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#reisenachreims #Interview Musiktheater

Überschreibung eines alten Schinkens oder wie Rossini zur Krimikomödie wird

Italienische Oper, Rossini, Krönungsoper, virtuose Arien: Klingt erstmal nicht besonders poppig? Was an Rossini reizvoll ist und ob in der Produktion Die Reise nach Reims aus all diesen Komponenten doch mehr als nur ein alter Schinken neu aufgelegt wird, darüber sprechen Regisseurin Anna Weber und Dramaturgin Pia Syrbe.

Dass Rossinis Buffo-Opern lustig sind, das wissen vielleicht einige. So wird sein Barbier von Sevilla regelmäßig in deutschen und internationalen Opernhäusern aufgeführt. Die Reise nach Reims dagegen ist erst in den letzten Jahren wieder häufiger auf den Spielplänen zu finden, war es doch lange in der Versenkung verschwunden. Was ist der Reiz davon, und wie blickt jemand 201 Jahre nach der Uraufführung darauf, der die Nähe zu heute sucht und neue Publika für Musiktheater begeistern möchte? Regisseurin Anna Weber inszeniert besonders häufig Operetten, oft in eigenen Bearbeitungen, angepasst an unsere Zeit, mit viel Humor, aber auch politischen Anspielungen, gern an ungewöhnlichen Orten und nicht nur in Opernhäusern. Ihr Kollektiv für zeitgenössische Operette tutti d*amore schreibt sich auf die Fahnen, Oper und Operette für alle zu spielen. Das erfordert Experimentierfreude und Risikobereitschaft. Doch zurück zu Rossini.

Mit der ganz klassischen italienischen Oper werden ihn viele assoziieren, mit Belcanto, mit Leichtigkeit, überschäumender Musik, die alle von den Stühlen reißt.

Anna Weber beschreibt die Musik in Die Reise nach Reims „als würde man auf einen fahrenden Zug aufspringen. Wie ein riesiger Motor, der gestartet wird, wo man einfach mitgerissen wird. Die Musik hat eine unglaubliche Sogwirkung.“ Da muss man einfach mit. Die Musik lebt von einer ständigen Übertreibung, mit der die Figuren versehen werden. Da ist zum Beispiel diese Szene: Die Contessa di Folleville singt eine achtminütige Arie, voller halsbrecherischer Koloraturen, in schwindelerregender Höhe, mit einer Empörung, die fast an die Königin der Nacht erinnert. Der Anlass? Sie hat ihre Hüte verloren. Das ist kein Regieeinfall, das steht so im Original. Rossini nimmt seine eigene Kunstform mit einem Augenzwinkern und führt sie gleichzeitig zur Perfektion. Das war damals schon lustig. Aber die Handlung? Die ist recht schnell erzählt, eigentlich kaum vorhanden. In einem Stück, das eine Reise im Titel hat, wird nicht gereist. Fast wie in einer Revue reiht sich hier eine Nummer an die nächste, dazwischen stehen im Original Rezitative, in denen die wenige Handlung untergebracht wird. In Anna Webers Inszenierung ist das anders, Dialoge ersetzen diese.

„Rossini zu hören und zu inszenieren, das ist eine Energiefrage. Die Musik ist so extrem, mit den Rezitativen verbunden, verlieren wir fast die Bodenhaftung.“

„In den Dialogen können wir kurz innehalten. Damit Zeit bleibt, zu verstehen, wie verrückt diese Musik ist.“ Dass das Werk ohnehin kaum Handlung besitzt, hilft für eine Neuinterpretation. Ursprünglich diente es vor allem dazu, die Gesangskunst anlässlich einer Königskrönung zu präsentieren. Die Arien hängen lose an einer Rahmenhandlung, mehr Vorwand als Narrativ.

Warum also nicht konsequent sein und eine neue Geschichte darüberlegen? Das Werk wird radikal neu gerahmt: Die Nummern werden umgestellt, verdichtet, eingebettet in eine Erzählung, die uns vertraut vorkommt.

Inspiriert ist Regisseurin Anna Weber von einem Genre, das in den letzten Jahren sehr erfolgreich war. Filme wie Triangle of Sadness oder The Menu zeigen eine dekadente, extrem reiche Gesellschaft, die den Bezug zur Realität verloren hat. Menschen, die sich in abgeschlossenen Sphären bewegen, überzeugt davon, dass Geld und Macht sie vor jeder Konsequenz schützen. Dort findet man Gesellschaftskritik, oft in Komödien, teilweise mit dramatischen Wendungen am Ende. Die Figuren funktionieren fast holzschnittartig, sind popkulturell vertraut und sofort lesbar – ein klarer Vorteil bei 14 (!) Solist:innen. Überträgt man das auf Rossini, entsteht eine verblüffende Ähnlichkeit. Der Realitätsverlust dieser Figuren äußert sich nicht nur szenisch, sondern auch musikalisch.

Die Arien explodieren vor Virtuosität, während die Welt um sie herum längst aus den Fugen geraten ist.

„Wir veralbern eine Upper Class, eine High Society, die so abgehoben ist, dass sie nicht mehr sieht, wie weltfremd sie eigentlich ist. Das steckt auch schon in der Rossini-Oper drin“, so Weber. „Da werden diese Figuren einem Chor von Bediensteten gegenübergestellt, die alle im Hotel arbeiten. Es treffen also zwei soziale Schichten aufeinander.“ Es ist vielleicht ironisch, dass jetzt dieses Stück, das für einen König geschrieben wurde, dazu dient eine reiche Oberschicht zu karikieren. In einer absurd überzeichneten Welt, die zeitweise fast psychedelisch wirkt, wird aus Rossinis Krönungsoper so eine Krimikomödie. Statt dem Finale voller Nationalhymnen und Lob und Preis Frankreichs, bekommt das Stück dafür szenisch und musikalisch eine unerwartete Wendung – nicht nur für Krimifans. Die Reise nach Reims hat so also für alle was zu bieten.

Für diejenigen, die gern Rossini hören und ihn in neuem humorvollem Gewand erleben wollen. Und auch für Menschen, die zum ersten Mal in die Oper gehen.

Es gibt Belcanto, virtuosen Gesang und große Effekte zu sehen und hören und zugleich Dialoge, Bilder und Referenzen, die etwas mit unserem Heute zu tun haben. Eine überzeichnete Welt, die vertraut wirkt. Vielleicht ist das also doch kein alter Schinken, sondern ein ziemlich lebendiger (und mit singenden Schweineköpfen).

 

Veröffentlicht am 10. Februar 2026.

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