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Junges.Theaterbremen #Fransz #Interview #DieZertrennlichen

Mama, warum darf ich nicht mit Sabah spielen?

Der Anwalt der Kinder, Theo Fransz, kehrt zurück ans Moks. Ein Gespräch mit Leiterin Rebecca Hohmann

Romain und Sabah heißen die beiden Kinder in dem Stück Die Zertrennlichen von Fabrice Melquiot, das ab September 2019 im Moks am Theater Bremen zu sehen sein wird. Beide Kinder sind neun Jahre alt, wohnen in der gleichen Straße und besuchen dieselbe Schulklasse. Was sie vor allem unterscheidet, sind die unterschiedlichen Kulturen aus denen sie stammen. Romain stammt aus einer weißen, französischen Familie und Sabahs Eltern kommen aus Algerien. Während die Kinder zögerlich und neugierig aufeinander zugehen, hegen vor allem Romains Eltern rassistische Ressentiments gegenüber der algerischen Familie. Die Kinder finden trotzdem einen Weg sich anzufreunden und erleben gemeinsam magische Abenteuer. Der niederländische Regisseur Theo Fransz wird dieses Stück für Kinder und Erwachsene ab 9 Jahren inszenieren.

Theo, was ist für dich das Besondere an diesem Stück? Warum ist es gut, diese Geschichte zu erzählen?

Theo Fransz: Das Schöne an dem Stück ist, dass es eine Liebes- und eine Coming of Age Geschichte ist. Das Besondere ist jedoch, dass es zeigt, wie dabei Rassismus das Leben der Kinder prägt und nachwirkt bis ins junge Erwachsenendasein. Der Autor, Fabrice Melquiot, zeigt, dass hinter Rassismus ein gesellschaftliches System steckt und wie Kinder darin selbstverständlich heranwachsen. Er lässt zum Beispiel auch Sabah rassistische Äußerungen sagen, obwohl sie selbst Opfer von Ausgrenzung ist. Das finde ich ein sehr wichtiges Thema, es Kindern und ihren Familien zu erzählen, damit wir uns alle bewusst werden, wie ein solches System, das von Rassismus geprägt ist, wirkt. Erst dann kann man etwas dagegen tun. Was für mich aber auch immer wichtig ist im Theater, sind Humor und Poesie, so wie es auch in diesem Stück der Fall ist.

Eine Schlüsselszene im Stück ist die Übergabe von Makrouts. Die Mutter von Sabah backt dieses algerische Gebäck und lässt es Sabah zu Romain bringen. Die Eltern von Romain werfen diese Kekse jedoch heimlich in den Müll mit der Begründung, dass sie schwer im Magen liegen.

Theo Fransz: Ja, die Makrouts stehen hier für das Angebot einer Verbindung. Die algerische Mutter möchte etwas teilen, als Zeichen einer freundlichen Geste, aber auch als Zeichen, etwas aus ihrer Kultur zu teilen. Und diese Verbindung wird abgelehnt. Der Junge hat gar keine Chance, dieses Angebot anzunehmen, sondern die Eltern entscheiden das für ihn. Das ist sehr schade, denn Essen schafft immer eine Verbindung.

Du bist in den Niederlanden geboren und aufgewachsen. Und Essen spielte auch in deiner Familie eine wichtige Rolle.

Theo Fransz: Ja, meine Eltern sind 1958 aus Indonesien gekommen. Sie hatten die niederländische Nationalität. Das kommt daher, dass Indonesien lange Zeit niederländische Kolonie war. Und sie waren nun sogenannte Rückkehrer, die nach der Selbstständigkeit Indonesien verlassen mussten. Als meine Eltern dann zurückgekehrt waren, waren sie an das indonesische Essen gewöhnt. Als meine Oma dann gekocht hat, haben die Nachbarn erst geklagt, das stinkt, mit dem Knoblauch usw. ... Und später kamen sie dann doch und das Essen hat eine Verbindung geschaffen.

Und wie war es für dich? Hast du als Kind Ausgrenzung erfahren?

Theo Fransz: Ich bin in einem Dorf aufgewachsen. In dem waren wir die einzigen Schwarzen. Wenn es zwischen mir und den anderen Kindern zu Streitigkeiten kam, dann kamen auch rassistische Äußerungen zur Sprache. Solche, die sie vorher schon zu Hause von ihren Eltern gehört hatten. Ich habe versucht, mich daran zu gewöhnen und den Ärger abzuschütteln. Ich habe zwei Brüder, die sich nie daran gewöhnt haben, die haben immer gekämpft und sich geprügelt. Meine Art war es eher, dies sprachlich zu regeln und zu versuchen, mit meinem Humor die Anfeindungen ein wenig zu relativieren. Was mir jedoch zu schaffen gemacht hat, dass es für Weiße nicht so verletzende Bezeichnungen gibt, wie es sie für Schwarze gibt. Da war ich im Nachteil. Und manches Mal war es sehr schmerzhaft.
Aber rassistisches Verhalten mir gegenüber passierte natürlich immer wieder. Zum Beispiel durch die Polizei. Als ich per Anhalter gefahren bin, nahmen sie mich mit und ließen mich irgendwo weit draußen wieder raus, auf einer Straße, in der so gut wie keine Autos fuhren.
Heute erlebe ich Rassismus im Alltag durch kleine Begebenheiten, auf die ich schon seit meiner Kindheit trainiert bin, sie wahrzunehmen. Zum Beispiel wenn ich in einem Zug fahre. Ich kann es schon an einem Blick sehen, dass Menschen sich nicht wohl oder bedroht fühlen, dass sie ihre Handtaschen festhalten oder den Platz wechseln, wenn ich mich neben sie setze. Das sind alles Vorurteile und Ängste und ich muss dann damit umgehen und klar kommen. Wenn man das nicht schafft, hat man eine schlechte Zeit.

Und wie ist es heute für deine Kinder und Enkelkinder?

Theo Fransz: Meine Kinder sind fast weiß. Für sie ist es gut. Wenn man weiß ist, hat man bestimmte Vorteile. Sie haben Ausgrenzung aufgrund ihrer Hautfarbe nicht erfahren. Mein Enkelkind ist wiederum ein Schwarzes Kind. Für sie ist es anders. Nimmt man zum Beispiel das Kinderfest zu Sinterklaas. Der Sinterklaas ist eine Art niederländischer Nikolaus. Er wird begleitet von seinem Knecht Zwarte Piet, vergleichbar zum hiesigen Knecht Ruprecht. Der Zwarte Piet transportiert ganz offen rassistische Symbolik – schwarz geschminkte Haut, Kraushaarperücke, rote Lippen, und große goldene Ohrringe. Und wenn man darauf aufmerksam macht, dann heißt es – er ist nur schwarz, weil er durch den Schornstein kommt. Wenn Menschen sich durch die rassistische Darstellung beleidigt fühlen, dann muss man es ändern, finde ich. Und, wenn sie nicht rassistisch sein wollen, dann haben sie keine Wahl, dann müssen sie es ändern. Es ist schon zermürbend, wenn man sein Leben lang mit Witzen über Schwarze konfrontiert wird. Für uns ist es irritierend, andauernd zu hören, hey, zwarte Piet komm mal her usw. ... Das reicht dann. Und dann sagen sie, das ist doch nur ein Witz. Stell dich nicht so an. Wir sind keine Rassisten. Deshalb können wir die Witze machen. Ich sage, ändert diese Feier mit diesen Stereotypen. Ich wünsche mir manchmal, dass alle Weißen einmal einen Tag miterleben können, was ein syrischer Flüchtling, ein Schwarzer oder Chinese im Alltag erlebt. Dann könnten sie vielleicht begreifen, was diesen Menschen widerfährt. Weiße Menschen können das nicht erfahren, weil sie keine rassistischen Ausgrenzungen aufgrund ihrer Hautfarbe erleben. Wenn sie das erfahren könnten, würden sie vielleicht nicht mehr sagen: Es ist nur ein Witz, oder es ist nicht so schlimm.

Was möchtest du den Kindern und Erwachsenen, die sich das Stück ansehen, mit auf den Weg geben?

Theo Fransz: Ich finde es im Theater immer wichtig, dass es Hoffnung gibt.

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