Theater am Goetheplatz / Premiere

King Arthur

Musiktheater-Happening über alte und neue Katastrophen
von Schorsch Kamerun nach Henry Purcell
19 Uhr Einführung
im Anschluss Premierenfeier

Es ist ein Zusammenkommen verschiedener Welten: Barock trifft Punk und Popkultur, das Schauspiel- und Musiktheaterensemble begegnet jungen Performer:innen aus Bremen. Schorsch Kamerun, Regisseur und Sänger bei den „Goldenen Zitronen“, überschreibt Purcells „King Arthur“ und entwirft gemeinsam mit Dirigent Lutz Rademacher, Musiker PC Nackt und zahlreichen Mitstreiter:innen eine vielschichtige Collage über Machtfragen. Es ist ein heutiges musiktheatrales Wimmelbild rund um die alte „King Arthur“-Geschichte: Briten gegen Sachsen, König Arthur gegen König Oswald. Früher wie heute, solitäre Regenten, die durch das Behaupten möglicher Schreckensszenarien jede nur denkbare Maßnahme legitimieren, um Macht zu sichern oder gar rücksichtslos Krieg zu führen. Ihnen zur Seite stehen Zauberer und Spin Doktoren, die sich Wahr- und Unwahrheiten bedienen, sowie weitere gute und böse Geister, welche vorteilsbedacht die Lager wechseln. In diesem vergifteten Interessen-Getöse wird die blinde Emmeline sehend und erkennt eine Welt voller Narzissmus, Geilheit, Kalkül und wird dabei selbst zum gefährdeten, aber klug handelnden Drehpunkt einer weiteren barbarischen Schlacht. Gemeinsam mit dem Luftgeist Philidel macht sie sich auf die Suche nach Alternativen hin zu einer anderen Verbundenheit.

  • „Zwischen Barock und Punk ist eine Menge los. […] Mit der zweiten Premiere am Wochenende ist Kameruns Purcell nun auch im großen Haus angekommen – fertiger zwar, darum aber noch unübersichtlicher. Es drängt einem nämlich noch überwältigender entgegen, auf der zwar großen, aber eben auch proppenvollen Bühne: das Multispartenprojekt aus Schauspiel, Sänger:innen, Bremens Jungem Theater, dem Chor, den um barocke Instrumentalisierung aufgerüsteten Philharmonikern, Performing-Art-Studierenden und Soundscape-Elektroniker PC Nackt. […] Das alles klingt gut und ist es auch.“ (Jan-Paul Koopmann, taz, 1. November 2022)

    „Mit ‚King Arthur‘ zeigt das Theater Bremen sich offen und wagt Neues jenseits bekannter Theaterformen. Wie bei einem aufwendigen Rezept, kommt es auch hier auf die Feinheiten an – so sind die Texte von Schorsch Kamerun simpel und für alle verständlich, doch auch gelungene Basis zum Nachdenken und zum Schmunzeln. Zwischen seiner Musik und der von Henry Purcell gibt es streng betrachtet keine Schnittmenge – trotzdem passen beide perfekt in diesen Raum. Ein knapp zwei Stunden langer Musiktheater-Abend, der schnell verfliegt. Auch danach hätte man noch länger sitzen bleiben können, um gespannt auf das zu sein, was sich Schorsch Kamerun alles hat einfallen lassen.“ (Marcus Behrens, Bremen Zwei, 30. Oktober 2022)

    „Unter dem Dirigenten Lutz Rademacher musizieren die um einige barocke Generalbass-Instrumente verstärkten Bremer Philharmoniker stilsicher: agil, schlank und Vibrato-arm. Aus dem Opernensemble steuern neben dem gut präparierten Chor Marysol Schalit, Nadine Lehner, Hyojong Kim und Christoph Heinrich einige bemerkenswert schöne Arien bei. Unter den Schauspielern der Arthur-Handlung ragen neben Guido Gallmann (König Arthur), Matthieu Svetchine (König Oswald) und Christian Freund (er spielt gleich beide Zauberer) insbesondere Annemaaike Bakker als Emmeline und Karin Enzler als Luftgeist Philidel durch die einprägsam-eigenwillige Profilierung ihrer Figuren heraus. […] Man spürt in jedem Moment, dass dieses Tohuwabohu der interdisziplinären Interaktionen aus einem munteren, gutgelaunten Crossover-Teamwork entstanden ist, in dem jeder das Seine beigesteuert hat, auf dass es Schorsch Kamerun zu einem hybriden Ganzen forme. Das ist ihm ziemlich gut gelungen!“ (Detlef Brandenburg, Die deutsche Bühne online, 30. Oktober 2022)

    „Hier wird sich im Laufe des Abends ein schier undurchschaubares Geschehen entwickeln, das den eigentlichen Plot in seiner scheinbar banalen Schlichtheit verblassen lässt: Die Geschichte der Könige Arthur und Oswald, die nicht nur um England, sondern auch um die schöne Emmeline kämpfen, ist eher Anlass als Grund, ein ‚Wimmelbild‘ (Kamerun) zu entwerfen, das mit einer Gedanken- und Informationsüberfülle überfordert und irritiert. Da wird ein Schlagzeug auf- und wieder abgebaut – ohne dass es je gespielt würde. Da wird an einem Seminartisch Unerkennbares verhandelt, während hinten auf einer Leinwand zu sehen ist, was draußen auf dem Platz vor dem Theater geschieht. Dort wird getanzt, getrunken und vieles mehr.“ (Andres Schnell, Neues Deutschland, 2. November 2022)

    „Erfreuen kann man sich dennoch an einigem, strahlt dieser ‚King Arthur‘ doch immer wieder eine spielerische Leichtigkeit aus, gibt es ein paar wunderschöne Gesangsnummern, erinnert manches der neuen Musik, die Kamerun mit PC Nackt ersonnen hat, angenehm an die spröde Kunst der Goldenen Zitronen. Nicht unsympathisch ist nicht zuletzt der unbekümmerte Zugriff auf das immer noch mit der Aura des Elitären verbundene Operngenre.“ (Rolf Stein, Kreiszeitung, 5. November 2022)

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