Theater am Goetheplatz

Kasimir und Karoline

nach Ödön von Horváth
Mit englischen Übertiteln

„Wenn ich meine Augen schließen könnte und meine Träume in die Hand nehmen, dann würde ich nach oben fliegen, in einen neuen Himmel.“ E M E L - Holm (A Dream) — Karoline möchte sich auf dem Oktoberfest amüsieren. Die Menschen ringsum schauen hoch zum Zeppelin. Und der abgebaute Kasimir schimpft: „Da fliegen droben zwanzig Wirtschaftskapitäne und herunten verhungern derweil einige Millionen.“ Ödön von Horvát­h schrieb Kasimir und Karoline als Volksstück „in unse­rer Zeit“ und meinte die Massenarbeitslosigkeit nach der Weltwirtschaftskrise. Knapp hundert Jahre später befragt Alize Zandwijk den Stoff auf seine Aktualität in der Weltvirenkrise. Welche Chance hat der Mensch im Kapitalismus? Und welche hat die Liebe? Karo­line und Kasimir versuchen ihr Glück, aber scheinen zu schwer füreinander. Und doch: „Man hat halt so eine Sehnsucht in sich ...“

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    „Nicht nur durch diesen musikalischen Kniff schafft Alize Zandwijk mühelos die Verbindung zwischen dem in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise geschriebenen Stück und dem Jetzt. Obwohl vor fast 100 Jahren verfasst, passt es wunderbar in die heutige Zeit […]. Unter dem Strich bleibt eine sehenswerte, in weiten Teilen schrille, dann wieder textintensive Inszenierung eines nach wie vor guten Stückes mit starken Schauwerten (Bühne: Thomas Rupert, Kostüme: Anne Sophie Domenz), und der (allerdings nicht neuen) Erkenntnis: nichts ist in schwierigen Zeiten so schwer zu erlangen wie ein kleines bisschen Glück – besonders für die, die schon unten sind.“ (Frank Schümann, Kreiszeitung, 6. Oktober 2021)

    „[Das Bühnenbild ist] in etwa wie das Oktoberfest in Gotham City. […] Es bietet reichlich Gelegenheit für die Akteur:innen, sich auszutoben, dynamisch und akrobatisch, schrill und drastisch. Und das Amüsement auf dem Jahrmarkt kippt ständig ins Bedrohliche. […] Vielleicht würde ich einen Oscar für Special Effects verleihen. Weil der Riesen-Horrorclown manchmal eindrucksvoll Rauch spuckt. Alize Zandwijk und Bühnenbildner Thomas Rupert haben mal wieder starke Bilder gefunden. Die Auszeichnung als bester Kasimir bekäme Emil Borgeest, beste Karoline wäre Mirjam Rast. Die Verdreifachung ist zwar eine interessante Aufmerksamkeitsübung fürs Publikum, aber vielschichtiger wird die Geschichte dadurch nicht, eher radikaler.“ (Christine Gorny, Bremen Zwei, 3. Oktober 2021)

    „Dafür interessiert sich die Regisseurin umso mehr für die Titelheld:innen. Sie interessiert sich sogar so sehr für sie, dass sie Karoline und Kasimir jeweils dreifach besetzt, um die einzelnen Persönlichkeitsmerkmale der Figuren genauer herauszuarbeiten: einmal mit Manuela Fischer, Mirjam Rast und Maria Tomoiaga, dann mit Emil Borgeest, Rodrigue Kassimo und Patrick Balaraj Yogarajan. Insbesondere bei Kasimir funktioniert das, wenn die drei Schauspieler den Umgang mit dem Thema Arbeitslosigkeit ganz unterschiedlich performen, Kassimo brütend, Borgeest paralysiert, und nur Yogarajan versucht zumindest, auf Karolines unternehmungslustige Gutgelauntheit einzugehen. Bei dieser allerdings konzentriert sich die Inszenierung bald auf eine der drei Darstellerinnen, Mirjam Rast. Fischer und Tomoiaga bilden eine Art Chor, in dem sich ihr Spiel spiegeln kann.“ (Falk Schreiber, nachtkritik, 3. Oktober 2021)

    „Das Beeindruckendste an diesem Abend ist das Bühnenbild. Thomas Rupert hat die Fassade einer Geisterbahn gebaut, die sich über drei Etagen mit diversen Balkonen erstreckt. […] Dafür hat Alize Zandwijk die beiden Hauptrollen mit je drei Darstellern und Darstellerinnen besetzt. Der Grund erschließt sich nicht, weil sich dann eigentlich doch alles auf Mirjam Rast als Karoline und Emil Borgeest als Kasimir konzentriert. Die beiden machen ihre Sache großartig. Vor allem Borgeest interpretiert das Fragile seiner Figur mit viel Sensibilität.“ (Iris Hetscher, Weser-Kurier, 4. Oktober 2021)

    „Stattdessen macht die Mehrfachbesetzung klar, wie Horvaths Untertitel, ‚Volksstück in unserer Zeit‘ lesbar wird: durch Entgrenzung des Volksbegriffs samt implizierter rassistischer Denkmuster. […] Solche Ausbrüche erlaubt sich Horvath nicht: das Stück ist fatalistisch, wenn nicht verzweifelt. Seine Figuren sind allesamt unangenehm, und es führt Verschiebungen vor, keine Veränderungen: ‚Ich sage etwas / von Chancen / Die es nicht wirklich gibt‘, erfasst diese Stimmung die Schwarze Karoline Ela Fischer im Song ‚Der Mond macht kaum Licht‘, einem Blues. Der vermag, diese heillose Traurigkeit in Schönheit umschlagen zu lassen. So viel Erlösung muss sein.“ (Benno Schirrmeister, taz, 12. Oktober 2021)
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