Schon als Kind auf der Bühne? Für viele ein Monsterspaß!
Jacqueline Davenport im Interview mit Musiktheaterdramaturgin Pia Syrbe über kleine Trolle, Spitzentanz und 50 Jahre Theater Bremen.
Pia Syrbe: Vor kurzem lief die letzte Vorstellung von Doctor Atomic am Theater Bremen, an der du choreografisch mitgearbeitet hast, außerdem hast du die Choreografie der Operette Sissy verantwortet, bei der die Elevinnen deiner Ballettschule mit Mitgliedern des Schauspiel- und Musiktheaterensembles zusammen auf der Bühne stehen. Nun hat das Familienkonzert #2: Geisterspuk und Monsterspaß Premiere, wo deine Schülerinnen ebenfalls auf der Bühne am Goetheplatz tanzen. Es gibt also immer wieder Produktionen hier am Haus, bei denen deine Arbeiten zu erleben sind. In deiner Biografie steht, du warst seit 1986 Ballettmeisterin am Theater Bremen, dich verbindet also eine lange Zeit mit dem Haus.
Jacqueline Davenport: Ich bin sogar noch länger hier. 1970 habe ich als Tänzerin angefangen, engagiert von Johann Kresnik, einem Pionier des deutschen Tanztheaters, der unter der Intendanz von Kurt Hübner Ballettdirektor am Theater Bremen wurde. Er hat das Tanztheater in Bremen entscheidend beeinflusst und modernisiert. Unter seiner Leitung und später mit Gerhard Bohner und Reinhild Hoffmann habe ich hier getanzt. Als Hoffmann ging, habe ich mich entschieden zu bleiben und eine eigene Kompanie für die Oper aufzubauen.
Was hat dich bewegt zu bleiben?
Neben privaten Gründen, vor allem die künstlerische Arbeit. Ich wollte nicht nur tanzen, sondern auch unterrichten. Besonders spannend fand ich die Arbeit mit Menschen, die keine professionelle Tanzausbildung hatten. Sie bringen ganz andere Fähigkeiten und Voraussetzungen mit, hatten professionelle künstlerische Ausbildungen in anderen Bereichen und keine klassische Ballett-Ausbildung. Das machte es sehr interessant, diese verschiedenen Künstler:innen zusammenzubringen und das, was sie mitbrachten, zusammenzubringen. Mein Ziel war immer, eine gemeinsame Ebene zu finden, damit ein echtes Ensemblegefühl entstehen kann.
Du leitest inzwischen auch eine eigene Ballettschule. Wie kam es dazu?
Das begann schon in den 70ern, zuerst eher unfreiwillig. Kresnik schickte mich kurzerhand zum Unterrichten in eine Gesellschaftstanzschule, um dort auszuhelfen. Eigentlich wollte ich keine Kinder unterrichten, aber es hat mir dann doch überraschend viel Freude gemacht. Ich habe entschieden, dass ich das weiterführen möchte und mich jedes Jahr in England in der Tanzpädagogik weiterbilden lassen. Seit den 80ern führe ich meine eigene Schule.
Und bald tanzten deine Schülerinnen auch hier im Theater?
Ja, zunächst vor allem für Operetten, mit Polonaise, Menuett und anderen Gesellschaftstänzen, die in der Operette gefragt waren. Bis heute sind sie immer wieder an verschiedenen Produktionen beteiligt, etwa bei Sissy. Für die Kinder ist es natürlich etwas Besonderes, hier im Theater zu tanzen.
Im Familienkonzert stehen jetzt unter anderem neunjährige Kinder mit auf der großen Bühne. Wie bereitest du sie darauf vor?
Sie haben nur eine Bühnenprobe vor der Premiere, das ist nicht viel Zeit. Aber bisher haben es alle Schülerinnen immer mit Bravour geschafft. Mit den Kindern erlebe ich immer wieder besondere Theatermomente, jedes Mal aufs Neue sind sie begeistert von dem Theaterzauber, den sie in den Produktionen erleben können. Ich erinnere mich zum Beispiel gern an die Produktion Kitesh zurück, in der auch Schülerinnen mitgetanzt haben. In einer gemeinsamen Probe hat eines der Mädchen vor lauter Staunen über eine Bühnenverwandlung ganz vergessen, weiter zu tanzen. Diese Begeisterung ist jedes Mal aufs Neue berührend.
Haben die Tänzerinnen im Familienkonzert schon Bühnenerfahrung?
Sie haben Prüfungen getanzt und vor Eltern, aber noch nie vor großem Publikum. Für das Konzert habe ich vier Kinder ausgewählt, die technisch schon recht sicher sind. Jetzt spielen sie kleine Monster und Trolle, das ist etwas anders als das klassische Prüfungsprogramm.
Welchen Einfluss haben solche Produktionen auf die Beteiligten?
Einen enormen. Danach sind sie oft hochmotiviert. Nach Sissy beispielsweise wollten viele unbedingt wieder auf die Bühne, kommen zusätzlich ins Training und machen noch mehr Training mit Spitzentanz als zuvor, sie wollen sich immer weiter verbessern. Diese Theatererfahrung wirkt lange nach.
Beim Familienkonzert #2: Geisterspuk und Monsterspaß können Groß und Klein diese besondere Mischung aus Musik, Fantasie und Tanz live erleben. Wenn kleine Monster und Trolle die Bühne erobern, ist Staunen garantiert – und vielleicht entsteht ja bei dem einen oder anderen im Publikum ebenfalls die Lust, selbst einmal im Rampenlicht zu stehen: Im Theater Bremen können das Kinder zum Beispiel als Statist:innen oder im Kinderchor. Lust bekommen? Einfach bei Arabella Voss, Chorbüro und Leitung Statisterie, melden: avoss@theaterbremen.de.
Veröffentlicht am 25. Februar 2026.