetzt als Rosenkavalier, und sofort ist es um ihn und Sophie geschehen. In einer Fassung, die das Augenmerk auf die Hauptpersonen richtet, widmen sich Regisseur Frank Hilbrich und Generalmusikdirektor Yoel Gamzou dem Werk des Autorenduos Strauss / Hofmannsthal, das nicht nur von der Vergänglichkeit und dem brüchigen Eis des Begehrens erzählt, sondern auch ein ebenso schmerz- wie rauschhafter Abgesang auf eine sich dem Ende zuneigende Epoche ist.

Dauer: ca 3 Stunden 45 Minuten, zwei Pausen

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Pressestimmen

„Der Bremer ‚Rosenkavalier‘ hat den Nährwert eines unvermuteten Erschreckens, den noch jeder Blick hinter die Oberfläche eines schönen Scheins mit sich bringt. Dafür muss man einen Preis zahlen, weil es viele ans Herz gewachsene Schmankerl oder Nebensachen nicht gibt. […] Lässt man sich darauf ein, dann leuchtet dieser Abend nicht schwelgerisch im Gegenlicht der Melancholie, wie sonst so oft und hochwillkommen. Dann ist das Gegenlicht analytisch kalt und zeichnet die Gesichts- und Charakterzüge der verbliebenen Beteiligten scharf nach. Stellt sie in den Mittelpunkt und entstellt sie allesamt zur Kenntlichkeit. Kein Genre-Wimmelbild aus dem Man-ist-was-man-ist-Wien; eher Einzelporträts von dessen menschlichen Folgen…. Dieses mutige (und in Dresden oder Wien nur schwer vorstellbare) Rosenkavalier-Experiment bezieht einen Gutteil seine Wirkung aus dem fabelhaft präzisen Spiel der Protagonisten.“ (Joachim Lange, Neue Musikzeitung, 22. September 2019)

„Yoel Gamzou ist auch hier ein energetischer, das vorwärtstreibender, teilweise verblüffend schnell dirigierender Mann, der allerdings auch tolle Solisten zur Verfügung hat, gerade Patrick Zielke als Baron Ochs ist wirklich hinreißend, wunderbar komisch, ungeheuer, ja auch erotisch in seiner ganzen doch sehr wuchtigen Körperlichkeit, die wiederum toll inszeniert ist von Frank Hilbrich. Die versuchen was, die machen hier Experimente, das ist erstmal zu loben, auch mit den Einschränkungen, dass ich es nicht ganz geglückt im Konzept finde, aber es ist virtuos umgesetzt, auch mit Nadine Lehner als Feldmarschallin. […] Ein deshalb doch spannender Abend.“ (Uwe Friedrich, Deutschlandfunk, 20. September 2019)

„Hilbrich interessiert sich also weniger für die historischen Brüche – wie den Niedergang der alten Gesellschaft angesichts der Moderne – als für zeitlose menschliche Konflikte und psychische Konstellationen. Das gelingt ziemlich bewegend und teilweise dramatisch. […] Großes Lob auch für die sehr aufmerksamen Bremer Philharmoniker, die wirklich bravourös die Vielschichtigkeit des Stückes herausgespielt haben, in flottem Tempo. Die komplizierten musikalischen Ebenen wirkten wie aus einem Guss, dabei leicht und unbeschwert. Also musikalisch ein großer Genuss. Ein sehr überzeugender Spielstart für die Musiksparte. Nicht nur musikalisch, sondern die Inszenierung insgesamt.“ (Christine Gorny, Bremen Zwei, 21. September 2019)

„Vor allem aber bietet das Bühnenbild viel Raum für die expressive, intensive Art der Personenführung, mit der Hilbrich die Geschichte erzählt. Wobei die Sänger sich allesamt als Singschauspieler von Format profilieren. Nadine Lehner ist eine Marschallin, die unter den Existenzängsten des modernen Menschen leidet und das gesanglich enorm textbewusst zu beglaubigen weiß – bis hin zu ihrer erschütternden Selbstaufgabe am Schluss. Nathalie Mittelbach überzeugt als ein Octavian von gesanglich stürmischem Temperament und zieht für ihren doppelten Rollenwechsel (eine Frau spielt einen Mann, der wiederum eine Frau spielt) alle schauspielerischen Register. Nerita Pokvytytes Sophie erweist sich auch stimmlich als recht emanzipiert und verleiht den extremen Sopranhöhen des herrlichen Schlussterzetts besonderen Glanz. […] Das Orchester unter Yoel Gamzou lotete alle Nuancen der Partitur aus, ihre rauschhaften Ekstasen, ihren kammermusikalischen Silberklang, ihre Walzerseligkeit.“ (Gerhart Asche, Weser Kurier, 22. September 2019)

„Mit kühnen Strichen befreien Yoel Gamzou und Regisseur Frank Hilbrich den ‚Rosenkavalier‘ von Kitsch. Die Welt ist eine Abstraktion, geschaffen von Sebastian Hannak: Der Bühnenbildner hat eine silbrig-schwarze Rosette eckig in die Tiefe des Goethe-Theaters gestaffelt. Und die Geschichte hat ein Ziel: Regisseur Frank Hilbrich und Opern-Generalmusikdirektor Yoel Gamzou haben sie entkernt, bis sie sinnvoll erscheint. […] Bis zum Erschrecken real verkörpert Patrick Zielke dieses obszöne Urbild toxischer Männlichkeit, die gegen alle singt. Mit der Partie steigt er in die tiefsten Tiefen bis kurz vorm Würgereiz: Beeindruckend und unheimlich. Bravo.“ (Benno Schirrmeister, taz, 28. September 2019)

„Die Lebensangst der Marschallin verdeutlicht sie [Nadine Lehner] mit emotionalem Hochdruck, als ginge es stets um Leben oder Tod. Nathalie Mittelbach ist ein schönstimmiger Octavian, der seine Lebens- und Liebesgier kaum zu zügeln weiß. Nerita Pokvytyté bezaubert als Sophie mit strahlender Höhe. Das Terzett im 3. Akt gelingt den drei Sängerinnen so traumhaft schön, dass man Zeit und Raum vergisst. Patrick Zielke ist in jeder Rolle bühnenbeherrschend. Das gilt auch für seinen Ochs, den er als widerwärtigen Zeitgenossen anlegt, dem er aber stimmliche Wucht und Größe verleiht. […] Wie Yoel Gamzou und die Bremer Philharmoniker die teils rauschhafte, teils filigrane Musik von Richard Strauss spielen, lässt keine Wünsche offen. Man spürt, mit welchem Herzblut er sich gerade diese Oper zu eigen gemacht hat. Das Orchester nahm den begeisterten Beifall auf der Bühne entgegen.“ (Wolfgang Denker, Nordwest Zeitung, 22. September 2019)

„Yoel Gamzou dirigierte einen sehr transparenten ‚Rosenkavalier‘, der Strauss‘ phänomenale Instrumentationskunst gut hörbar machte. Sein schlankes Dirigat deckte die Sänger nie zu, und seine flüssigen Tempi passten sich ideal dem lockeren Parlando an, das über weite Strecken vorherrscht. Mit dem gebotenen schwelgerischen Schwung aber ohne falsche Sentimentalität führte er die Bremer Philharmoniker sicher durch diese hochkomplexe Partitur. Sein Orchester dankte es ihm mit sowohl zarten Klängen als auch berauschender Dramatik und meisterte auch technisch sehr schwierige Übergänge bravourös!“ (Thomas Birkhahn, ioco, 21. September 2019)