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Schreiben aus der Lunge heraus. Der ukrainische Rimbaud

Serhij Zhadan wurde der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2022 verliehen. Anlässlich der Uraufführung seines Romans Die Erfindung des Jazz im Donbass hier ein Auszug aus der Laudatio von Theaterautor:in, Essayist:in und Dramaturg:in Sasha Marianna Salzmann.

„Früher nannte man ihn den ukrainischen Rimbaud, jetzt ist er ... Zhadan“, schreibt Juri Andruchowytsch über seinen jüngeren Kollegen: „... sicher im Ton, makellos in den Details, ... anarchisch und kompromisslos sozial, zugleich absolut poetisch ...“. Wie funktioniert das Prinzip Zhadan? Der Dichter legt seine Finger auf die Pulsschlagader der Menschen um ihn herum. Wir als Lesende sind stets mitten unter jenen, die früh am Morgen die Tore zu den Schlachthöfen öffnen, wir sitzen mit ihnen abends in den Kneipen, schlafen neben ihnen in den Baracken.

Aber dieser Autor ist kein Realist, eher ein hoffnungsloser Romantiker – leidenschaftlich gerne beschreibt er den Himmel, den tauenden Schnee, die ihre Farbe wechselnden Kronen der Bäume. Momente von Futurismus und von Mystik flackern auf in seinem Schreiben. Popsongs, Paul Celan und Georg Trakl tauchen auf. Neben den dubiosen Helden*innen eines unbewältigbaren Alltags haben von allem Anfang an Engel in seinen Texten Platz (es wird auf sie geschossen, von ihren Flügeln regnet es Federn auf die Welt), am Rande der Stadt werden Hexen gehängt, an Gott wird appelliert, und immer wieder erstrahlt die Stadt Charkiw als eine Kloake der Glückssuchenden, die in ihrem feuchten Maul alle und alles zu verschlingen scheint.

Neben den Desperados ist für Serhij Zhadan die Heimatstadt eine beinahe schon erotisch aufgeladene Inspirationsquelle. Er beschreibt Charkiw wie eine Geliebte, sucht immer und immer wieder neue Seiten an ihr, huldigt ihr, verdammt sie. Seine Protagonist*innen versuchen sie zu erobern, in ihr einen Platz zu finden, aber sein, wie Zhadan Charkiw nennt, „Mesopotamien, weil Mesopotamien für Babylon steht“, ist uneinnehmbar.

Die zahlreichen Gedicht- und Erzählbände, die Romane und Essays entfalten eine Wirkung, die an die Gemälde von Pieter Bruegel erinnert. Der Kampf zwischen Karneval und Fasten, Die Kinderspiele, Die Bauernhochzeit: hektische Wimmelbilder, die so aufregend sind, dass man, unfähig wegzuschauen, nicht anders kann, als den Wegen der Portraitierten nachzuspüren. Wie sind sie dorthin gelangt? Was ist ihnen auf dem Weg geschehen? Woher kommt dieses gleißende Licht auf ihren Gesichtern?

Zhadan malt Tableaus, auf denen unvergessliche Randgestalten sich in das Bewusstsein der Leserschaft hineinsaufen und hineinraufen, sich einmeißeln in das Narrativ einer sich neuverortenden ukrainischen Gesellschaft. Man liest seine Bücher Anarchy in the UKR oder Hymne der demokratischen Jugend oder Die Erfindung des Jazz im Donbass und schmeckt das Blut der Perestroika im Mund. Man begreift ein wenig vom gelebten Leben derjenigen, die durch einen eisernen Vorhang von einem getrennt waren. Oder man begreift, wenn man auf der anderen Seite dieses Vorhangs aufgewachsen ist, mehr über sich selbst. Über die kollektive Erfahrung der postsowjetischen Jahre.

 

Wir danken Sasha Marianne Salzmann und dem Team vom Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für die Erlaubnis, diesen Auszug aus der Laudation auf unserer Homepage zu veröffentlichen. Die ganze Laudatio und mehr finden Sie auf der Homepage des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de 

 

 

Veröffentlicht am 13. Februar 2024

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