Kleines Haus

Faust hoch zehn

eine Arbeit von Felix Rothenhäusler und Tarun Kade
Regie: Felix Rothenhäusler

„Listen, if you can run a mile, run a race. You know what? Run a marathon.“ (Nike) — Höher, schneller, weiter, das ist das Motto, unter dem Goethes Faust durch die Welt rennt. Wenn du eine Meile laufen kannst, lauf ein Rennen. Oder gleich: lauf einen Marathon. Wenn du eine Wohnung hast, besorg dir ein Haus. Oder gleich: eine Stadt. Wenn du vor die Türe gehst, reise um die Welt. Oder gleich: erobere die Welt. Die faustische Welt ist eine ständiger Potenzierung, nie zufrieden, nie genug. Es ist eine Welt unablässiger Entgrenzung, nie aufhörender Bewegung und unendlicher Möglichkeiten. Mehr, mehr, mehr! Faust ist ein Größenwahnsinniger, der sich nicht schert um Festlegungen von Alter, Geschlecht oder Moral. Ewig strebend, ewig drängend verbrennt er sich und die Welt um ihn herum. Im übertragenen wie im buchstäblichen Sinn. Faust ist das perfekte neoliberale Subjekt, das weder vor der Ausbeutung seiner selbst noch der anderer Halt macht, keine Skrupel kennt und keinen Stillstand. Könnte er zumindest sein. Doch wenn man Faust als Inbegriff der Möglichkeiten sieht, dann könnte er eben auch ganz vieles andere sein. Künstler, freier Geist, Revolutionär. Sänger, Tänzer, Schauspieler. Mann, Frau, transgender. Jung, alt, unsterblich. Denn eins kennt die Welt des Faust nicht: Alternativlosigkeit. Und so sucht die Inszenierung „Faust hoch zehn“ nach den Möglichkeiten, die im Faustischen stecken. Was könnte Faust sein?

Dauer: ca. 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

  • Termine / Karten

  • Besetzung

  • Pressestimmen

    „Es gibt ein paar formidable Monologe, wie Robin Sondermanns überspannte Meditation über das Immer-höher-Hinaus-Wollen mit perfidem "Jetzt groß denken!"-Refrain – nicht ohne regelmäßige Yoga-Entspannung. Oder Nadine Geyersbachs innige Verspeisungsphantasien, vom Käfer bis zum Elefanten. Und dann gibt es noch den wundersamen Einsatz einer Kastenkonstruktion zu begutachten, in der Menschen unten verschwinden und oben wieder herauskommen und auf der das Ensemble nach und nach abgefahren wird wie auf einer Showtreppe.“
    Andreas Schnell, Nachtkritik, 19. Oktober 2014

    „Regisseur Felix Rothenhäusler und Dramaturg Tarun Kade interpretieren Faust als eine Denkbewegung, die beständig Grenzen verschiebt und neue Welten schafft, ohne Rücksicht auf Verluste. Diesen Gedanken begreifen die beiden auch formal und erweitern das Schauspielensemble um eine Opernsängerin, eine Tänzerin, einen Musiker und einen bildenden Künstler. Gemeinsam entwickelte das Team Texte, die den Grundgedanken umspielen. Sie erzählen von Selbstoptimierung, auszuschöpfenden Potenzialen, Wachstum und Größenwahn.“
    Andreas Schnell, Nordwest-Zeitung, 20. Oktober 2014

    „Und was dann kommt, ist eine performative Installation des Faustischen Dranges, ein lebendes Bild des maßlosen Strebens des modernen Menschen, seiner ständigen Versuche, die Möglichkeiten des Konsums, des Genusses, des Faust-Seins zu potenzieren - hinein ins Unendliche.“
    Jens Fischer, taz, 24. Oktober 2014

    „Es ist ein Faustprojekt ohne Faust, ohne Mephisto, ohne Gretchen. Nur ganz vereinzelt fällt mal ein Satz aus Goethes Faust, aber Motive werden sehr wohl übernommen und übersetzt in die heutige Zeit. Regisseur Felix Rothenhäusler will den modernen Erlebnishunger erfassen, den faustischen Spirit abfeiern.“
    Christine Gorny, Radio Bremen, 20. Oktober 2014

    „Im Grunde ist es sogar konsequent, das Faustthema weiter zu entwickeln. Goethe selbst hat sich schließlich auch von der Faust-Sage inspirieren lassen und hat überdies sein Leben lang an Faust II gearbeitet. Bereits für ihn war Faust also ein ständiger Prozess. Hier wird nun eine moderne Weiterentwicklung geboten, mit zeitgemäßen Themen, mit teilweise sehr starken und unterhaltsamen Texten.“
    Christine Gorny, Radio Bremen, 20. Oktober 2014

    „Erschöpfte Hochachtung. Das Prinzip faustischen Lebens ohne ein "Faust"-Wort nachvollziehbar und geradezu physisch erlebbar gemacht zu haben, das gelingt diesem anstrengenden und durchaus etwas zu langen Abend. Also der Beweis, dass Theater mehr kann, als Texte bebildern.“
    Jens Fischer, taz, 24. Oktober 2014

    „Egoistische Selbstverwirklichung, Esoterik und Kommerzgeilheit geraten da in eine unheimliche Nähe. Dabei schaffen Regie bzw. Choreographie, Musik und die Darsteller bei aller Vereinzelung im Nebeneinander eine verblüffende, fast unheimliche Kraft. Obwohl das Spiel anderthalb Stunden auf der Stelle tritt und tänzelt, entwickelt das Ensemble eine starke Dynamik durch die imaginierte, nicht nur äußerliche Bewegung auf den Spuren Fausts. Am Ende fahren sich die Spieler im fahrbaren Sargregal von der Bühne, die Musik übernimmt das Spielfeld: forschend, drängend, verführend im Wunsch-All.“
    Detlev Baur, Die Deutsche Bühne, 23. Oktober 2014

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