Musiktheater
Theater am Goetheplatz
Die Banditen
Opéra-bouffe von Jacques Offenbach
Musikalische Leitung: Titus Engel, Regie: Herbert Fritsch
„Zweifellos! Man muss stehlen, wie es die Position gebietet, die man in der Gesellschaft einnimmt!“ (Falsacappa) — Brechts Überlegung, der Überfall einer Bank sei nichts im Vergleich zu deren Gründung, hätten Offenbachs Banditen sicher zugestimmt. Denn statt weiterhin Reisende auszurauben, mischen sie sich in Staatsgeschäfte ein. Bei der als Schuldentilgung arrangierten Heirat der spanischen Prinzessin und des italienischen Herzogs planen sie, die drei Millionen einzuheimsen, die die Italiener den Spaniern nach Abzug der Mitgift noch schulden. Und vermutlich wäre ihr Vorhaben aufgegangen, hätte der oberste Kassenwart die Staatskasse nicht längst verprasst ... Bereits für Offenbach und seine Zeitgenossen war klar: Die größten Ganoven sitzen in den Chefetagen.
Offenbachs „Banditen" verbindet Oper und Schauspiel, ist politisch, ohne ideologisch zu sein, schnell, wahnsinnig witzig und großartig musikalisch. Tobias Schwenckes Neufassung für das Theater Bremen wird die anarchische Grundhaltung und den radikalen Spielwitz dieser Operette auf den Gipfel treiben.
Dauer: ca. 2 Stunden 45 Minuten, eine Pause
- Falsacappa, Banditenchef Hubert Wild
Fiorella, seine Tochter Steffi Lehmann
Fragoletto, ein junger Bauer Nadine Lehner
Pietro, Falsacappas Vertrauter Bastian Reiber
Carmagnola, ein Bandit Gabriele Möller-Lukasz
Domino, ein Bandit Florian Anderer
Barbavano, ein Bandit Caspar Kaeser
Cicinella, Bauernmädchen Alexandra Scherrmann
Zerlina, Bauernmädchen Annemaaike Bakker
Der Herzog von Mantua Hyojong Kim
Antonio, Schatzmeister Florian Anderer
Der Kapitän der Karabinieri Florian Anderer
Die Prinzessin von Granada Alexandra Scherrmann
Adolphe von Valladolid Annemaaike Bakker
Graf von Gloria-Cassis Florian Anderer
Baron von Campo-Tasso Bert Coumans
Marquise, Mätresse des Herzogs Alexandra Scherrmann
Baronesse, Mätresse des Herzogs Annemaaike Bakker
Pipo, Gastwirt Hyojong Kim
Pipa, seine Frau Annemaaike Bakker
Pipetta, deren Tochter Alexandra Scherrmann
Staatskurier Caspar Kaeser
Karabiniere mit zwei Trompeten Caspar Kaeser
Musikalische Leitung Titus Engel
Regie und Bühne Herbert Fritsch
Kostüme Victoria Behr
Chor Daniel Mayr
Licht Christian Kemmetmüller
Dramaturgie Sabrina Zwach, Ingo Gerlach
- „Der Stummfilm und der Slapstick stehen diesem wundervoll verrückten Abend ebenso Pate, wie die Commedia dell’arte hier ihre putzmuntere Auferstehung feiert. Es wird grimassiert und gestikuliert, es wird geschielt und mit den Augen gerollt, die Zunge herausgestreckt und eindeutig Zweideutiges in allen Lebens- und Liebeslagen praktiziert, dass es eine Freude ist. Fritsch hat hier als virtuoser, enorm musikalischer Zirkusdirektor wahre Wunder bewirkt. […] Als unerhört wendigen Witzbold gibt Hubert Wild den Falsacappa, der sekundenschnell zwischen Bariton und Counterfach wechselt.“
Die Welt, 24. Oktober 2012
„Ja, es geht wieder recht albern zu in diesem Fritsch-Spektakel – aber niemand braucht zu leiden. Denn der Regisseur behält bei aller zielstrebigen Übertreibung im Detail im Ganzen sehr genau im Blick, worin denn wohl die „Witzschischkeit“ von Offenbach selber besteht. Wer immer das zuschanden missbrauchte Wort noch hören mag – dies ist eine ganz und gar werktreue Wiederbegegnung mit dem lustigsten Komponisten der Musikgeschichte.“
Deutschlandradio, 21. Oktober 2012
„So einen Schwachsinn habe ich ja noch nie gesehen“, hüstelt ein Premierenbesucher in der Pause, irritiert, amüsiert und so erregt, dass er auch die zweite Hälfte nicht verpassen will. In seiner ersten Musiktheaterregie hat Herbert Fritsch Die Banditen nicht elegant bis heiter als spöttische Offenbachiade angelegt – nein: Die Schauspielgäste, Opernsänger, Choristen und das Orchester entfesselt er zu hochtourigem Operettenwahnsinn.“
Die Deutsche Bühne, 23. Oktober 2012
„Fritsch, der in den vergangenen Jahren durch seine exaltierten, hochmusikalischen Bühnenwelten von kompromissloser Künstlichkeit zum absoluten Oberguru des aktuellen Schauspiels in Deutschland avanciert ist, hat eigentlich immer irgendwie schon Musiktheater gemacht – aber noch nie im engeren Sinne Oper. […] Und ist jetzt purer Wolllust und Raserei, Jacques Offenbach, dieser bezwickerte Satyr, hätte sich vor Glück gewälzt.“
Benno Schirrmeister, taz, 23. Oktober 2012
„Glücklicherweise findet Fritsch bei diesem Ansinnen kräftige Unterstützung aus dem von Titus Engel präzise regierten Orchestergraben – denn auch die musikalische Neubearbeitung von Tobias Schwencke denkt den Offenbach’schen Geist weiter, ohne ihn zu verraten: neoklassizistische Zuspitzungen, gelegentliche Ausflüge in den Jazz und Arrangements, die auch noch den Witz eines Friedrich Hollaender integrieren, machen schon das Zuhören zu einem Abenteuer für sich. In der Pause hörte man noch Bremer Bürger sich entrüsten ob der nervtötenden Ballung Klamauk, die da von der Bühne herabschwappte. Das ist durchaus verständlich: Drei Stunden Spaßbad muss man erst einmal aushalten können. Spätestens beim Schlussapplaus aber, wenn das gesamte Ensemble in Endlosschleife mit trötenden Kazoos den Stiefel-Hit intoniert, hat sich ganz Bremen dem Rausch ergeben.“
Nachtkritik, 22. Oktober 2012 -
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