Kleines Haus / Premiere / ausverkauft (eventuell Restkarten an der Abendkasse)

Schäfchen im Trockenen

nach dem Roman von Anke Stelling
19:30 Uhr Einlass

„Für Gefangene einer Gesellschaft, die unbedingt ihre eigene Zunge fressen will, geht es uns wahrscheinlich noch ziemlich gut.“ (A. L. Kennedy) – Resi ist Schriftstellerin und Mutter von vier Kindern. Sie lebt in einer Altbauwohnung in Berlin Mitte. Den moderaten Mietpreis verdankt sie einem ihrer Freunde. Bei deren Baugemeinschaft kann sie, ein Aufsteigerkind ohne finanzielles Erbe, ohnehin nicht mithalten. Da ist sie raus. So wie bald aus ihrer Wohnung. Denn beim Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf. „Wieder viel zu viel gegessen“, ist der einzige Satz, den ihre Mutter ihr in einem Tagebuch hinterlassen hat. Resi möchte ihrer Tochter die ganze Wahrheit sagen. Davon erzählen, dass es nicht egal ist, woher man kommt, dass nicht jede*r die gleichen Chancen hat, dass Kinder haben nicht immer nur glücklich macht, dass seine Träume zu leben, einen verdammt hohen Preis haben kann. Anke Stelling schreibt wütend, witzig, kränkend genau und rücksichtslos ehrlich. Für ihren Roman erhielt sie den Literaturpreis der Leipziger Buchmesse. „Ein Schlag in die Magengrube aller naiven Freunde der Mittelklasse.“ (Jens Bisky, Süddeutsc he Zeitung)

Dauer: 1 Stunde 40 Minuten


Der Vorverkauf beginnt jeweils am 10. des Vormonats – für unsere Festabonnent*innen bereits am 1. des Vormonats.

  • Termine / Karten

    Sonntag, 27. September 2020, 18:30 Uhr
    Donnerstag, 29. Oktober 2020, 20:00 – 21:40 Uhr / ausverkauft (eventuell Restkarten an der Abendkasse)
  • Besetzung

  • Video/Audio

  • Pressestimmen

    „‘Schäfchen im Trockenen‘ hat Anke Stelling ihren Roman genannt, für den sie im vergangenen Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse und den Hölderlin-Preis erhalten hat. Und in dem sie hellsichtig und scharfzüngig mit einer Illusion vor allem der 1970er- und 1980er-Jahre aufräumt, die da heißt: Wir leben in einer Gesellschaft, in der durch soziale Reformen alle gleiche Chancen haben. […] Ein Monolog, in dem Karin Enzler aus dem Schauspielensemble über 100 Minuten brilliert. […] Karin Enzler nimmt das Publikum mit in alle Gefühlszustände ihrer Figur, ist mal wütend, immer wieder verunsichert, verzweifelt, ratlos und sehr einsam. […] Das Publikum applaudiert bei der Premiere am Sonnabend laut und lange für diesen Parforceritt, der einen sehr gelungenen Spielzeitauftakt des Kulturherbstes markiert.“ (Iris Hetscher, Weser-Kurier, 31. August 2020)

    „Tapfer kämpft Protagonistin Resi mit Selbstironie gegen Selbstmitleid. Darstellerin Karin Enzler umkreist die Worte Stellings zumeist freundlich empathisch wie unprätentiös, fängt Erkenntnisse pointiert ein, übertreibt, rudert zurück, schweift ab, hadert, setzt neu an, hofft, leidet und schimpft. […] Riesengroß neben ihr verweist ein Geige spielender Glitzerengel-Aufsteller auf das weitere Wunschbild, mütterlich gütig jedermann die Wunschmelodie spielen zu können. Aber Resi ist kein glückspendender Cherub, sondern fremdelt vor allem mit den Rollenangeboten als Familientier. […] Herkunft definiert Zukunft. So die theatral stringente Analyse des Buchs.“ (Jens Fischer, nachtkritik, 30. August 2020)

    „Enzler modelliert Resis Verzweiflung über die Widersprüche und Drangsale durchaus mit bisweilen garstigem Witz heraus, ohne dabei zu moralisieren. Auch Stelling geht es nicht um die Einforderung des richtigen Lebens im Falschen. Ihre Konsequenz lautet ganz altmodisch: Klassenbewusstsein. Was fraglos ein kämpferisches Statement zum Beginn der Bremer Theatersaison ist. Ein sehenswertes ist es obendrein.“ (Rolf Stein, Kreiszeitung, 31. August 2020)

    „Es ist bei aller Beklemmung immer wieder auch zum Lachen, sich da wiederzuerkennen – und wohl eher nicht so, wenn man statt solcher Geschichten die jährlichen Ski-Urlaube mit der Familie am Herzen trägt. Roman und Inszenierung teilen sich die große Leistung, von der eigenen Privilegiertheit zu wissen und sich trotzdem mit nichts zufriedenzugeben. Und das geht dann auch doch wieder alle an: Spott gegen die Reichen und den Neid nicht als Widersprüche zu entlarven, sondern als genau die Mischung zu begreifen, auf der die quälende Mittelmäßigkeit dieser Gesellschaft eben beruht.“ (Jan-Paul Koopmann, taz, 2. September 2020)
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