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#Börgerding Aktuelles

Letzter Brief

Ein Text von Armin Petras für Michael Börgerding.

„Lieber Michael“/
(ich wollte diese sätze unbedingt mit „Lieber Michael“ beginnen lassen)
ich habe in den letzten 2 wochen 176 E-mails gefunden und gelesen /die ich so begonnen habe
und natürlich 176 E-Mail antworten von dir/
das hier soll die 177te werden//
2 jahre nach dem tod von Christoph Schlingensief habe
ich auf meinem alten handy eine sms von ihm aus afrika bekommen/
vielleicht antwortest du ja auch.../ irgendwie…/von irgendwo?!
ich glaube es nicht / aber ich würde mich freuen unseren dialog fortzusetzen/
denn das warst du für mich und für die meisten freunde und kolleginnen/
schauspielerinnen und assistenten
vor allen dingen:
ein mensch mit dem man immer in kontakt treten konnte!
unser ritual war es in der 2. probenwoche in deinem büro kaffee zu trinken/
und dabei über vieles zu reden/
nicht nur über die produktion sondern auch über politik/
gesellschaft / neue bücher / du warst sehr an kritiken und zeitungen
interessiert/ (ich nicht mehr) / aber beim thema bücher und bei den
politischen veränderungen /da haben wir oft und lange unsere eindrücke getauscht und
natürlich auch kontrovers gestritten/
du warst ein linker der alten Schule / habermas adorno waren dir
genauso eine klare angelegenheit wie foucault und derrida/
aber immer warst du auf der suche nach neuer literatur - poetischer und politischer
/ du suchtest immer fort nach neuen spannenden menschen / die schreiben
/ oder kunst machen und so unser weltbild erweitern helfen könnten!/
deine größte stärke aber war das „aushalten von anderen zuständen“-
du hast ungerechtigkeiten / eitelkeit / größenwahn und asozialität
ausgehalten und geduldet wie kein zweiter theaterleiter den ich kannte oder kenne/
immer hast du hinter der fassade / hinter den macken der einzelnen person die künstlerische seele /die not „das unbedingte wollen“
und das getriebensein dieser menschen gesehen/
jeder / wirklich jeder konnte sich einbringen / auch wenn er völlig unrecht hatte /
es ist diese überaus seltene großzügigkeit / die ich an dir so geschätzt habe/
eine großzügigkeit die schon manchmal an Selbstverleugnung grenzte/
aber ich denke es war nicht so:
es war eher eine challenge mit dir selber / um die leute um dich herum
als familie als kollektive zu sehen und bestehen zu sehen!
am deutlichsten wurde das für mich in der sogenannten „Corona-Pandemie“/
nirgends hat jemand so überaus großzügig z.b. mit verträgen von freien
künstlerinnen und künstlern hantiert / niemand hat sich so um soziale
wie medizinische belange gesorgt/ (und genau wie Ulrich Khuon habe ich dich
mehrere male abends allein im völlig leeren theater verzweifelt nach lösungen ringen sehen)
direkt nach covid haben wir ein 5 jahre altes Projekt gemacht - ein roman über den krieg/
genau als dann auch ein anderer krieg begann/du hast das durchgezogen-weil du es
richtig und wichtig fandest diesen autor und dieses thema zu machen.
„gerade im sturm erkennt man den guten steuermann“ (oder auch die steuerfrau/)
und egal was jetzt passiert / was passieren wird / welche menschen und konstellationen deine
nachfolgenden strukturen werden…
du wirst nicht weg sein! / dessen bin ich mir sehr sicher!
da ist zu viel in den ensembles / in der technik im ganzen haus/
was du geschaffen hast: eine offenheit ein miteinander ein: „zuerst der mensch dann das produkt!“
ich bin mir sicher dass diese art im theater zu sein / zu leben / das entscheidende ist /
was die alte BREMER SCHULE von Hübner von Kresnik und
von Fassbinder wirklich weiterentwickelt hat und was bestand haben wird für lange zeit!
du warst der sich permanent in selbst -und fremd-Aufklärung
befindliche souverän über und neben einem
großenteils sich in freiheit befindendem „Produzenten-Theater“
immer hast du versucht die ökonomie nicht als maßstab an die kunst zu legen/
wir (vor und auf und hinter der Bühne) haben natürlich meistens nur jene tage / produktionen / einschnitte gesehen:
wo du gegen die zwänge verloren hattest / aber auch das dieses fernhalten /der versuch dieses
fernhaltens jener
kapitalistischen produktions- und rezeptionsbedingungen in manchmal „Don Quichotischen“
kraftanstrengungen hat uns hier und da „gute kunst“ machen lassen und immer das gefühl gegeben
- da oben ist jemand der ohne wenn und aber zuerst für uns: seine theatermenschen da ist.
dass du fehlst und weiter vielen fehlen wirst ist im grunde eine lächerliche formulierung /da
sie jeder sowieso fühlt und weiss / wichtiger aber ist doch /dass da etwas weiter lebt / außerhalb deines
körpers / das du geschaffen hast mit sehr viel anstrengung kraft und liebe/
wie sehr du mir persönlich in schwierigen wie in
erfolgreichen zeiten zur seite gestanden hast / mit interesse mit aufrichtigkeit und mut/ das wissen alle/
die es wissen wollen/
dafür danke ich dir - nicht nur heute.

 

 

Veröffentlicht am 28. Januar 2025

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