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Schauspiel

Kleines Haus

Sickster (UA)

Nach dem Roman von Thomas Melle
Regie: Felix Rothenhäusler

„Unsere Gesellschaft produziert Schizos wie Haarwaschmittel oder wie VWs mit dem einzigen Unterschied, dass jene nicht verkäuflich sind.“ (Gilles Deleuze /  Félix Guattari) — Die drei Sickster (engl. sick = krank) in Thomas Melles 2011 erschienenem Debütroman leiden an der Abspaltung ihres Selbstbilds von der Realität. Thorsten Kühnemund kümmert sich für einen Mineralölkonzern um die Optimierung der Produktanordnung in Tankstellen und lässt keine Gelegenheit verstreichen, sich mit Spirituosen das Bewusstsein zu verdunkeln. Die Universitätskarriere seiner Freundin Laura, die er regelmäßig betrügt, scheint vorgezeichnet, nur zu Hause vor dem Laptop bringt sie keine Zeile zustande. „Ich bin nicht wie ihr“, glaubt seinerseits der Journalist Magnus Taue, doch auch er hat längst seine Ideale verkauft, als „Worthure“­ für die Firmenzeitung des Mineralölkonzerns. Immer weiter entfernen sich die drei dabei von unserer schein-
baren Normalität. Die Fiktion wird zur Wahrheit, die Metapher konkret. Bis sie schließlich gemeinsam die Revolution starten: „Macht kaputt, was euch kaputt macht. Euch selbst womöglich. Denn das knallt immer noch am besten!“

Dauer: ca. 1 Stunde 40 Minuten, keine Pause

  • Magnus Claudius Franz
    Thorsten Paul Matzke
    Laura Karin Enzler
    Sowie der Musiker Matthias Krieg
    Regie Felix Rothenhäusler
    Bühne Michael Köpke
    Kostüme Anja Sohre
    Musik Matthias Krieg
    Dramaturgie Tarun Kade
  • „Sollte auch das Bremer Publikum so viel Spaß an Stücken wie „Sickster“ entwickeln wie der Bremer Darsteller Paul Matzke, dann müsste einem um die Zukunft des neuen Schauspiels wohl nicht bange sein.“
    Rainer Mammen, Weser Kurier, 2./3. Oktober 2012

    „Regisseur Rothenhäusler, bislang vor allem am Deutschen Theater in Göttingen zu Hause, setzt dezidiert auf das dynamische Moment in der Suada der Selbsterforschung – die von szenischen Miniaturen verklammerten Monologe legen jeweils zu an Geschwindigkeit, dann nehmen Schlagzeug und Computer das Tempo auf, um es zu verdichten und weiter zu beschleunigen, bis zum lärmenden Gipfel und zum stummen Ausatmen danach. Der Rest ist szenisches Arrangement – und optischer Knüller Michael Köpkes Bühnen - Bild: ein raumfüllende Geschenk – Schleife, ganz in Gold. Das Leben war mal sorgsam verpackt, verschnürrt und gekrönt von dieser Schleife. Jetzt ist klar: Es war nichts drin, im Paket wie im Leben. Nichts, was sicht lohnt – nur die Schleife ist noch da. Misteriös erinnert sie an alles, was hätte sein können.“
    Michael Laages, Deutschlandradio, 30. September 2012

    „Für sich betrachtet […] ergibt sich ein zugespitztes Gesellschaftsporträt im Miniaturformat. Die Bilanz des Wochenendes heißt also 2:0 für Bremen – das gab es in der Stadt länger nicht.“
    Anke Dürr, Frankfurter Rundschau, 5. Oktober 2012

    „Das Geschenk aber ist ein Versprechen, das sich nur für den Theaterzuschauer einlöst. Matzke und seine starken Kollegen Karin Enzler als Kühnemund-Freundin Laura und Claudius Franz als moralverseuchter Mineralölkonzern-PR-Mitarbeiter Magnus holen zwar das Letzte an Ideen und Überlegungen aus ihren energydrinkgetriebenen, sinnentleerten Körpern und Köpfen heraus. Doch ein Geschenk werden sie nie erhalten. Sie werden kämpfen bis zum Umfallen. Was die drei hier spielen, improvisieren und zaubern, grenzt an eine Fortschreibung des sich selbst kommentierenden Reflexionstheaters von René Pollesch mit anderen Mitteln. Regisseur Rothenhäusler nutzt nicht etwa die guten Dialoge des Romans auf der Bühne, sondern bricht die Form meisterhaft und verdichtet sie zu drei großen Monologen, die von Thorsten, Laura und Magnus nacheinander gehalten werden, begleitet von Livemusiker Matthias Krieg, der einfühlsam die Regungen der drei von der Frusttankstelle untermalt. Dieser energiegeladene Kammertheaterabend – welch ein Geschenk!“
    Stefan Grund, Die Welt, 4. Oktober 2012

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