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#cabaret Schauspiel

„Wenn die Welt in Stücke fällt, dann komm doch ins Cabaret.“

Das Musical Cabaret feiert Premiere im Theater am Goetheplatz. Die Dramaturgin Elif Zengin hat mit Regisseur Andreas Kriegenburg über Leidenschaft und Liebe, Spiellust und Lebenslust, Unordnung und Störung gesprochen.

Ein Mann im blauen Anzug schaut gerade aus in die Kamera.

Cabaret erzählt von Liebesbeziehungen und von Lebenskrisen. Die Höhen sind von Tiefen bedroht, es sind große Gefühle und große Gesten im Spiel. Ein Tanz auf dem Vulkan eben. Wie gehst du mit der Wechselhaftigkeit dieses Unterhaltungsstücks um?

Andreas Kriegenburg: Ich glaube, die erste und wichtigste Entscheidung war, das als Unterhaltungsstück zu akzeptieren. Das heißt, erst mal „Ja“ zu sagen zu dem Motiv des Entertainments, des Vergnügens, der Spiellust. Und da eben auch eine Brücke zu schlagen zu der Theaterlust derer, die das auf der Bühne machen. Also, dass sie tatsächlich für sich entscheiden: Wir schenken dem Publikum unsere Lebenslust, unsere Lebensgier. Aber auch darin eingebettet: Wir schenken dem Publikum unsere Sorge, unsere Einsamkeit und Verlorenheit.

Besonders finde ich auch, dass die gesamte Geschichte als eine Show im Kit Kat Club etabliert ist. Es gibt auf der Bühne Sitzplätze an Tischen, das Theaterpublikum ist dann quasi zu Gast im Kit Kat Club. Aber auch die Umbauten finden sehr offen statt sowie der Kostümwechsel.

Der Kit Kat Club will eigentlich immer eine große Intimität zwischen Akteuren und Publikum erzeugen, das ist für die Theater, die sich entscheiden, Cabaret zu machen, immer die große Schwierigkeit. Denn die Theater haben leider immer die Rampe als Trennlinie zwischen Bühne und Publikum. Was wir versuchen, ist, den Zuschauern zu zeigen, dass es eigentlich wirklich eine Club-Atmosphäre ist, in der man sehr nah dran sitzen kann mit einem Getränk oder in der man gleich zum Tanzen aufgefordert wird. Eigentlich ist es ein Spiel mit dem vergnügten Gedanken, dass das Publikum im Zuschauerraum sich wünscht, jetzt auch mit auf die Bühne zu dürfen.

Andreas, du meintest am ersten Probetag, dass Cabaret eine sehr unordentliche Aufführung werden soll. Ich weiß, dass der Begriff der Unordnung für dich auch eine politische Dimension hat.

Absolut!

Was bedeutet Unordnung für das Stück?

Wir leben ja in einer Zeit, in der wir in ganz vielen Ebenen unserer Gesellschaft eine Überforderung was die Komplexität der Welt betrifft, erleben. Wir erleben eine immer stärker werdende, scheinbare oder tatsächliche Unordnung in unserem Leben. Es gibt ganz starke Rufe nach jemandem, der uns hilft, Ordnung zu schaffen oder der für uns Ordnung schafft. Der Kit Kat Club und überhaupt die Kunst, darunter auch die Theaterkunst, sind aber das Gegenteil von Ordnung. Denn Ordnung, ob im Privaten oder Gesellschaftlichen, heißt eben auch Aussortieren von Störungen. Aber Leidenschaft und Liebe, Spiellust und Lebenslust sind Unordnung und Störung. Und was wir in der Inszenierung versuchen aufzuzeigen, ist, dass sich im ersten Teil diese fast nicht zu bändigende Lebenslust und diese Unordnung widerspiegeln und im zweiten Teil, wenn der Nationalsozialismus immer stärker hereinwuchert in die Szenerie, die Szenen immer karger werden, die Spiellust quasi wie abgetötet wird bis zu einem Punkt, an dem  die Gesellschaft, die wir auf der Bühne zeigen, auseinanderfällt. Und das spiegelt sich auch in unserer Inszenierung wider.

Wir haben oft angemerkt, dass es darin erschreckenderweise Parallelen gibt zu heute und trotzdem ist es eine andere Geschichte. Sie findet 1930 statt, vor dem Zweiten Weltkrieg, der Nationalsozialismus ist im Aufstieg. Ausgestellt ist es in dem Stück explizit durch Ernst Ludwig, der die Eheschließung zwischen Fräulein Schneider und dem jüdischen Herrn Schultz verhindern möchte und letztendlich ja auch tut.

Das Erschreckende an dem Stück ist ja, dass Ernst Ludwig, aber auch Fräulein Kost eigentlich bis zu dem Moment, wo sie sich demaskieren, sehr komödiantische, sehr sympathische Figuren sind. Wir sehen, wie die Menschen erschrocken sind, dass sich jemand, der Nachbar war, der zum Teil auch Freund war, plötzlich entlarvt als Anhänger einer radikalen rechtsnationalen Bewegung. Und das ist ja etwas, was wir auch heute erleben, dass die AfD sich tatsächlich über die letzten Jahre hineingewuchert hat in die Mitte unserer Gesellschaft. Das ist ein Umstand, mit dem wir konfrontiert sind, wo wir akzeptieren müssen, dass die rechte Gesinnung aus ihrer Ecke herausgekrochen ist und tatsächlich in unserer Mitte einen Raum beansprucht. Und wo wir eben nicht mehr wissen, in einem Gespräch beim Bäcker, in einem Gespräch mit einem Kollegen, ob wir nicht gerade mit jemandem reden, der sich aus welchen Gründen auch immer einer rechten oder rassistischen oder nationalistischen Gesinnung zugewandt hat.

An einer Stelle singt Sally Bowles, der Star des Kit Kat Clubs, „Wenn die Welt in Stücke fällt, dann komm doch ins Cabaret.“ Tatsächlich denke ich zurzeit, dass die Welt in Stücke fällt. Was ist das, was das Cabaret verspricht – auch heute?

Eigentlich sind es zwei Sachen, die das Cabaret und damit auch das Theater versprechen. Auf der einen Seite, und das ist gefährlich, eine kurze Auszeit von der Wirklichkeit, also der Erlösung von der Last der Trivialität, mit der wir oft konfrontiert sind in unserem Alltag. Auf der anderen Seite erleben wir im Theater und im Cabaret eine politische Positionierung und auch quasi eine Kontextualisierung von gesellschaftlichen Vorgängen. Wir haben aber als Künstler, sowohl damals die Künstler im Kit Kat Club als auch wir heute, die Möglichkeit, uns zu positionieren. Denn wir erleben ja, spätestens im zweiten Teil, nämlich in der Nummer „If You Could See Her Through My Eyes“, dass die Künstler des Kit Kat Clubs sich sehr wohl politisch eindeutig positionieren gegen den Nationalsozialismus und sich damit ja auch wirklich in Gefahr begeben. Und das ist ja das, was wir liefern können, dass wir auf der einen Seite Entertainment schaffen und aber in dem Entertainment auch unsere politischen Überzeugungen, Besorgnisse und auch unsere Wut einbetten und sichtbar machen.

Dann sagen wir doch dem Publikum, kommt ins Cabaret!

Ja, ich möchte ganz herzlich zu dem Abend einladen, denn es sind wunderbare Menschen auf und hinter der Bühne. Was sich da an Spaß, an Vergnügtheit und auch an Lebenslust vermittelt … Es ist auf jeden Fall ein Besuch wert.

Veröffentlicht am 25. April 2025.

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