Kleines Haus

Tod-krank.Doc

von Elfriede Jelinek
Regie: Mirko Borscht

„Wer seine Wunden zeigt, wird geheilt. Wer sie verbirgt, wird nicht geheilt.“ (Joseph Beuys) — Das Zitat von Beuys, der mit seinem Begriff der „sozialen Plastik“ nach einer Ausweitung der Kunstzone strebte, hatte einen zentralen Platz in den letzten Arbeiten des krebskranken Christoph Schlingensief. Als eine Art Abwehrzauber kehrte der Künstler sein Inneres nach außen. Unnachgiebig und rücksichtslos gegen sich und andere, von denen einige die Auflösung der Grenze zwischen Kunst und Leben nicht mitzumachen bereit waren. Für seine vorletzte Inszenierung, die Ready-Made-Oper Mea Culpa, verfasste Elfriede Jelinek den Text Tod-krank.Doc, Schlingensief verarbeitete dann aber nur einige Zeilen daraus. Seither hat Jelinek von einer Inszenierung an anderem Ort abgesehen. Von den vier Teilen In der Krankheit, Im Bus, Im Keller und In der Hölle ist bis heute nur Im Bus aufgeführt worden – für das Theater Bremen gab Elfriede Jelinek nun den gesamten Text zur Uraufführung frei. Tod-krank.Doc gräbt im Innersten, in dem was darin, darunter liegt. Im Blutkuchen, im Untergrund, im Ende. „Darf ich Ihnen einen Rat geben? Es gibt keinen Rat. Aber danke, daß Sie gefragt haben!“

Dauer: ca. 2 Stunden 15 Minuten, keine Pause

  • Termine / Karten

  • Besetzung

  • Pressestimmen

    „So ist an diesem Abend ein spektakulärer Sieg der anarchischen Bilder über die etwas abgehangenen Texte zu bewundern. Und eine kraftvolle Performance, an der der verstorbene Schlingensief wahrscheinlich seine Freude gehabt hätte.“
    Alexander Kohlmann, Deutschlandfunk, 1. Dezember 2013

    „Der Zuschauer wird dabei durch das auf ihn einprasselnde visuelle und akustische Material völlig überfordert. Und durch die Kraft der Schauspieler, die sich das Todesthema regelrecht zu eigen gemacht haben, gezwungen sich selbst zu dem morbiden Geschehen auf der Bühne in Bezug zu setzen.“
    Alexander Kohlmann, Deutschlandfunk, 1. Dezember 2013

    „Die Uraufführung nach den Texten von Elfriede Jelinek ist brutal, abstrus, verstörend aber zugleich auch faszinierend. Zeigt sie doch die Verzweiflung sowie Grausamkeit von Tod und Krankheit in vielen Facetten. (…) Allein das geniale Bühnenbild rechtfertigt einen Besuch.“
    Markus Noldes, Weser Report, 1. Dezember 2013

    „Kein Wort-Konzert beginnt, sondern eine finstere Messe, in der Hieronymus Bosch und Comic-Strip, Barock-Oper und Techno, Rock, Arien und Schlager, grelles Licht und Stroboskop, Spruchbänder und Trivialmythen zum bildmächtigen Assoziationsstrom zusammenfließen.
    Andreas Rossmann, FAZ, 2. Dezember 2013

    „Mit angenehm unkunstvollen Sprechstimmen hat die Reihe von Zombies zu Beginn im ‚Blutkuchen‘ herumgerührt, Jelineks Leitmotiv für den lungenkranken Körper. Und dann sind sie, einer nach dem anderen, von Bühnenarbeitern mit Flauschflügeln versehen und Richtung Schnürboden gezogen worden. Mit dieser unter blutroten Spots baumelnden Schuldverstrickungsseilschaft, schien der Raum selbst zu pulsieren. Schön, präzise, überwältigend.“
    Tim Schomaker, nachtkritik.de, 30. November 2013

    „Der heikelste Teil des Stückes beschäftigt sich mit Josef Fritzl, der seine Tochter 24 Jahre lang im Keller einsperrte und sieben Kinder mit ihr zeugte. (…) Das ist risikoreicher Stoff, der aber alle küchenpsychologischen Klippen umschifft, weil Borscht und sein Ensemble ihn in ebenso brutalen wie packenden Bildkaskaden in den Griff bekommen.“
    Iris Hetscher, Kurier am Sonntag, 1. Dezember 2013

    „Die Düsternis der Welt – sie durchzieht auch die anderen Bilder, die Borscht mit seinem Bühnenbildner Christian Beck entworfen hat. Immer wieder Nebel, durchzuckt von Blitzen, und dann diese Musik: Mal sind es unfassbar traurige Barock-Arien, mal ist es rumpelnder Punk, mal apokalyptischer Metal mit Gedärm-Prügelei – und zwischendurch gibt es Schlager: ein Wechselbad der Gefühle in der Dunkelheit.“
    Andreas Schnell, Kreiszeitung, 2. Dezember 2013

    „Beim Krippenspiel mit Zombie-Engeln zeigen die Schauspieler Karin Enzler, Betty Freudenberg, Lisa Guth, Michael Janssen, Susanne Meyer, Gabriele Möller-Lukasz und Matthieu Svetchine aufopferungsvoll entmenschlichte, tierische und göttliche Wesenszüge. (…) Ein waches Gefühl für die menschliche Zerbrechlichkeit ist das Ergebnis der gezielten Mitmenschenüberforderung im Erlebnistheater.“
    Stefan Grund, Hamburger Abendblatt, 3. Dezember 2013

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