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#brauneserbe #raub Schauspiel

„Aktion M“ – Braune Möbel

Aktivist:in Evin Oettingshausen über die Tabus der Beutegemeinschaft, historische Aufklärung und das Bremer „Arisierungs“-Mahnmal. Ein Gespräch mit Schauspielleiter Stefan Bläske anlässlich der Produktion Raub. Verladene Erinnerungen und der begleitenden Reihe Braunes Erbe

Stefan Bläske: Woher kann ich wissen, dass der alte Stuhl, auf dem ich sitze, nicht geraubt wurde, kein Gegenstand der „Arisierung“ war?

Evin Oettingshausen: Das kannst du nur dann ausschließen, wenn die Herkunftsbiografie des Stuhls noch nachvollziehbar ist. Da dies bei Möbelstücken sehr selten mit überliefert wird, bleibt diese Frage meistens unbeantwortet. Ich finde aber, viel mehr Menschen sollten sich diese Fragen stellen. Mindestens von dem Teil der Gesellschaft, dessen Familienangehörige im Nationalsozialismus nicht verfolgt wurden und potentiell profitiert haben. Aber auch sonst gibt es ja viele Stühle, die beispielsweise über Flohmarktkäufe in der WG-Küche stehen.

Ihr beschäftigt euch in dem Projekt geraubt.de mit diesen Herkunftsfragen.

Wir wollen mit unserer Arbeit den Erinnerungskanon um den Aspekt der oftmals nicht sichtbaren „Beutegemeinschaft“ erweitern. Und dafür sensibilisieren, dass die Spuren der Verfolgung und Vernichtung jüdischen Lebens und von anderen Verfolgten auch über Gegenstände im Hier und Heute allgegenwärtig sind. Oftmals fehlt aber das Bewusstwerden, das Wissen und/oder eine davon abgeleitete Verantwortung, die den Kontext der Beraubungen auch auf die eigene Familie, den eigenen Besitz bezieht. Das hat auch mit den oft wiederkehrenden (Familien)-Narrativen der letzten achtzig Jahre zu tun, in denen ja selten vorkommt, dass sich Leute hinstellen und sagen „Ich habe davon profitiert, dass meine jüdischen Nachbar:innen deportiert wurden, weil ich dann die Wohnungseinrichtung übernommen habe“. Oder offen sagen, dass sie auf sogenannten „Judenauktionen“ günstig an neuen Hausrat gekommen sind.

Mit eurem Format des „Forschungskiosk“ kommt ihr am 13. Januar und am 11. März ans Theater Bremen. Was ist das?

Das ist ein öffentliches Format, in dem der Frage nachgegangen werden kann, ob ein Gegenstand in meinem Besitz verdächtig ist, aus einem „Arisierungs“-Kontext zu kommen? Hier wollen wir die Menschen ermutigen sich dieser Frage zu stellen und geben Tipps und Hinweise, wo und wie recherchiert werden kann. Das muss auch gar nicht immer ein Familienerbstück sein, dass kann auch ein Secondhand erworbenes Teil sein, an dem beispielsweise Aufkleber, Stempel oder geschriebene Merkmale zu finden sind. Oder es gibt Überlieferungen durch Dokumente, Fotos oder Erzählungen, dass ein Gegenstand zwischen 1933 und 1942 gekauft oder übernommen wurde. Wenn wir die große Dimension der Gegenstände, die damals geraubt wurden, bedenken, ist klar, dass viele Gegenstände die Zeit überdauert haben, die Geschichten dahinter aber nicht. Wir wollen zum einen aufzeigen, wie leicht es war, sich zu bereichern und auf der anderen Seite Impulse für einen möglichen neuen und offenen Umgang mit den Gegenständen, den Geschichten und den Profiten vieler Privatleute geben.

Umgang bedeutet gar nicht unbedingt eine Rückgabe oder Rückerstattung?

Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit, den ehemaligen jüdischen Eigentümer:innen geraubte Gegenstände zurückzugeben, bei Möbeln, Haushaltsgegenständen oder auch Kleidung sehr gering. Aber wir zeigen auf, welche Wege es geben könnte und ermutigen dazu, sich trotzdem auf die Suche zu machen. Sich auch den aufkommenden Fragen zu stellen und so auch dazu beizutragen, dass die Lebensspuren der Verfolgten nicht negiert werden. Ich finde, es ist schon ein Schritt in die richtige Richtung, wenn der Gegenstand in den eigenen vier Wänden mit anderen Augen gesehen wird und beispielsweise Erzählungen im Bekanntenkreis die eigenen Fragen zu NS-Profiten beinhalten. Das kann dazu beitragen, dass gesamtgesellschaftlich mehr darüber gesprochen wird und damit auch das Tabu von der Beteiligung der vielen Einzelnen während der NS-Zeit gebrochen wird.

Bremen hat das erste sogenannte „Arisierungs“-Mahnmal, von dir entworfen. Es war und ist von zahlreichen Debatten begleitet. Wie zufrieden bist du damit?

Die Debatten sind ein wertvoller, wenn auch sehr anstrengender Teil des Mahnmals. Aber es hat das komplexe und wenig beleuchtete Thema der NS-Beraubung doch auch ganz gut in die Öffentlichkeit gerückt. Auch jetzt nach der Errichtung sind die Debatten oder das Sprechen über die „Arisierung“ und über die Entwurf-Umsetzung da. Was gut ist. Damit meine ich allerdings nicht den Vandalismus und den damit einhergehenden Antisemitismus, das hat mit einer ernsthaften Auseinandersetzung nichts zu tun. Es gibt aber im Gegensatz dazu viel konstruktives Feedback. Über die Gestaltung kann gerne auch gestritten werden, da sind die Geschmäcker ja verschieden, aber der Ort ist schon gut zentral und thematisch angebunden gewählt. Auch wenn es am jetzigen Ort etwas kleiner ist als der ursprüngliche Entwurf, der vor dem Neubaukomplex von Kühne + Nagel in der Hafenmauer hätte sein sollen.

Zum Mahnmal ist auch eine Website entstanden. Was will geraubt.de?

Die Webseite ist 2023 online gegangen, weil wir vom Mahnmal-Projekt, Henning Bleyl und ich, der Meinung waren, dass es daneben auch eine stetig weiterwachsende Kontextualisierung braucht. Anders als der Forschungskiosk behandelt das Mahnmal und somit auch die Webseite nicht nur die privaten Profiteur:innen, sondern ebenso das Land Bremen und die ansässigen Unternehmen, wie beispielsweise Kühne + Nagel und andere Speditionen. Hier möchten wir weitere und auch überregionale Aspekte der „Arisierung“ aufzeigen. Uns war auch wichtig, einen Raum für die vielen Facetten der Verfolgungsgeschichte zu schaffen. Es gab ja ab 1933 immer wieder neue und perfidere „Sondergesetzgebungen“ der Nazis, die vor allem für Jüdinnen_Juden, aber auch Sinti und Roma Schritt für Schritt eine wirtschaftliche Vernichtung vorsahen. Ob mit Berufsverboten, überhöhten Steuerabgaben, Boykott von jüdischen Firmen und schließlich der absoluten Beraubung aller Lebensgrundlagen. Und dies fand vor aller Augen und Ohren, in der Nachbarschaft, im Betrieb, an den Universitäten, am Bankschalter und in vielen Ländern Europas statt. Überall wo die Wehrmacht einfiel, wurden Jüdinnen_Juden verfolgt, deportiert und anschließend wurde ihr Hab und Gut in die „Reichsgebiete“ verfrachtet und weitergegeben und weiterverwendet. Und auch in den deutschen Häfen bereicherte sich der Staat mit Hilfe der Logistik-Unternehmen an den Umzugsgütern der Menschen, die versuchten vor den Nazis zu flüchten. Viele schafften es aber nicht, den Nazis zu entkommen. So auch Adolf Abraham Maass.

Damit sind wir bei Kühne + Nagel – aber noch nicht am Ende.

Die Bremer Logistik-Firma Kühne + Nagel warf im April 1933 den damaligen Miteigner Adolf Abraham Maass aus der Firma. Maass war Jude. Unmittelbar danach traten die Kühne-Brüder in die NSDAP ein. Für Adolf Maass und seine Familie hingegen begann eine lange Verfolgungsgeschichte unter anderem mit Fluchtvorbereitungen für seine drei Kinder. Adolf Maass und seine Frau Käthe Maass konnten nicht mehr ausreisen und wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet. Kühne + Nagel war inzwischen schon mehrmals mit dem „Gau-Diplom“ ausgezeichnet und ein NS-Musterbetrieb. Diese waren unter anderemmaßgeblich an der „Aktion M“ aktiv beteiligt, haben geraubte Möbel ins Reich transportiert. Es gibt noch weitere Bereiche und Rechercheansätze zur „Arisierung“, die entweder noch nicht oder wenig beleuchtet sind und wir wollen mit der Webseite dazu beitragen, dies einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seit Neuestem ist die Webseite auch mehrsprachig und wir bemühen uns, alles Aktuelle bereitzustellen: Veranstaltungen wie beispielsweise unsere Radtouren zu Orten der Beraubung oder von externen Kooperations-Veranstaltungen wie im Frühjahr rund um die Premiere des Stücks Raub. Verladene Erinnerungen auf die ich mich schon sehr freue.

 

Alle Termine und Themen der neuen Reihe Braunes Erbe finden Sie hier. Der Eintritt ist frei.

 

 

Veröffentlicht 7. Januar 2026.

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