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Junges.Theaterbremen #JungeAkteurInnen #Systemrelevant

Was ist für dein System relevant? #2

Auf einen Spaziergang mit Paula Teich, 10 Jahre alt, Junge Akteurin, das Interview führte Shalün Schmidt, Theaterpädagogin.

Wie ist die Situation in deiner Familie?

Paula: Mein Vater hat sich einen Computer zuhause angelegt und hat viel von dort aus gearbeitet. Jetzt hat sein Laden wieder aufgemacht, die haben da Wege abgeklebt, wo man lang gehen kann und wo nicht. Zu den Schreibtischen zum Beispiel kann man nicht mehr gehen, sie haben das mit unseren Springseilen von zu Hause abgesperrt. Mama arbeitet jetzt auch wieder in einem Stoffladen, da geht die ganze Zeit die Ladentür auf und zu, auf und zu.

Machst du gerade Dinge, die du gerne machst?

Paula: Ich male ganz viel und schreibe meinen Verwandten Briefe. Meine Oma habe ich gefragt, welcher ihr Lieblingsvogel ist, den habe ich dann für sie gemalt.

Vermisst du irgendetwas?

Paula: Ja, meine Freundinnen. Besonders meine Freundin Sophia, die wohnt nicht in Bremen. Eigentlich wollte ich sie in den Osterferien besuchen gehen aber dann kam Corona und dann ging alles nicht mehr. Ich habe ihr jetzt vor kurzem ein Päckchen geschickt, so mit Krimskrams gegen Langeweile. Ich vermisse auch das Spielen auf dem Schulhof mit den anderen Kindern. Und da gibt es noch etwas: Eigentlich wäre ich mit Arno, das ist ein Ornithologe, in den Sumpf gefahren und wir hätten Kiebitze beobachtet. Das ist jetzt total spannend, weil die gerade erst wieder kommen, Kiebitze sind ja auch Zugvögel.

Gibt es etwas, das du tust, damit es dir gut geht?

Paula: Ich versuche gute Laune zu behalten. Das ist manchmal echt schwer in meiner Familie. Es gibt immer jemanden, der quengelt. Oft muss ich zum Beispiel wegen Mathe quengeln. Bei uns wären jetzt in der Schule Dezimalzahlen in der Intensivwoche dran gewesen, ich habe keine Ahnung von Dezimalzahlen und jetzt muss ich das einfach alleine machen, voll komisch.

Was glaubst du, ist für Kinder in der jetzigen Situation besonders?

Paula: Ich glaube, für uns ist das ziemlich besonders mit der Schule. Es gibt ja total viele Kinder, die das mit dem Internet überhaupt gar nicht machen können, weil die Eltern zum Beispiel viel beschäftigt sind mit der Arbeit und nicht helfen können. Manche haben kein eigenes Handy und können die ganzen Nachrichten von der Schule nicht bekommen.

Paula, was ist jetzt wichtig und was ist nicht wichtig?

Paula: Also, für mich ist wichtig, die Ruhe zu bewahren. Keinen Ausraster zu bekommen, mich abzulenken und mir keine Sorgen zu machen. Also natürlich mache ich mir trotzdem Sorgen, aber unwichtig ist jetzt zum Beispiel, dass ich nicht in die Schule gehen kann. Das ist schon doof, aber für mich ist meine Gesundheit natürlich noch viel wichtiger.

Was wird nach Corona für dich wichtig sein?

Paula: Nach Corona werden für mich meine Freundinnen wichtig sein, weil ich die dann so lange nicht gesehen habe, ich muss sie einfach wieder sehen. Ich stell mir das gerade vor: Ich glaube, ich werde total erdrückt von allen, weil sich alle umarmen wollen. Dann ist das wahrscheinlich am Ende so: „Hilfe, keine Umarmungen mehr.“

Glaubst du, dass die Politik die richtigen Entscheidungen getroffen hat?

Paula: Ich glaube schon, die haben gut und schnell Entscheidungen getroffen, z. B. die Kontaktbeschränkungen. Ich finde es auch gut, dass wir keine Draußen-Sperre hatten.

Was ist für Kinder jetzt wichtig? Was müssen deiner Meinung nach die nächsten Schritte sein?

Paula: Für mich ist das ein bisschen verwirrend, weil die Spielplätze jetzt wieder offen sind, eigentlich sollen wir ja Abstand halten. Aber für Kinder ist trotzdem wichtig Kontakt zu seinen*ihren Freund*innen zu behalten, damit wir uns nicht so ausgeschlossen fühlen und uns nicht so langweilig wird.

Glaubst du, dass wir Menschen aus dieser Krise etwas lernen können?

Paula: Ich glaube schon, dass wir etwas lernen können. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass es viele Sachen gibt, die wichtiger als Noten sind. Meine Familie und Freund*innen sind viel wichtiger geworden. Auch habe ich jetzt bemerkt, dass ich froh sein kann, dass ich zur Schule gehen kann. Ich habe mir vorher nie vorstellen können, dass ich nicht zur Schule gehen kann, das war für mich immer normal und jetzt habe ich das selber miterlebt.

Gibt es etwas, das du in der Krise zum ersten Mal gemacht hast und dir auch noch nach der Krise bewahren möchtest? 

Paula: Den täglichen Spaziergang durch die Wallanlagen, der macht mir immer gute Laune. Diese ganzen Tiere hier. Das ist so schön für mich, wenn ich beobachten kann, wie die Vogeljungen wachsen und wie die Fische sich entwickeln und die Krabben und alle anderen Tiere, ich habe hier schon Kaninchen gesehen. Das möchte ich mir bewahren.

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