Neu am Haus: Douglas Bateman
Wie kann wirkliche Zusammenarbeit aussehen? Wie können alle vom Wissen aller profitieren? Das sind die Fragen, die Douglas Bateman umtreiben. Seit dieser Spielzeit ist er Rehearsal Director im Tanz. Pressesprecherin Diana König hat ihn getroffen.
Douglas, du bist seit dieser Spielzeit Rehearsal Director im Tanz. Die erste Produktion, die du betreut hast, war The Tide. Eine Arbeit von Josep Caballero García und den Unusual Symptoms in Kooperation mit tanzbar_bremen. Der Abend, bei dem Tänzer:innen mit und ohne Behinderung gemeinsam auf der Bühne stehen, wurde gefördert im „pik – Programm für inklusive Kunstpraxis“ der Kulturstiftung des Bundes und gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Wie war der Einstieg für dich?
Douglas Bateman: Das war eine sehr offene Arbeitsweise, als Probenleitung war ich Vermittler zwischen Choreograf, Regieteam, den Tänzer:innen von Unusual Symptoms und den Tänzer:innen von tanzbar_bremen. So eine Aufgabe passt sehr gut zu dem, was ich bisher gemacht habe, ich habe eine Ausbildung in Konfliktlösung und Leitung gemacht. Mich interessiert, wie wir zusammenarbeiten – und zwar nicht von oben nach unten, sondern wirklich alle zusammen. Und The Tide war eine tolle Möglichkeit, so zu arbeiten.
Du hast schon in deinem Arbeitsleben vorher einige Erfahrungen mit sogenannten mixed-abled-Ensembles gearbeitet. Worauf muss man achten?
Man darf keinen Menschen unterschätzen. Es ist wichtig, dass man offen, klar, direkt und neugierig ist und nicht seine eigenen Vorurteile (egal ob gut oder schlecht) auf die anderen produziert. Jeder hat sein eigenes Wissen und es wichtig herauszufinden, wie wir dieses Wissen im Raum, in unseren Körpern teilen und warum wir es teilen. Diese Form von gemeinsamem Arbeiten braucht ein anderes Verständnis von Zeit und Geschwindigkeit. Das ist ein Lernen in alle Richtungen – wir lernen alle voneinander.
Tanz hast du in London studiert und in verschiedenen Kompanien in Europa getanzt, unter anderem in London, Rotterdam und Köln. Was ist dir da im Rückblick besonders wichtig?
Für mich war immer die Zusammenarbeit mit den Choreograf:innen wichtig. Die Frage, wie ich mich transformieren kann, wie ich mich in jedem Stück neu erfinden kann. Ich war sehr oft gleichzeitig enttäuscht und froh, dass mich nach einer Vorstellung viele Leute gar nicht mehr erkannt haben – weil ich auf der Bühne eben immer sehr anders bin. (lacht)
Tanzt du auch jetzt noch?
Ja. Ich tanze jetzt nicht mehr unbedingt vor Menschen, sondern mit Menschen. Als Hobby.
Hast du denn die Bühne ganz verlassen?
Meine künstlerische Arbeit hat sich in den letzten Jahren auf die Frage fokussiert: Wie tanzen wir zusammen? Die Produktionen, die ich gemacht habe, waren partizipative Choreografien. Zum Beispiel habe ich getanzte Stadtführungen gemacht – da bin ich mit vielen anderen Leuten mit Silent-Disco-Kopfhörern durch eine Stadt getanzt. Wir haben Musik aus zum Beispiel Kairo oder Venezuela über die Kopfhörer gehört und waren im Kopf dort. Aber getanzt sind wir durch Düsseldorf, Köln oder London. Und es war immer so, dass die Leute, die nicht zu unserer Gruppe gehört haben, das auch schön fanden, denn man sieht einfach gern Menschen tanzen. Und ich habe natürlich versucht, das möglichst barrierefrei zu machen, so dass wirklich alle mitmachen konnten.
Du hast eben von mehreren Projekten gesprochen?
Ich mache Workshops, die choreografische Dialoge sind. Die Tanzchoreografie wird dabei als ein Werkzeug benutzt, um nachzuvollziehen, wo bestimmte Entscheidungen getroffen worden sind. Wir als Tänzer treffen die ganze Zeit Entscheidungen mit unserem Körper, mit der Choreografie und mit dem Bühnenbild, davon ausgehend habe ich mit der ehemaligen Tänzerin und Konflikt-Spezialistin Dana Caspersen ein Workshopformat darüber entwickelt, wie man Entscheidungen trifft: im Tanz, im Spiel, im Leben.
Jetzt gehörst du fest zur Kompanie am Theater Bremen. Was sind denn deine Aufgaben als Rehearsal Director?
Auf der einen Seite muss ich die Kompanie organisatorisch im Haus bei verschiedenen Terminen vertreten, ich bin eine Schnittstelle zwischen Künstlerischer Leitung, Choreografie und den Tänzer:innen. Ich arbeite daran, das Verständnis wie wir zusammenarbeiten weiterzuentwickeln. Außerdem begleite ich die Proben sowie die Choreograf:innen, die alle sehr unterschiedlich arbeiten.
Bist du gut in Bremen angekommen?
Eigentlich ganz easy, es ist viel einfacher hier eine Wohnung zu finden als in Köln. Aber ich vermisse den Karneval.
Was erhoffst du dir von deiner Zeit in Bremen?
Ich war sehr lange freischaffend, ich will gern lernen, wie man in einer großen Organisation zusammen arbeitet. Und ich hoffe, dass ich einen positiven Einfluss zurücklassen kann.
Veröffentlicht am 13. Februar 2026.