THEATERBREMEN

Theater am Goetheplatz / Premiere

Lulu

Oper in drei Akten von Alban Berg
Text nach den Tragödien "Erdgeist" und
"Die Büchse der Pandora" von Frank Wedekind
Neubearbeitung des 3. Aktes von Detlef Heusinger
17:30 Uhr Einführung
im Anschluss Premierenfeier

„I want to love you but / I’m getting blown away. / I am just a dreamer, / But you are just a dream, / You could have been /Anyone to me.“ (Neil Young, Like a Hurricane) — Wer ihr begegnet, scheint ihr zu verfallen, wer sie je geliebt hat, muss sterben. Lulu ist Leerstelle und Projektion. Im Prolog als „Urgestalt des Weibes“ angekündigt, erschaffen, um „zu verführen, zu vergiften und zu morden“, erhält sie in der Oper zahlreiche weitere Zuschreibungen, die den Köpfen der sie begehrenden Männer wie Frauen entspringen. Sie scheint ohne eigenen Entwurf, ist mehr Prinzip als Frau, ist zugleich mythisch und real. Auch der Komponist Alban Berg verfiel dem "Lulu"-Stoff, nachdem er einer verbotenen Aufführung der Tragödien von Wedekind beiwohnte, verstarb jedoch noch vor Vollendung des dritten Aktes, weshalb dieser bis heute ein Fragment bleibt. Der aus Bremen stammende Komponist Detlef Heusinger entwirft daher nach den musikalischen Skizzen eine flirrende, elektroakustische Neuinstrumentierung des dritten Aktes, die sich vor allem dem surrealen Charakter und Sog am Ende der "Lulu" reflektierend annähert.

Dauer: ca. 3 Stunden 45 Minuten, 20-minütige Pause nach dem 1. Akt, 30-minütige Pause nach dem 2. Akt

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Pressestimmen

„Beim ‚Lied des Mädchenhändlers‘ beginnt auch das Theremin zu singen. Das elektronische Instrument, bei dem die Tonhöhe ohne Berührung, nur durch das elektrische Feld der menschlichen Hände gesteuert wird, klingt geisterhaft, wie aus einer Zwischenwelt.“ (Michael Stallknecht, Vorab-Bericht für die Süddeutsche Zeitung, 24. Januar 2019)

„So intensiv sich Detlef Heusinger Gedanken gemacht hat über die neuen Klangfarben, die eine ‚Lulu reloaded‘ ausmachen, so zurückhaltend war sein Umgang mit den erhaltenen Materialien aus der Feder von Alban Berg. Gut 15 Prozent habe er gekürzt, hier und da den dritten Akt dramaturgisch gestrafft, dabei neue Übergänge auf Grundlage der vorliegende Zwölfton-Reihentabellen komponiert. Heusingers Ziel: eine Neufassung ‚aus einem Guss‘ – das ist ihm gelungen, wie die gestrige Uraufführung zeigte.. […] Eine überzeugende Inszenierung aus dem Geist von #MeToo, getragen von einem sehr starken Ensemble mit Marysol Schalit als Lulu im Zentrum.“ (Dagmar Penzlin, Deutschlandfunk, 29. Januar 2019)

„Dieser „neue“ dritte Akt in der Bearbeitung des mit Musiktheater erfahrenen Bremer Komponisten Detlef Heusinger wurde zu Recht mit Spannung erwartet. […] Heusingers Bearbeitung gibt dem dritten Akt eine suggestiv flirrende Klanglichkeit, die nicht zuletzt gliedern und das Klangbild plastisch auffächern hilft und dem vermeintlichen Abstieg Lulus als Prostituierte eine raffinierte Halbwelt-Atmospäre verleiht.“ (Klaus Kalchschmid, Die deutsche Bühne, 29. Januar 2019)

„Storman treibt das durchweg begeisternde Ensemble durch diese Tour de Force, die satte drei Stunden und 45 Minuten dauert (inklusive zwei Pausen von insgesamt 50 Minuten) und die eine Zumutung im positiven Sinn ist. […] Sie (Bergs Musik) ist trotz des Spätromantik- und Jazzband-Einflusses kein Ohrenschmaus, sondern bleibt ein hoch artifizielles Konstrukt, dessen thematische Zu- und Fortschreibungen über Akte hinweg die Bremer Philharmoniker unter dem straffen Zugriff von Hartmut Keil mit ausgeklügelter Dynamik und viel Präzision ausführen.“ (Iris Hetscher, Weser Kurier, 29. Januar 2019)

„Heusingers ungemein farbenreiche Orchestrierung (zum Teil unter Einbeziehung der Lautsprecher im Theater) verleiht diesem Akt des Verfalls eine geradezu filmische Präsenz – ohne eine Spur von Konstrukt oder akademischer Fleißarbeit. Im Gegenteil, sie rückt ihn nahe an den Bänkelsänger Wedekind, an Drehorgel und Zirkusmusik. In der Mischung aus Karikatur, Groteske und Tragödie trifft Heusinger den Nerv des zynischen Countdowns und lässt Bergs Vorlage mit dem Wissen der Gegenwart intelligent und kreativ erblühen. Als könne es nicht anders sein.“ (Alexander Dick, Badische Zeitung, 29. Januar 2019)

„Der dritte Akt ist ja verschiedentlich schon bearbeitet worden, dieses Mal hat es der Bremer Komponist Detlef Heusinger vorgenommen, der auch ganz bewusst moderne Instrumente mit eingebaut hat. […] Dadurch bekommt das Ganze ein bisschen was Surreales, Flirrendes und es wird auch dieser Zeitgebundenheit etwas enthoben. Das fand ich schon durchaus überzeugend. […] Es ist eine Wahnsinnsaufgabe für das ganze Ensemble und da muss man natürlich die Lulu als erste nennen. Marysol Schalit, eine wirklich großartige Lulu.“ (Wolfgang Stapelfeldt, Bremen Zwei, 27. Januar 2019)

„Mit einem durchweg großartigen Sängerensemble zeigt Regisseur Marco Štorman Alban Bergs „Lulu“ in einem Spiegelkabinett. […] Die schlanke Stimme Schalits ist für die stark rezitativisch angelegte Partie bestens geeignet.[…] Claudio Otelli bot in dieser Partie nicht nur sängerisch eine fulminante Leistung. In seinem erschütternd wahrhaftigen Spiel zeigte er das existenzielle und selbstvernichtende Verfallensein des Dr.
Schön.“ (Wolfgang Wagner, concerti, 29. Januar 2019)

„Hartmut Keil und die Bremer Philharmoniker entfalteten die Intensität und die regelrechte Magie dieser Musik mit höchster Präzision in Struktur und Klangfarbe. Wunderbar. Der Opulenz der Fassung von Friedrich Cerha (1979), dem überzeugenden Hamburger Versuch mit der Wiedergabe des Berg’schen Violinkonzertes (2017) versuchte nun der Bremer Komponist und Leiter des SWR-Experimental-Studios Detlef Heusinger eine Lösung, die der Verelendung von Lulus Schicksal Rechnung trägt: die vorsichtig an Berg orientierten Klänge – Intervallik und Instrumentation – ergänzte er mit E-Gitarre, Theremin, Synthesizer und (kaputter) Hammondorgel. Eine
überzeugende Lösung besonders dann, wenn beispielweise das geheimnisvolle Theremin Gesangslinien unisono unterstützte, womit diese ein ganz andere, zauberhafte Klangfarbe erhielten.“ (Ute Schalz, Neue Musikzeitung, 29. Januar 2019)

„Sie gilt neben der Carmen als eine der erotischsten Figuren der Opernwelt: Alban Bergs Lulu - eine von Männern
umgarnte Frau, deren lustvolles Leben Leichen hinterlässt. Wir wären aber nicht am Theater Bremen, wenn nicht hinter die Fassaden des Stücks geschaut würde. Herausgekommen ist eine düstere, ganz und gar ‚unklassische‘
Produktion, die mit der musikalischen Neufassung des dritten Aktes zugleich eine Uraufführung beinhaltete. Das Publikum würdigte die starken Leistungen mit deutlicher Zustimmung.“ (Markus Wilks, Kreiszeitung, 29. Januar 2019)